Donnerstag, 10. Juli 2014

Das Rezept "Ziemlich Beste Freunde" trifft Multikulti-Familie - "Monsieur Claude und seine Töchter"!






AB 27. JULI IM KINO! ©Neue Visionen Filmverleih
Es scheint, als habe Frankreich seinen neuen „Ziemlich beste Freunde“ gefunden. Nachdem der Überhit in Deutschland wie dort Rekorde einfuhr, schickt sich „Monsieur Claude und seine Töchter“ an, das zu wiederholen. Ungefähr 10 Millionen Zuschauer in unserem Nachbarland sprechen eine deutliche Sprache. 

Und tatsächlich, das (Erfolgs-)Rezept scheint sich nur geringfügig verändert zu haben. Claude Verneuil hat vier Töchter, drei davon verheiratet. Als Schwiegersöhne stehen ein Jude, ein Araber und ein Asiate zu buche. Der konservative Vater setzt nun alle Hoffnungen auf Kind Nummer vier um endlich einen akzeptablen Schwiegersohn willkommen heißen zu dürfen. Statt der sozialen Unterschiede in „Ziemlich beste Freunde“ widmet sich „Monsieur Claude und seine Töchter“ nun dem Kampf der Kulturen. Schon Erstgenannter schöpfte die Vielzahl seiner Gags aus den verschiedenen Ansichten zweier Menschen, die nicht demselben Bildungsniveau entsprachen. Nun sind es eben andere Kulturkreise, die es zu versöhnen gilt. 
©Neue Visionen Filmverleih

Der Film planscht genüsslich im Fahrwasser sämtlicher Klischees, die jemals eine der oben genannten Bevölkerungsgruppen etablierte. Die Schwiegersöhne konkurrieren untereinander und Claude erträgt sie allesamt nicht mehr. Daraus resultieren ohne Frage einige witzige Szenen, ohne jedoch wirklich bissig zu sein. Stets fährt der Film die „Feel Good“-Schiene und weicht nicht ab von ausgetretenen Pfaden. Sorgte die stimmende Chemie zwischen Philippe und Driss in „Ziemlich beste Freunde“ noch für Sympathie, fehlt diese persönliche Komponente in „Monsieur Claude und seine  Töchter“ völlig. Hier wird Charakterzeichnung dem nächsten Gag geopfert, was teilweise gelingt, andererseits aber kaum überrascht. 

Die Quintessenz des Films ist es, dass im Grunde jedes Volk mehr oder weniger rassistisch ist. Die Schwarzen gegenüber den Weißen, die Juden gegenüber den Arabern, die Asiaten gegenüber den Christen. Selbstverständlich auch andersherum. Natürlich schweißt das am Ende zusammen und die Völkerverständigung hat in Verkörperung der Familie um Claude stattgefunden. Angesichts des Erdrutschsieges der extrem rechten Front National in Frankreich zur Europawahl ist das fast schon ein wenig heuchlerisch. Aber sei’s drum. Schließlich sind wir alle gleich und das Wahlergebnis war sowieso nur eine Wutwahl. Die Zeit wird es zeigen.

„Monsieur Claude und seine  Töchter“ ist nett und kurzweilig – keine Frage. Doch hätte mit etwas Mut ein weitaus besserer Film entstehen können. Das wiederum ist wahrscheinlich nicht die Intention der Macher gewesen. Der Film ist nämlich seichte Unterhaltung, wie man sie zum Abschalten gerne sieht. Deshalb wird er auch garantiert sein Publikum finden und das nicht zu knapp. Inkonsequent? Vielleicht. Aber erfolgreich ganz sicher. 

©Neue Visionen
BEWERTUNG: 06/10
Titel: Monsieur Claude und seine Töchter
Genre: Komödie
Erscheinungsjahr: 2014
Laufzeit: 97 Minuten
FSK: ab 0 freigegeben
Regisseur: Philippe de Chauveron
Darsteller: Christian Clavier, Chantal Lauby, Emilie Caen, Frederique Bel, Julia Piaton, Elodie Fontan, Medi Sadoun, Ary Abittan, Frederic Chau






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