Montag, 7. Juli 2014

Erwachsen werden im Angesicht des 3. Weltkrieges - Die Bestsellerverfilmung "How I Live Now"!






©Sony Pictures
Daisy ist 16 und eine Rebellin, wie sie im Buche steht. Genervt von allem, besserwisserisch und herablassend, wird sie von ihrem Vater nach England aufs Land geschickt. Dort trifft sie auf den etwas älteren Eddie, der sie zu interessieren scheint. Langsam entwickelt sich zwischen ihnen und den weiteren Kindern im Haus echte Zuneigung. Klingt doch nach einem typischen Coming-of-Age-Drama mit eingeflochtener Liebesgeschichte, oder? Wer schon hier gelangweilt aufhört zu lesen, verkennt die Brisanz des Ausgangsstoffes aus der Feder der Buchautorin Meg Rosoff. „How I Live Now“ nimmt die Idylle zum Anlass, um die Welt um die Heranwachsenden herum im Chaos versinken zu lassen. Bomben explodieren, Soldaten marschieren auf, die Erwachsenen verschwinden nach und nach von der Bildfläche. Das Schreckensszenario: 3. Weltkrieg. 

Inmitten dessen befindet sich Daisy, die langsam lernen muss Verantwortung zu übernehmen und auf ihre kleine Cousine Piper aufpassen muss. Regisseur Kevin MacDonald zeigt, dass der weniger gelungene „Der Adler der neunten Legion“ nur als Ausrutscher zu betrachten ist. In wunderschönen Bildern schickt er seine Protagonistin Daisy (Saoirse Ronan) durch die Hölle, lässt sie das Grauen des Krieges unvermittelt erleben. Hier hat „How I Live Now“ definitiv seine größten Stärken. Geschickt vermag es der Film seine eigentlich frohe Ausgangslage konsequent umschlagen zu lassen. Ein Ascheregen kündigt baldige Schrecken an, die Kindheit ist vorüber. Starke Impressionen, die MacDonald zu nutzen weiß. Schade, dass sich für diesen Film in Deutschland kein Kinoverleih gefunden hat, denn visuell ist er große Klasse. 

©Sony Pictures
Leider aber gelingt ihm der Spagat zwischen Teenie-Romanze und Überlebensdrama nur bedingt. Die Motivation Daisys – nämlich die Suche nach ihrem geliebten Eddie – wirkt über 100 Minuten einfach nicht stark genug. Ihrer Beziehung wird zu Beginn nicht genug Raum gelassen um tatsächlich Wirkung zu entfalten. So wirkt Eddie bzw. Schauspieler George MacKay die meiste Zeit wie ein Drogenkonsument, der Daisy stets mit leerem Blick anstarrt. Und starrt. Und starrt und….starrt. So kann sich einfach keine echte Chemie entwickeln. Das ist schade, denn sonst macht „How I Live Now“ einen sehr guten Eindruck. Beeindruckende Landschaftsaufnahmen stehen im schicken Kontrast zu den Gräueln, die auf Daisy warten, Saoirse Ronan gibt eine starke Vorstellung und spannend wird der Film auch. Abgerundet wird das Geschehen durch einen perfekt gewählten und sehr abwechslungsreichen Soundtrack. 

„How I Live Now“ dürfte aber deshalb nur das Licht der DVD-Welt erblicken, weil er sich nicht genau zuordnen lässt. Zum einen Liebesromanze mit nett aussehenden Gesichtern und zum anderen knallharter Überlebenskampf. Das mag hin und wieder ein wenig unausgegoren wirken, doch insgesamt hat Kevin MacDonald einen empfehlenswerten Film vorgelegt. Schade nur, dass ihn nicht viele sehen werden. 


©Sony Pictures
BEWERTUNG: 6,5/10
Titel: How I Live Now
FSK: ab 16 freigegeben
Laufzeit: 104 Minuten
Genre: Liebesfilm, Drama, Thriller
Erscheinungsjahr: 2013
Regisseur: Kevin MacDonald
Darsteller: Saoirse Ronan, Tom Holland, George MacKay, Harley Bird







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