Freitag, 18. Juli 2014

HIV, Ungerechtigkeit und ein Mann, der dagegen ankämpft - Dallas Buyers Club!




©Ascot Elite


Die 80er. Jene Zeit, in der Aids vielerorts noch als Schwulenseuche bezeichnet wurde und jede Menge Gerüchte und Hirngespinste darüber ihren Weg in die Medien fanden. In diesen Jahren lebt auch Ron Woodroof – ein Vorzeigetexaner – der sich für eine große Nummer hält. Plötzlich bricht er zusammen, die Diagnose: HIV. Für Woodroof bricht eine Welt zusammen, bescheinigen ihm die Ärzte nur eine weitere Lebensdauer von 30 Tagen. Was also tun? 

„Dallas Buyers Club“ des Regisseurs Jean-Marc Vallee ist wieder einmal der beste Beweis, dass die besten Geschichten das Leben schreibt. Woodroofs Wandlung vom Homophob hin zu einem Menschen, dem die Gesundheit seiner Leidensgenossen am Herzen liegt, wirkt echt und ungeschönt. Schnörkellos setzt Valee seinen Hauptdarsteller Matthew McConaughey in Szene, für den das Jahr 2013 wohl das Durchbruchsjahr darstellt. Im Fernsehen mit der Serie „True Detective“ über alle Zweifel erhaben, konnte er im Kino mit „Wolf of Wall Street“ und eben „Dallas Buyers Club“ sein Surferdude-Image komplett ablegen. Und tatsächlich, er verleibt sich die Rolle des Woodroof dermaßen ein, dass das Zusehen fast weh tut. Schlimmer bzw. noch aufopferungsvoller stiehlt ihm der „30 Seconds To Mars“-Frontmann Jared Leto beinahe die Show. In der Rolle des transsexuellen Rayon besteht er förmlich nur noch aus Haut und Knochen und beherrscht seine Szenen mühelos. Kein Wunder, dass es für Beide einen Oscar gab. 

©Ascot Elite
Dramaturgisch ist „Dallas Buyers Club“ durchweg routiniert. Die Story selbst ist natürlich ein Geschenk für jeden Filmemacher und Vallee weiß damit umzugehen. Zwar ist der Film mit seinen zwei Stunden etwas zu lang, dank seiner bravourösen Darsteller fällt das aber nicht stark ins Gewicht. Löblich, dass Regisseur und Autoren völlig auf sentimentale oder kitschige Momente verzichten. Kein einziges Mal wird unnötig auf die Tränendrüse gedrückt, obwohl sich genügend Gelegenheiten bieten. Deshalb fühlt sich „Dallas Buyers Club“ angenehm echt und realistisch an – eben wie eine Geschichte, die tatsächlich stattgefunden hat. Keine Romantisierungen, letztendlich nur der Tod durch HIV. Eine Krankheit, unheilbar, zersetzend. Da bleibt kein Platz für Kitsch, die Umstände selbst sind schon schlimm genug. 

Zwar kann „Dallas Buyers Club“ dem Thema Aids nur wenig Neues hinzufügen, nichtsdestotrotz zeigt er seine Wirkung. Eben auch dank des perfekten Schauspiels seiner zwei Darsteller, die die Angst vor dem Virus eindringlich auf die Leinwand transportieren. Nebenbei noch ein kleiner Seitenhieb gen Pharmaindustrie und Arzneimittelaufsichtsbehörde (FDA), was allerdings ein wenig unter geht. Doch was ist das schon im Vergleich zweier Schauspieler, die ihr Innerstes nach Außen kehren?


©Ascot Elite
BEWERTUNG: 07/10
Titel: Dallas Buyers Club
Laufzeit: 117 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Drama
Regisseur: Jean-Marc Vallee
Darsteller: Matthew McConaughey, Jerad Leto, Jennifer Garner, Dallas Roberts, Kevin Rankin, Steve Zahn, Denis O'Hare






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