Mittwoch, 28. Mai 2014

Be Kind, Rewind: Alles auf Anfang in "X-Men: Days of Future Past"!





©20th Century Fox

Die X-Men. Begründer des systematischen Siegeszuges der Comicverfilmungen im Kino, Schuld am Überfluss, der sich nun auch auf den heimischen Fernseher verlagert hat. Filme, Serien, Videospiele – die Wirtschaft entdeckte dank der Mutanten ein neues Geschäftsfeld. Bryan Singer, der Regisseur von „X-Men“ und „X-Men 2“ darf nun wieder Hand an sein begründetes Franchise legen und tritt nach „X-Men: First Class“ in sehr, sehr große Fußstapfen. 

Um den Druck noch zu erhöhen, lässt er sogleich Zukunft und Vergangenheit aufeinanderprallen. „X-Men: Days of Future Past“ fährt zeittechnisch nämlich zweigleisig. Angesiedelt im Jahre 2023, indem beinahe sämtliche Mutanten ausgerottet sind, steht es nicht gut um die X-Men. Zurückzuführen ist dieser Umstand auf das Jahr 1973, woraufhin Wolverine (Hugh Jackman) in die Vergangenheit reisen muss, um Magneto (Ian McKellen) und Professor Xavier (Patrick Stewart) zu vereinen. Nur so kann Krieg 50 Jahre später vermieden werden. 

Es gleicht einer Herkules-Aufgabe, was sich Singer hier vorgenommen hat. Nämlich zwei Zeitlinien logisch miteinander zu verbinden, jedem Darsteller genügend Raum zu bieten und gleichzeitig den Spannungsbogen nicht außer Acht zu lassen. Einem Regisseur mit weniger Respekt vor der Vorlage und seinen Figuren wäre das vielleicht nicht gelungen. Singer jedoch gelingt es erstaunlich gut. „X-Men: Days of Future Past“ krankt niemals am Übersättigungseffekt, mit dem dieses Jahr noch „The Amazing Spiderman 2“ zu kämpfen hatte. Dank der vielen Franchise-Einträge bisher reichen wenige Szenen, um dem Zuschauer bekannte Charaktere ans Herz zu legen und nebenbei noch eine Vielzahl an neuen Mutanten einzuführen. Lediglich eine Figur kommt zu kurz: Angesichts der brillanten (ambivalenten) Protagonisten hat Peter Dinklage in der Rolle des Bösewichts wenig Chancen sich abzusetzen. Das macht aber wenig, schließlich trösten Michael Fassbinder, James McAvoy und Jennifer Lawrence darüber hinweg. Auch wenn Rebecca Romijn – abgesehen vom großen Talent Lawrences -  in der Ur-Trilogie als Mystique die passendere Wahl gewesen ist. 

©20th Century Fox
Regisseur Singer überzeugt mit seiner 70er Jahre-Story vor allem im Detail. Immer wieder webt er mal subtil, mal weniger politisches Zeitgeschehen mit ein. Das macht Spaß und verpasst dem Film einen leicht ironischen Anstrich. Die Story selbst bewegt sich für einen Blockbuster auf hohem Niveau. Selten gerät der Spannungsbogen in Gefahr. Entweder, weil die Actionelemente hervorragend inszeniert sind, oder weil die Figuren in ihrer Verzweiflung großartiges Drama servieren. Da reicht ein Handschlag zwischen Xavier und Magneto um dem Fan den Atem stocken zu lassen. So geht Comicverfilmung und nicht anders! 

Tricktechnisch steckt „X-Men: Days of future Past“ ein wenig hinter der Konkurrenz zurück, da das CGI manchmal doch deutlich zu sehen ist. Macht aber nichts, da die Gags sitzen, die Figuren sympathisch sind und vor allem Quicksilvers Auftritt zum besten gehört, was das Franchise je abgeliefert hat. Das konkurriert sogar mit Nightcrawlers Sturm auf das weiße Haus in „X-Men 2“. In seinen besten Momenten ist „X-Men: Days of Future Past“ intelligentes Actionkino, das beweist, dass die Macher ihr Publikum nicht für dumm verkaufen wollen. Es gehört auch gehörig Mut dazu, ein Franchise einfach per Reset-Knopf neu aufzuziehen und dem Zuschauer damit ein gehöriges Fragezeichen auf die Stirn zu tackern. Allerdings – und das darf man nicht vergessen – bedienen sich die Comicverlage seit langer Zeit der Thematik der alternativen Zeitlinien um die beliebtesten Superhelden wieder und wieder neu zu erfinden. Einmal ist Spiderman Latino, das andere Mal tauscht er Körper mit Doctor Octopus. Man sieht: Die Wege sind vielfältig. 

Doch egal wie man zur kompletten Neuauslegung steht, Lust auf mehr macht „X-Men: Days of Future Past“ in jedem Fall. Allein die Abspannszene lässt für 2016 Großes erwarten, was Regisseur Bryan Singer mit Sicherheit einlösen wird. 


©20th Century Fox
 BEWERTUNG: 7,5/10
Titel: X-Men: Zukunft ist Vergangenheit (im engl.: Days of Future Past)
FSK: ab 12 freigegeben
Laufzeit: 131 Minuten
Genre: Science Fiction, Action, Superhelden
Erscheinungsjahr: 2014
Regisseur: Bryan Singer
Darsteller: Hugh Jackman, Michael Fassbinder, James McAvoy, Jennifer Lawrence, Ian McKellen, Patrick Stewart, Halle Berry, Omar Sy, Peter Dinklage, Ellen Page, Nicholas Hoult, Daniel Cudmore, BooBoo Stewart, Shawn Ashmore, Evan Peters, Lucas Till, Famke Janssen, James Marsden, Anna Paquin






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