Donnerstag, 15. Mai 2014

"Mud" - Ein Coming-of-Age-Märchen der besonderen Art!





©Ascot Elite

Independent Filme haben es oftmals schwer, auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen. Dabei ist es egal, ob bekannte Darsteller in Hauptrollen agieren, oder nicht. Ein weiterer Leidtragender ist „Mud“ mit dem Oscarpreisträger Matthew McConaughey in der Hauptrolle. Schon 2012 produziert und in Cannes gefeiert, findet der Film erst jetzt per Direct-to-DVD-Veröffentlichung den Weg auf den deutschen Markt. Qualitätstechnisch bewegt sich das Südstaatendrama allerdings auf einem hohen Niveau, weshalb sich so mancher fragen wird, wie so etwas passieren kann. 

Regisseur Jeff Nichols stellt den 14-jährigen Ellis in den Vordergrund, der zusammen mit seinem besten Freund Neckbone auf einer kleinen Insel einen Fremden trifft. Langsam aber sicher entsteht eine gewisse Freundschaft zwischen ihnen und dem Mann, der wie ein Einsiedler in einem kaputten Boot lebt. Doch etwas scheint nicht zu stimmen. Die Polizei sucht den Mann fieberhaft und plötzlich tauchen auch noch Gangster auf, die ihm ans Leder wollen. 

©Ascot Elite

Nichols führt den Zuschauer mitten hinein in das Innenleben eines Teenagers, der an der Schwelle zum Erwachsenwerden steht. Ellis beginnt gerade erst zu erfahren, was es heißt, erwachsen zu sein. Idealvorstellungen weichen der Realität, was vorher märchenhaft klang, wird den hohen Erwartungen nicht gerecht. „Mud“ versteht sich eher als der Kampf eines Jungen, der immer noch an die Liebe in seiner reinsten Form glaubt. Sämtliche Handlungsstränge sind darauf ausgerichtet. So hat sein Vater schon längst sämtliche Hoffnung verloren, die Beziehung seiner Eltern scheint gescheitert. Der Fremde namens Mud selbst ist in seiner prekären Lage, weil er seine Angebetete Juniper nicht halten kann und Ellis selbst wird von seiner ersten Freundin komplett vor den Kopf gestoßen. Doch anstatt klein bei zu geben, versucht Ellis immer weiter an seinem Ideal festzuhalten. Das ist in seinen besten Momenten rührend und realistisch zugleich. In bester „Stand by me“-Tradition entfaltet „Mud“ zum Ende hin eine Sogwirkung, in dem sich wohl viele (männliche) Zuschauer wiederfinden werden. Denn Regisseur Nichols hat mit seinem neuesten Film einen Männerfilm geschaffen, ohne dessen Klischees zu formulieren. Inmitten dessen webt Nichols geschickt Elemente des klassischen Märchens ein, die sich wundervoll in die elegische Inszenierung des Mississipi-Deltas einfügen. So gibt es die holde Maid, die vor den Fängen des bösen Königs gerettet werden muss, ein Held in strahlender Rüstung, sowie Gefahren und Hindernisse, die überstanden werden müssen. Natürlich kippt „Mud“ niemals in Schwarz-Weiß-Denken. Nichols ist ein viel zu erfahrener Regisseur, um das zuzulassen. Die Märchen-Elemente werden stets durch ihre ambivalenten Charaktere umgekehrt. Daraus entsteht ein faszinierendes Gemisch, das eine Kinoauswertung durchaus verdient hätte.

Zwar ist „Mud“ insgesamt ein wenig zu lang, doch das ist Mäkeln auf hohem Niveau. Dafür entschädigt die teils schon transzendente Kinematographie und – natürlich – die Schauspieler. Matthew McConaughey untermauert nach zahlreichen Hits seinen Ruf als verlässlicher Charakterdarsteller weiter. Doch die Überraschung schlechthin ist der Jungschauspieler  Tye Sheridan, der die Figur Ellis glaubwürdig verkörpert und seinen Teil zum Gelingen des Films beiträgt. 

„Mud“ ist Coming-of-Age auf hohem Niveau, ein wenig konventionell erzählt, doch nicht weniger durchschlagend. In einem Atemzug mit „Stand by me“ zu nennen und ein weiterer Stein im Brett des noch jungen Regisseurs Jeff Nichols. 

©Ascot Elite
 BEWERTUNG: 7,5/10
Titel: Mud
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Drama
Laufzeit: 127 Minuten
Regisseur/Autor: Jeff Nichols
Darsteller: Matthew McConaughey, Tye Sheridan, Reese Witherspoon, Sam Shepard, Michael Shannon








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