Freitag, 8. August 2014

Aus Affe wird Mensch, aus Mensch wird Affe - Krieg der Völker in "Planet der Affen - Revolution"!






©20th Century Fox
Es hat schon fast etwas beruhigendes, zu sehen, dass selbst hochintelligente Affen dieselben Probleme haben, wie Menschen. „Planet der Affen – Revolution“ widmet sich nach seinem äußerst erfolgreichen Vorgänger noch ausführlicher der Affen und degradiert den Menschen fast zum Beiwerk. Da muss sich Affenprotagonist Caesar mit einem rebellischen Teenagersohn arrangieren, Verrat unter seinen engsten Vertrauten hinnehmen und seine Truppe zusammenhalten. Business as usual eigentlich, wären hier nicht Affen die „Hauptdarsteller“. Tatsächlich gelingt Regisseur Matt Reeves hin und wieder ein faszinierender Einblick in die aufgebaute Gesellschaft der Affen, von denen es gerne mehr hätte geben können. Dummerweise kehrt sich das in Anbetracht der Menschengruppe ins Gegenteil. Hier begegnen dem Zuschauer Figuren vom Reißbrett, die wohl kaum Interesse hervorrufen können. Da kann einem Jason Clarke in der Rolle des ersten Anführers Malcom nur leid tun. Endlich einmal darf er aus der zweiten Garde Hollywoods heraustreten, ohne jedoch sein ganzes Können zeigen zu dürfen. Noch schlimmer erwischt es Altmeister Gary Oldman, der von den vielen Drehbuchautoren gnadenlos verheizt wird und am Ende fast zur Lachnummer verkommt. Dementsprechend kommt der emotionale Aspekt im Kampf Mensch gegen Affe zu kurz. Immer wieder versucht „Planet der Affen – Revolution“ das aufziehende Gewitter zu beschwören, doch der brodelnde Konflikt ist nicht intensiv genug. Jedenfalls nicht genug, um mit den fantastischen Bildern mitzuhalten. 

©20th Century Fox

Auf visueller Ebene ist „Planet der Affen – Revolution“ ein Freudenfest. Das „Motion Capture“-Verfahren ist nun endgültig perfektioniert. Krankten ältere Produktionen noch an gewissen technischen Feinheiten, ist das hier kein Problem mehr. Selbst die Augen wirken echt, zum Anfassen. In seinen besten Momenten vermag Regisseur Matt Reeves seine Affen Gänsehaut erzeugend realistisch ins Publikum starren zu lassen. Dementsprechend gelungen sind auch einige Panoramen, die die Leinwand in ein Fenster mit Blick auf postapokalyptischen Wahnsinn transformieren. Denn wenn Reeves eines kann, dann durch seine Bilder eine düstere Atmosphäre erschaffen.
Deshalb ist es umso trauriger, dass die Story dieses Versprechen nicht einhalten kann. Natürlich kommt es nicht darauf an, möglichst originelle Wendungen miteinzubauen. Das ist heute wahrscheinlich gar nicht mehr möglich. Wenn der Zuschauer allerdings das Gefühl hat, fast den gesamten Film mit denselben Charakteren (nur mit weniger Körperbehaarung) schon einmal gesehen zu haben, geht das zu weit. Da hilft auch kein Actionfeuerwerk oder auf Pferden reitende Affen, um dieses Manko zu überspielen. Der Erstling hatte mit dem Gespann James Franco/Caesar ein emotional bindendes Leinwandpärchen. Teil zwei hat das nicht und das spürt man. Hier wird, wie so oft, auf das Kredo eines Sequels gesetzt: Höher, weiter, schneller. Visuelle Brillanz gepaart mit Schwächen in Charakterisierung und daraus resultierender Kühle. Gegen Ende rutscht der Film in die Schiene eines typischen Hollywood-Blockbusters, was er angesichts seiner möglichen Qualitäten nicht notwendig gehabt hätte. 

Das liest sich jetzt zwar wie ein vollkommener Verriss, ist es aber nicht. „Planet der Affen – Revolution“ ist unterhaltsam, keine Frage. Reeves weiß, welche Knöpfe er drücken muss, um das Publikum in den Griff zu bekommen. Allerdings bleibt er ein gutes Stück hinter den Erwartungen und vor allem hinter Teil eins zurück. Vielleicht leidet der Film allerdings auch an typischen Merkmalen eines Mittelstücks in einer Trilogie: Ein Übergang zu sein, der nicht abgeschlossen ist. Nicht sein kann. Wie sich die Reihe entwickelt – ob zum Guten oder Schlechten – wird sich also noch zeigen. 

©20th Century Fox
BEWERTUNG: 6,5/10
Titel: Planet der Affen - Revolution
FSK: ab 12 freigegeben
Laufzeit: 131 Minuten
Genre: Action, Science Fiction
Erscheinungsjahr: 2014
Regisseur: Matt Reeves
Darsteller: Andy Serkis, Jason Clarke, Gary Oldman, Keri Russell, Tobi Kebell, Kodi Smit-McPhee








1 Kommentar:

  1. Es verspricht, ein weiterer guter Film in diesem Jahr :)

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