Donnerstag, 12. Juni 2014

Mit sich selbst und seinen Fehlern allein - Tom Hardy in "No Turning Back"!





AB 19. JUNI IM KINO ©Wild Bunch

Ein Mann. Sein Auto. Sein Telefon. 

Mehr scheint Regisseur und Drehbuchautor Steven Knight nicht zu brauchen, um einen abendfüllenden Film auf die Beine zu stellen. Mit „No Turning Back“ (im Original "Locke") versucht sich der Brite nun am Kunststück Ein-Mann-Kammerspiel und kann dank Hauptdarsteller Tom Hardy die Zielstrecke erreichen.

Die Story ist schnell erklärt. Ivan Locke befindet sich auf der Fahrt seines Lebens. Der Familienvater hat eigentlich alles, was er sich nur wünschen kann. Doch innerhalb von Sekunden ändert sich sein Leben, weswegen er alles hinter sich lässt. Seine Frau, seine Kinder, sein Job als Bauleiter. Innerhalb 90 Minuten entfaltet sich ein manchmal packendes, manchmal sperriges Drama, das Locke als vielschichtigen Menschen offenbart und allein durch Telefonate eine Bindung zum Zuschauer aufbaut. 

©Wild Bunch
Regisseur Knight lotet dabei die Grenzen des filmisch machbaren aus. Immer neue Kameraperspektiven, experimentelle Schnitttechnik und wohlüberlegte (Kamera-)Schwenks sollen Eintönigkeit vertreiben und „No Turning Back“ hier und da spannend wie einen Thriller werden lassen. Tatsächlich vermag es der Film, Interesse für seine Hauptfigur zu wecken. Desto mehr Informationen das Publikum bekommt, desto mehr versteht es den Protagonisten. Allerdings ergeht sich Tom Hardy alias Ivan Locke ein ums andere Mal in Monologen mit seinem eingebildeten Vater, wodurch ein Blick auf die Uhr unausweichlich erscheint. Nach dem dritten „Streitgespräch“ stellt sich eine gewisse Monotonie ein, weshalb 15 Minuten weniger dem Film kaum geschadet hätten. 

Glücklicherweise klingelt alsbald wieder das Telefon um den Zuschauer als auch Locke von seinem Feindbild wegzulocken. Hier entfaltet der Film tatsächlich einen kleinen Sog. Es ist spannend, ihm dabei zuzusehen, wie er mehr und mehr die Kontrolle verliert. Desto länger er von seinem undurchdringlichen Zement erzählt, desto mehr Risse bekommt sein eigenes Weltbild. Hier birgt „No Turning Back“ dramatisches Potenzial und lässt es glücklicherweise nicht links liegen. 

Sicherlich ist „No Turning Back“ nicht jedermanns Sache. Manchen wird das Prinzip, einfach die volle Laufzeit auf Tom Hardys Gesicht draufzuhalten, nicht gefallen. Im Prinzip zeichnet der Film nur eine lange Autofahrt nach. Doch was sich währenddessen abspielt, ist eine großartige Show Hardys als auch (zu weiten Teilen) packendes Drama. Wenn man sich denn darauf einlassen kann. 


©Wild Bunch
BEWERTUNG: 07/10
Titel: No Turning Back
FSK: ab 0 freigegeben
Genre: Drama
Laufzeit: 84 Minuten
Erscheinungsjahr: 2014
Regisseur/Autor: Steven Knight
Darsteller: Tom Hardy, Ruth Wilson, Olivia Colman, Andrew Scott, Tom Holland








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