Donnerstag, 26. Juni 2014

Wenn zwei Künstler sich streiten... - Saving Mr. Banks!




©Disney


Sobald der Disney-Konzern die eigene Geschichte anpackt, müssen beim Zuschauer die Alarmglocken klingeln. Hat sich die Produktionsstätte heutzutage zu einer wahren Rechtekrake gemausert – „Star Wars“ und Pixar lassen grüßen – haftet ihrer Vergangenheit der Zauber Walt Disneys an. Damals, als sich noch Mühe gegeben wurde. Damals, als die Filme noch nicht austauschbar waren und die Künstler mit Herzblut bei der Sache waren. Ja, das waren noch Zeiten. Doch dass es nicht ganz so harmonisch ablief, zeigen die Dreharbeiten bzw. die Preproduction des Disney-Klassikers „Mary Poppins“. In „Saving Mr. Banks“ nimmt sich Regisseur John Lee Hancock einer Geschichte an, die zum einen den Konzern Disney in das rechte Licht rückt und zum anderen den Gründervater im Zusammenspiel mit der biestigen Autorin des Buches „Mary Poppins“ auf einer persönlichen (und sympathischen) Ebene zeigt. Eben um den (nicht haltbaren) Gerüchten, er wäre antisemitisch und rassistisch gewesen, endlich beizukommen. Zwei Fliegen mit einer Klappe sozusagen. 

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Deshalb ist „Saving Mr. Banks“ in Bezug auf Faktentreue mit Vorsicht zu genießen. So passt er die Vergangenheit der Autorin P. L. Travers (Emma Thompson) immer wieder an um in sein dramaturgisches Korsett zu passen. Allerdings gelingt es ihm, diese Mischung aus Fiktion und Fakten ansprechend zu verpacken. Im Zentrum steht eindeutig Travers, die Disney (Tom Hanks) auf keinen Fall ihre Rechte für „Mary Poppins“ übergeben will. Dieser fragt über 20 Jahre hinweg immer wieder an, allerdings ohne Ergebnis. Bis bei Travers das Geld knapp wird und sie keine andere Wahl mehr hat. Mit einem Flieger geht es nach Amerika, wo sie zusammen mit einigen Künstlern am Drehbuch feilen soll. Sie ist entsetzt über die bisherigen Seiten und sieht ihre Mary Poppins vollkommen entstellt. Im Laufe der Zeit wird allerdings klar, dass mehr hinter Mary Poppins steckt, als zuerst angenommen. Der Schlüssel hierfür liegt in Travers Vergangenheit…

„Saving Mr. Banks“ ist immer dann am stärksten, wenn er seinen Darstellern genügend Raum gibt. Über allem thront Emma Thompson, die die zickige Autorin herrlich versnoppt spielt und den gesamten Film trägt. Vor allem die Wortgefechte zwischen ihr und Tom Hanks sind Gold wert und lassen über manche Holzhammermethoden hinwegsehen. Die pointierten Dialoge fliegen nur so hin und her und der Konzern Disney präsentiert sich meist angenehm selbstironisch. Der Zuschauer darf häufig lachen – auch über Disney selbst. Insofern ist der Film eine geglückte Imagekampagne, die schlau die besten Qualitäten Disneys abruft. 

Dass Travers zeit ihres Lebens mit der Verfilmung unzufrieden war, ihre Vergangenheit ein wenig verändert wurde – Schwamm drüber. Solange das Publikum „Saving Mr. Banks“ nicht allzu ernst nimmt, ist er eine hervorragende Geschichte. Zwar hier und da ein wenig kitschig, doch nicht minder wirkungsvoll. 




©Disney
BEWERTUNG: 07/10
Titel: Saving Mr. Banks
FSK: ab 0 freigegeben
Erscheinungsjahr: 2014
Genre: Drama, Komödie
Laufzeit: 125 Minuten
Regisseur: John Lee Hancock
Darsteller: Tom Hanks, Emma Thompson, Colin Farrell, Ruth Wilson, Paul Giamatti, Jason Schwartzman, Bradley Whitford, Rachel Griffiths






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