Dienstag, 13. Mai 2014

Aus den Tiefen des Meeres erhebt sich ein Gigant - Aussichtsloser Kampf in "Godzilla"!




©Warner Bros.


Aus der Popkultur ist die japanische Gallionsfigur nicht mehr wegzudenken. Seit 1954 zieht Godzilla eine Spur der Verwüstung quer durch jegliche Medien und erfreut sich großer Beliebtheit. Nach Roland Emmerichs eher ungenügenden Versuch, der Riesenechse Leben einzuhauchen, wagt sich nun Newcomer Gareth Edwards an die Herkulesaufgabe. Mit seinem Überraschungserfolg „Monsters“ (Budget: 500.000 Dollar) für Aufsehen gesorgt, schnappte sich Warner Bros. den Neuling und gab ihm das Vielfache des Budgets seines Erstlings. 

Was folgte, war eine beispiellose Marketing-Kampagne, die das Fanherz zum Glühen brachte und im Nachhinein nicht besser hätte durchgeführt werden können. So führen die Kinotrailer den Zuschauer gekonnt in die Irre, ohne zu lügen und sind das beste Beispiel dafür, wie ein Trailer auszusehen hat: Charakteristische Bilder des Films zeigen, ohne die Handlung zu verraten und im besten Fall Theorien des Publikums anheizen. Nur um im Film später mit ein, zwei dicken Überraschungen zu glänzen. 

Regisseur Gareth Edwards ist der schnelle Ruhm (bzw. das schnelle Geld) keinesfalls zu Kopf gestiegen. Mit klugen Casting-Entscheidungen spielt er mit den Erwartungen des Publikums und unterläuft sie auf unerwartete Weise. Godzilla selbst betritt erst reichlich spät die Bildfläche, was aber kein Grund zum Ärgern bedeutet. Edwards versteht es nämlich, sämtliche Charaktere einzuführen, seinen Hauptdarstellern Bryan Cranston und Aaron Taylor-Johnson eine passende Hintergrundgeschichte zu verpassen und neben dem Kampf Mensch gegen Monster auch den Kampf Monster gegen Monster nicht zu kurz kommen zu lassen. 

©Warner Bros.
Bot „Pacific Rim“ im letzten Jahr ein ähnliches Spektakel, so sind die Unterschiede auf den zweiten Blick doch groß. Während Ersterer allein auf den Spaßanteil setzte und das Kind im Manne ansprach, so ist „Godzilla“ weitaus düsterer geraten. Regisseur Edwards taucht die zerstörten Metropolen, die schreienden Menschenmassen und das hilflose Militär immer wieder in dunkle Bilder, die in ihrer apokalyptischen Machart fast schon poetische Züge annehmen. So schön sah der Weltuntergang selten aus. Fast grundsätzlich verzichtet „Godzilla“ auf Gags jeder Art, was aber zum Ton des Films passt. Der Spagat zwischen dem eigentlich trashigen Grundthema und seiner düster-realistischen Inszenierung gelingt spielend. 

Die größten Stärken von „Godzilla“ sind allerdings nicht seine Actionszenen. Obwohl erfreulich übersichtlich inszeniert und mit ordentlich Wumms orchestriert, sind es eher die ruhigen Passagen, die den Film über den Genre-Einheitsbrei hieven. Die berühmte Ruhe vor dem Sturm nutzt Regisseur Edwards extrem häufig, ohne mit Abnutzungserscheinungen kämpfen zu müssen. Gekonnt entfaltet Edwards Momente von hoher Spannung und Intensität, die das Publikum kurz den Atem anhalten lassen. Dank dieser Ausgewogenheit besitzt somit die Action einen höheren Wiedererkennungswert und verliert sich nicht in Effekthascherei. 

Auf charakterlicher Ebene muss „Godzilla“ leider ein wenig Federn lassen. Zwar bekommt Bryan Cranston genug Tiefe spendiert, der Rest schaut jedoch in die Röhre. Trotzdem fiebert der Zuschauer auch mit flacheren Charakteren mit, da die Bilder in ihrem Einfallsreichtum bestechend sind. Wenn Godzilla Hochhäuser einem Bauklotz gleich einreißt, Menschen wie Ameisen unter ihm herlaufen und sich bewusst werden, wie klein und machtlos sie doch sind – dann erreicht „Godzilla“ ein hohes Niveau im Monsterfilmgenre. Außerdem ist der Film ein kleiner Kommentar hin zum Umgang des Menschen mit der Natur, was sich immer wieder bemerkbar macht. Denn letzten Endes sorgen wir schon selbst für unsere Vernichtung. Da braucht es keinen Godzilla. 

©Warner Bros.
BEWERTUNG: 7,5/10
Titel: Godzilla
FSK: ab 12 freigegeben
Laufzeit: 124 Minuten
Erscheinungsjahr: 2014
Regisseur: Gareth Edwards
Darsteller: Bryan Cranston, Aaron Taylor-Johnson, Ken Watanabe, Sally Hawkins, Elizabeth Olsen, Juliette Binoche, David Strathairn, 





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