Dienstag, 17. Juni 2014

Vom Leben im Stich gelassen - Das Schicksal ist ein mieser Verräter!





©20th Century Fox

Mit „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ hat das Jahr 2014 wohl seinen ersten waschechten Überraschungshit. Weltweit konnte der Film über einen krebskranken Teenager bisher an den Kinokassen überzeugen. Tausende Zuschauer waren und sind immer noch zu Tränen gerührt, sobald der Film das Leben von Hazel Grace (Shailene Woodley) gehörig durcheinanderwirft. 

Die Vorlage von John Green ist eine Rarität, die auf den Bestsellerlisten weit oben steht. Mit viel Sprachwitz und Verve skizziert der Autor seine Figuren, lässt sie plastisch und lebensecht wirken. Ein Roman, der viel durch die Ansichten der Hauptperson dazugewinnt, ist filmisch schwer darzustellen. Zwar zählt „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ zu den peniblen Buchumsetzungen, doch belässt er es auch dabei. Die Figur Hazel Grace ist selbstverständlich eine hervorragende Identifikationsfigur. Der Mensch liebt nun einmal Kämpfer, die auch in auswegsamen Situationen nicht aufgeben. Nichts anderes tut Hazel, die sich mit ihrer unheilbaren Krankheit herumschlägt und mehr Sorgen darüber hat, was aus ihren Eltern werden soll. Nach ihrem Tod. 

Ihr zur Seite steht der charismatische Augustus, der ebenfalls sein Päckchen zu tragen hat. Der weitere Verlauf ist eigentlich vorprogrammiert, Überraschungen gibt es so gut wie keine. Das wäre auch überhaupt nicht schlimm, wenn wenigstens der Rest funktionieren würde. Doch leider wurde das schon durch falsches Casting verhindert. Die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern – die zwingend notwendig ist – existiert nicht. Shailene Woodley unterstreicht zwar ihren Anspruch auf Newcomerin des Jahres deutlich, allerdings versagt ihr Filmpartner Ansel Elgort auf gesamter Linie.  Stets mit einem unheimlichen Grinsen gesegnet, spielt er Augustus dermaßen blass und langweilig, als gäbe es ein Morgen. Ironischerweise spielte er auch in „Die Bestimmung – Divergent“ zusammen mit Woodley – dort noch als ihr Bruder – und bestach schon da durch Ausdruckslosigkeit. Würde Trapattoni seine Leistung beurteilen, er würde ihn als Flasche leer bezeichnen. Außerdem ist er schon rein äußerlich kaum die passende Wahl. Augustus strahlt offensichtlich eine gewisse Spontanität und Undurchschaubarkeit aus. Durch Elgorts Babyface ist das leider absolut hinfällig. 

©20th Century Fox

Filmisch gesehen reißt sich „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ auch kein Bein aus. Brav werden die Stationen abgefilmt, die die Figuren im Buch durchmachen. Selten springt der Funke über und wenn doch sind es meist die Nebenfiguren, die Punkte wettmachen. So darf Laura Dern als Mutter endlich wieder beweisen, was sie drauf hat und Willem Dafoes Kurzauftritte als versoffener Autor sind eine Klasse für sich. Doch was ist dazwischen? 

Übermannende Gefühle, die omnipräsente Tränendrüse und ein Leinwandpaar das dort eben überhaupt nicht wirkt. Da dürfte die fürchterliche Synchronisation einigen Anteil haben. Natürlich sind die Geschehnisse tragisch, natürlich sind die Dialoge zumeist 1A. Das ändert jedoch nichts daran, dass „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ als Film wenig funktioniert. Buch und Film sind eben doch zwei unterschiedliche Medien, die verschieden angepackt werden müssen. „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ (passender Titel!) ist im Grunde ein tieftrauriger Film, der wenig Hoffnung in das Leben seiner Protagonisten lässt. Doch berührt er keineswegs in dem Maße, das angesichts des Gezeigten möglich ist. Auch wenn das 150 weinende Frauen im Kino vermutlich anders gesehen haben. 

©20th Century Fox
BEWERTUNG: 05/10
Titel: Das Schicksal ist ein mieser Verräter
Erscheinungsjahr: 2014
FSK: ab 6 freigegeben
Laufzeit: 126 Minuten
Genre: Drama
Regisseur: Josh Boone
Darsteller: Shailene Woodley, Ansel Elgort, Willem Dafoe, Laura Dern, Sam Trammell, Nat Wolff, Lotte Verbeek,










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