Dienstag, 5. August 2014

Zerstörung im Quadrat - "Transformers 4 - Ära des Untergangs" oder auch: "Wie Michael Bay die Welt erklärt"






©Paramount Pictures
Es gibt Momente im Leben eines Filmkritikers, in denen er aufgibt. Da verliert er den Glauben an einen tieferen Sinn, etwas, woran er sich festhalten kann, dass sich interpretieren oder schlicht rezensieren lässt. Michael „BadaBoom“ Bay hat mit „Transformers 4: Ära des Untergangs“ das geschaffen, was sich nur schwer in Worte fassen lässt. 166 Minuten – in Worten einhundertsechsundsechzig(!) - versucht er so viel Bewegung wie möglich ins Kino zu pressen, ohne Rücksicht auf Narration, geschweige denn innerer Logik. Dass „Transformers“ von Haus aus dämlich ist, ist natürlich längst bekannt. Doch noch nie übersteigerte der Baysche Gigantismus die innere Logik seiner Filme so sehr, wie hier. Nichts ergibt einen Sinn, denn sobald sich ein Fragezeichen auf der Stirn des Zuschauers bildet, wird dieses sofort von der nächsten Explosion hinfort gespült. Keine Zeit für kritisches Denken. Konsumieren. Sehen. Verzweifeln. Oder: Neu entdecken?

Bay kümmert sich nicht darum, ob sein Werk verstanden wird oder nicht. Tatsächlich kann man gar nicht sicher sein, ob er das überhaupt möchte. Zwischen grauenhaften Onelinern seitens pubertierender Riesenroboter folgt Schlag auf Schlag, Verfolgungsjagd auf Verfolgungsjagd. „Transformers 4: Ära des Untergangs“ will zu keiner Sekunde etwas vermitteln. Für Bay bedeutet Bewegung Unterhaltung. Feuer, Schüsse, umherfliegender Stahl, CGI-Kolosse im Adrenalinrausch gepaart mit kleinen Menschlein, die am unteren Bildschirmrand daherwuseln. Kein Feuerball zu wenig, kein Patronenregen im Minus. Vielleicht ist „Transformers 4: Ära des Untergangs“ aber auch der erste Actionfilm, der sich eher prätentiösen Arthousedramen anbiedert, als fest im Actiongenre verankert zu sein. Immerhin verwenden jene Regisseure dieselben Mittel ohne Rücksicht auf ihr Publikum. Sie verfolgen ihre künstlerische „Vision“, ordnen ihr alles unter. Da werden Szenensprünge vorangetrieben, eine Dramaturgie verwendet, die auf den ersten Blick keine zu sein scheint und der Zuschauer gefordert bis zur Selbstaufgabe. Aber hey, ist doch alles Meta und subversiv und dementsprechend tiefgründig. Gehört das Transformers-Franchise also plötzlich dem Arthouse-Sektor an, oder hat der Schreiber dieses Textes sein Hirn im Kampf gegen Dinobots verloren? 

©Paramount Pictures

Wie sonst soll man sich einen fliegenden Optimus Prime erklären (was er vier Filme lang nicht konnte)? Dämliche Aliens und deren Technologie? Inkohärente Actionszenen (aus zwei Autobots mach eins und umgekehrt)? Eine Legende von der niemand zuvor etwas gehört hat? Dieselben Dialoge in unmerklichen Variationen zwischen Mark Wahlberg, seiner unnützen Tochter Tessa und dessen Freund? Das ist doch jene Taktik, die im Sinne vom Unerklärlichen, nicht Gezeigten und Wiederholten auch von Arthouse-Regisseuren angewandt wird. Der Zuschauer muss mitdenken, sich selbst einen Reim darauf machen und – wie so oft – daran scheitern. Mindfuck eben. Warum also nicht Michael Bay dieselbe Anerkennung für dieses Werk zukommen lassen, wie sie die großen Künstler schon lange erhalten? Vielleicht zählt dieser Film in zehn Jahren zu den großen Klassikern der 2010er und besitzt denselben Status in seinem Genre wie „2001 – Odyssee in den Weltraum“ in der Science Fiction. Wer weiß?

Wenn auf der Leinwand gigantische Dinosaurier-Roboter möglich sind, wieso auch nicht das? Der Autor dieser Zeilen muss jetzt erst einmal ein Produkt eines jeden Herstellers kaufen, der in „Transformers 4: Ära des Untergangs“ per Product Placement geworben hat. Man sieht sich also demnächst auf der Bank eures Vertrauens. Muss zwingend einen Kredit aufnehmen….

©Paramount Pictures
BEWERTUNG: 05/10
Titel: Transformers 4 - Ära des Untergangs
Laufzeit: 166 Minuten
Erscheinungsjahr: 2014
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Action
Regisseur: Michael Bay
Darsteller: Mark Wahlberg, Nicola Peltz, Jack Reynor, Stanley Tucci, BingBing Li, Sophia Myles, T.J. Miller








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