Dienstag, 20. Mai 2014

Hitchock trifft Highsmith - 3 Menschen, 3 Fassaden und ein Albtraum dahinter in "Die zwei Gesichter des Januar"!






AB 29. MAI IM KINO! ©Studiocanal
Die Sonne scheint auf die Straßen Athens, lässt Tempel in hellem Licht erstrahlen und verwandelt die Leinwand in eine Idylle par excellence. Was beginnt wie ein wunderschöner Werbeclip eines Reiseunternehmers entspinnt sich bald zu einem feinen Psychothriller, in dem jede Figur etwas zu verbergen hat und zwischen Liebe und Verrat nur ein schmaler Grat liegt. 

Mitten hinein in diesen Strudel aus Lug und Betrug purzelt das reiche Paar Viggo Mortensen (Aragorn aus „Der Herr der Ringe“) und Kirsten Dunst („Spiderman“). Im malerischen Athen treffen sie den jungen Fremdenführer Oscar Isaac („Inside Llewyn Davis“), der schon bald von den Beiden fasziniert ist. Eine zarte Freundschaft entwickelt sich zwischen den Dreien, die jedoch bald auf den Kopf gestellt wird. 

Die Buchautorin Patricia Highsmith hatte die Gabe, ihre Figuren tiefenpsychologisch aufs Genaueste zu analysieren, hochkomplexe Charaktere zu erschaffen und diese vor traumhaften Orten in immer tiefere Verzweiflung zu treiben. Das zeigte sie schon mit ihrer Buchvorlage zu „Der talentierte Mr. Ripley“, an den „Die zwei Gesichter des Januar“ folgerichtig sehr erinnert. Urlaubsorte, wie Athen oder Kreta stehen im krassen Gegensatz zu den menschlichen Abgründen, die sich im Laufe des Films entwickeln. Wo vorher noch Friede und Eintracht herrschte, macht sich mit zunehmender Laufzeit Verzweiflung breit, die schlussendlich in Gewalt mündet. Kein Beteiligter ist unschuldig in diesem Spiel der Tarnungen, jeder spielt gegen jeden. 

©Studiocanal
Leider braucht der Film von Regisseur Hossein Amini schlappe 45 Minuten um endlich in die Spur zu kommen. Lange mag sich keine Spannung entwickeln und nur das grandiose Hauptdarsteller-Trio vermag es, den Zuschauer bei Laune zu halten. Allesamt sind sie großartig und vor allem Viggo Mortensen darf als undurchsichtiger Geschäftsmann aus dem Vollen schöpfen. Da ist es auch nicht schlimm, dass die erste Hälfte wenig passiert, schließlich ist der Film elegant inszeniert, tobt sich im Milieu der 60er Jahre sichtlich aus und wirkt teilweise wie ein Film von Alfred Hitchcock. Sobald das Tempo anzieht und sich die wahren Gesichter hinter den freundlichen Maskeraden zeigen, zitiert Amini mehr als einmal den Altmeister. Während sich die Schlinge um den Hals sämtlicher Beteiligter zuzieht, zieht Amini gleichsam sämtliche Register des Erzählens. Wunderschöne Kamerafahrten, auf den Punkt minimalistisch inszenierte Verfolgungsjagden und ein Finale, das sich gewaschen hat.
„Die zwei Gesichter des Januars“ ist Kino, wie es heutzutage nicht mehr gedreht wird. Ganz in der Tradition älterer Klassiker, dürfte das heutige Massenpublikum wenig mit diesem Film anzufangen wissen. Zu langsam der Aufbau, zu unaufgeregt und entschleunigt die Erzählweise. Wer allerdings mit vorherigen Patricia Highsmith-Verfilmungen etwas anfangen konnte, wird auch hier fündig. 

Der Gott des Anfang und des Endes Janus, auf den sich der Titel des Films bezieht, spielt hier auf mehreren Ebenen eine Rolle. Zum einen offenbart sich in jedem Charakter hinter der Fassade Ungeheuerliches, zum anderen befindet sich ein jeder von ihnen auf einer langen, langen Reise, deren Ausgang ungewiss ist. Die Römer beteten zu der doppelköpfigen Gottheit angesichts großer Wanderungen, was auch in „Die zwei Gesichter des Januars“ durchaus passen würde. Schließlich weiß keiner der Drei wo sie am Ende stehen werden. Am Anfang? Am Ende? Irgendwo dazwischen? 

©Studiocanal
 BEWERTUNG: 07/10
Titel: Die zwei Gesichter des Januar
Laufzeit: 97 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Drama, Thriller
Erscheinungsjahr: 2014
Regisseur: Hossein Amini
Darsteller: Viggo Mortensen, Kirsten Dunst, Oscar Isaac





Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen