Montag, 21. Juli 2014

Shakespeare trifft auf Serienhelden - Much Ado About Nothing!






AB 24. JULI IM KINO! ©Edel:Motion
Joss Whedon, Regisseur des millionenschweren „The Avengers“ und Mastermind im Serienbereich, nimmt sich ein paar Wochen Urlaub, verbringt die Zeit in seinem Haus und….dreht einen Film? Mit „Much Ado About Nothing“ nimmt sich der Allrounder sogleich eines Stückes des wahrscheinlich größten Dramatikers aller Zeiten an. William Shakespeare. Um die Kritikerwelt nun völlig aufgelöst zurückzulassen, hält er sich fast sklavisch genau an die Originalverse und filmt das Stück in seinem eigenen Haus inklusive Garten. Der Familienurlaub wird zum Drehort. Da passt es umso mehr, dass Whedon die Darstellerwahl betreffend aus seinem hauseigenen Fundus auswählt. Seien es Clark Gregg („Agents of Shield“), Fran Kranz und Reed Diamond (beide „Dollhouse“), Amy Acker und Alexis Denisof (beide „Angel“) oder Nathan Fillion und Sean Maher (beide „Firefly"). Der eingefleischte Fan wird mit vielen alten Bekannten belohnt, was den Film stellenweise zu reinem Fanservice verkommen lässt. Klingt natürlich schlimmer, als es ist, denn die Darsteller haben sichtlich Spaß und bringen Shakespeares Stoff angenehm witzig rüber. Versuchte Baz Lurhmann 1996 in „Romeo und Julia“ noch die Originalverse mit einer möglichst grellen und schnellen Optik zu kontern, wählt Whedon das komplette Gegenteil. In den engen Räumen seines zuhause (sogar die Kinderzimmer werden zweckentfremdet) bringt er das Stück in Schwarz-Weiß auf die Leinwand. Das fügt dem sowieso schon sehr poetischen Ausgangsstoff eine fast mythische Note hinzu. Das manifestiert sich am besten, während Whedon selbstgeschriebene Songs mit Bildern einer eleganten Party untermalt. Trapezkünstlerinnen schwingen langsam, elegisch zu beschwingter Musik, während die Gäste ihre Intrigen spinnen. Generell ist der Soundtrack, so minimalistisch er auch gehalten ist, wundervoll abgestimmt und unterstützt das Geschehen perfekt. 

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Natürlich ist es heutzutage ein großes Wagnis einen Film zu stemmen, der komplett auf moderne Sprache verzichtet. Sperrig und wenig zugänglich erscheint „Much Ado About Nothing“ zunächst, doch hat sich der Zuschauer erst einmal daran gewöhnt, ist es auch kein Problem mehr. Viel mehr macht es Spaß Shakespeares eleganten Versen zu folgen, gesprochen von absolut talentierten Darstellern. Vor allem Amy Acker in der Rolle der Beatrice und Alexis Denisof alias Benedikt zeigen eine völlig neue Seite an sich. Als sich hassendes und doch liebendes Pärchen vermögen sie es am besten, Gefühle zu vermitteln. Besonders die Slapstickmomente sind gelungen und sorgen für willkommene Abwechslung im Hause Whedon. 

Hier findet sich allerdings ein kleiner Schwachpunkt im sonst gelungenen Experiment. Das Publikum kann sich zwar an den Darstellern nicht satt sehen, doch selten wird auch das Herz angesprochen. Das Geschehen ist nicht langweilig, doch verpasst es „Much Ado About Nothing“ den Zuschauer emotional zu involvieren. Trotzdem ist er locker beschwingt und in seinen besten Momenten wirklich komisch. Dafür sorgt allein schon Nathan Fillion als aus dem Leim gegangener Cop, der zu Unrecht von sich absolut überzeugt ist. Witzig sind auch die Gegensätze Neu/Alt, die immer wieder von Whedon eingeflochten werden. Handys werden genutzt, während veraltete Gesellschaftsverhältnisse und Geschlechterrollen diskutiert werden. 

„Much Ado About Nothing“  ist ein weiterer Beweis dafür, wie gut Joss Whedon das 1mal1 des Filmemachens versteht. Er vermag es ebenso Low-Budget-Produktionen innerhalb von 12 Tagen abzudrehen, wie Großproduktionen a la „The Avengers“ zu stemmen. Für Beides liebt ihn das Publikum. Ein Phänomen sondergleichen in Hollywood und fast schon unheimlich. Der Mann kann einfach alles.


BEWERTUNG: 7,5/10
Titel: Much Ado About Nothing
Erscheinungsjahr: 2012
Genre: Drama, Komödie
Laufzeit: 109 Minuten
FSK: ab 0 freigegeben
Regisseur: Joss Whedon
Darsteller: Clark Gregg, Alexis Denisof, Amy Acker, Sean Maher, Diamond Reed, Fran Kranz, Jillian Morgese, Nathan Fillion, Spencer Treat Clark, Ashley Johnson, Drew Goddard








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