Dienstag, 19. August 2014

Auf dem Weg zu 100 Prozent - Scarlett Johansson in "Lucy"!






©Universal Pictures
Die letzten Jahre stand es nicht gerade rosig um den einstigen Vorzeigeregisseur Luc Besson. Er selbst versank immer mehr im Mittelmaß („Malavita“) und auch seine Produktionsfirma EuroCorp konnte an alte Erfolgte nicht mehr anknüpfen („Three Days To Kill“). Umso erstaunlicher, was er dem Zuschauer mit „Lucy“ im SciFi-Actiongewand nun liefert. Mit der omnipräsenten Scarlett Johansson als Protagonistin macht er sich auf, die Grenzen des Gehirns auszuloten und seine Prämisse in actiondurchtränkten Bildern zu präsentieren. „Lucy“ ist nichts zu abgefahren, nichts zu weit weg oder gar unmöglich. Besson filmt munter drauf los, als handele es sich hier um sein Erstlingswerk. Frisch, frech und so gar nicht um aktuelle Sehgewohnheiten bemüht. Zumindest beinahe. 

Denn natürlich ist „Lucy“ visuell äußerst beeindruckend, immerhin hatte Besson schon immer ein gutes Händchen für große Bilder. Was „Lucy“ darüber hinaus so aufsehenerregend macht, ist, dass er gleichzeitig dämlich und doch unverbraucht und halbwegs originell wirkt. Die Story wandelt sich von einer abgefahreneren Version eines „Ohne Limit“ über die Fortsetzung zu „Leon – Der Profi“ hin zu Kubrickschen „2001 – Odyssee im Weltraum“-Impressionen. Das hat man so auf der Leinwand nicht gesehen und es ist immer noch verwunderlich, wie solch ein Projekt die nötigen Mittel bekommen hat. 

©Universal Pictures

Glücklicherweise nimmt sich der Film an den richtigen Stellen nicht ernst, lässt Johansson auf ihrem Weg zu 100 Prozent immer wieder in skurrile Situationen hineinschlittern. In knappen 90 Minuten vermag Besson mehr verrückte und unterhaltsame Ideen unterzubringen, als so mancher Regisseur in seinem ganzen Schaffen. Ein weiterer Stein im Brett ist selbstverständlich Min-Sik Choi („Oldboy“). In seinem internationalen Debüt darf er den Wahnsinn voll auskosten und schon sein erster Auftritt dürfte bei Fans für Jubelstürme sorgen. Ein besonderer Coup ist die Verpflichtung von Morgan Freeman, der mit seiner natürlichen Seriosität im krassen Gegensatz zum alles verschlingenden Wahnsinn dieser Produktion steht. „Lucy“ macht hundertprozentigen Spaß, ist sich für manche Dämlichkeit nicht zu schade und schafft es trotzdem, seine Zuschauer nicht zu beleidigen. 

Natürlich ist die Annahme, der Mensch würde nur 10 Prozent seines Gehirns nutzen, mehr als schwammig. Natürlich hebt „Lucy“ in den letzten beiden Dritteln gehörig ab. Doch macht ihn das auch zu etwas besonderem. Es ist ein mutiger Film, der sich nicht darum schert, gemocht zu werden. Die volle Breitseite, mit rudimentären philosophischen Grundgedanken (nicht ausformuliert), formvollendeten Actionszenen, hervorragenden Gags und einer sichtbaren Prise Einfältigkeit. Mit einem Spritzer Wahnsinn obenauf, der das surreale Geschehen erst noch perfekt macht. Solche Filme braucht das Kino. 


©Universal Pictures
 BEWERTUNG: 8,5/10
Titel: Lucy
Laufzeit: 89 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Erscheinungsjahr: 2014
Genre: Science Fiction, Action
Regisseur/Autor: Luc Besson
Darsteller: Scarlett Johansson, Morgan Freeman, Min-Sik Choi, Amr Waked, Analeigh Tipton





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