Freitag, 2. Mai 2014

Punk is not dead - Die Kraft der Musik über Krieg und Tod hinweg in "Good Vibrations"!






AB 8. MAI IM KINO! ©Rapid Eye Movies
Es gibt Geschichten, die könnte sich nicht einmal der findigste Drehbuchautor ausdenken. Geschichten, die derart verrückt sind, dass sie eigentlich nicht existieren dürften. Nun, das Leben von Terry Hooley ist so eines. Mitten während des Nordirland-Konflikts gründet er im hart umkämpften Belfast den Plattenladen „Good Vibrations“. Dort, wo sonst Bomben explodieren und Menschen miteinander kämpfen, will er mit seiner Musik für etwas Freude sorgen. Doch die Geschäfte laufen sehr schlecht und Terry bangt um seine Existenz. Zwischen dem Kampf zwischen den verfeindeten Parteien sorgt allerdings ein einschlägiges Erlebnis dafür, dass er auf eigene Kosten eine junge Punk-Gruppe unter Vertrag nimmt. Trotz geringer Gewinne verbreitet sich der Name „Good Vibrations“ in ganz Nordirland und bietet der Jugend ein Ventil, um gegen den verhassten Konflikt, die Polizeigewalt und die Unzufriedenheit in der Bevölkerung vorzugehen. 

Der Nordirlandkonflikt ist zwar gemessen an seinen Opferzahlen (ungefähr 4000 Menschen von 1969 bis 1998) eher gering bemessen, doch angesichts der eigentlich hochentwickelten Gesellschaft in Großbritannien erschreckend. Bis heute überdauert eine eingeengte Sichtweise in manchen Teilen Irlands. Die komplexen Hintergründe – Irland erklärte seine Unabhängigkeit, während der Norden britische Provinz blieb - dürften ihren Teil dazu beigetragen haben.  Wie schnell Menschen angesichts unterschiedlicher Religionen zu Feinden werden, verdeutlicht der Film „Good Vibrations“ gekonnt. Dem Leben des Musikliebhabers Terry Hooley folgend schreibt er die Geschichte eines geteilten Landes, das sich selbst zerfleischt. In der Stadt Belfast explodieren Bomben, niemand geht mehr aus und allgemein herrscht eine trostlose Stimmung.  Die Stadt ist, wie das Land, in zwei Lager unterteilt – etwas Dazwischen gibt es nicht. Mit Terry Hooley findet sich jetzt aber eine Figur, die mit dem Konflikt nichts zu tun haben will. „Good Vibrations“ setzt dabei, seinem Protagonisten nicht unähnlich, auf eine eher leichte Atmosphäre, gönnt sich hervorragende Gags und besticht durch authentische Dialoge. Die Gefahr auf den Straßen ist jedoch zu jeder Sekunde spürbar, auch wenn der Zuschauer mit vollem Halse lachen kann. Geschickt kreuzen die Regisseure Glenn Leyburn und Lisa Barros D’Sa Komödie mit Drama und bringen dem Publikum das Leid der nordirischen Bevölkerung sehr nahe. Ein Glück nur, dass sie mit der Figur des Terry Hooley einen lebensfrohen Charakter haben, der stets optimistisch bleibt und sich nicht unterkriegen lässt. Schauspieler Richard Dormer brilliert als Terry Hooley und schafft es den von Musik beseelten Träumer auf der Leinwand zum Leben zu erwecken. Großartig gespielt, berührend und absolut menschlich nimmt er das Publikum für sich ein. 

©Rapid Eye Movies
Neben einem wichtigen Zeitdokument ist „Good Vibrations“ allerdings auch die Chronik des Belfast Punk.  Eine Jugend, die eingesperrt ihre Zeit verbringt und Angst haben muss morgen schon tot zu sein, benötigt ein Ventil. Aus diesem Gedanken heraus entstand die Punk-Szene in Nordirland, die schlussendlich auch bis London überschwappte. Demnach ist „Good Vibrations“ auch eine Hommage an die Kraft der Musik. Eine Kraft, die es erlaubt, für einen Moment loszulassen und die kaputte Welt um einen herum vergessen zu machen. Die sich nicht darum schert, ob der Fan gegenüber Protestant oder Katholik ist. Genau dieses Bild wird vom Film mehr als nur einmal aufgenommen und dem Zuschauer näher gebracht. Inszenatorisch geht „Good Vibrations“ zwar keine neuen Wege, was angesichts des Stoffes allerdings auch überhaupt nicht notwendig ist. Dank der sympathischen Charaktere, dem fabelhaften Soundtrack und einer rund um überzeugenden Bildsprache weiß der Film wohl jeden zu begeistern. Dort draußen gibt es Menschen, deren Geschichte es wert ist, erzählt zu werden. Weil sie uns lehren, unsere Scheuklappen runter zu nehmen und Andersartigkeit zu akzeptieren. Wie Hooley im Film zu seinem Buchhalter sinngemäß schon sagte: Der Sinn dahinter (der Musik) war nicht, Geld zu machen. War es nie. 

©Rapid Eye Movies
BEWERTUNG: 8,5/10
Titel: Good Vibrations
FSK: ab 6 freigegeben
Laufzeit: 103 Minuten
Regisseur: Glenn Leyburn, Lisa Barros D'Sa
Darsteller: Richard Dormer, Liam Cunningham, David Wilmot, Andrew Simpson, Jodie Whittaker, Dylan Moran, Mark Ryder






Trailer:




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