Montag, 26. Mai 2014

Aus Böse wird Gut, aus Gut wird Böse - Dornröschen neu erzählt in "Maleficent"!





AB 29. MAI IM KINO!   ©Disney
Es liegt zur Zeit im Trend, ältere Filme und Serien wiederzubeleben oder neu zu entdecken. Schließlich ist das Material dem Publikum bekannt, wodurch Fans sowieso in die Kinos getrieben und eine neue Zielgruppe erschlossen werden kann. Mit „Maleficent“ verfilmt Disney nun das Leben des wohl berühmtesten Antagonisten seiner Zeichentrickfilme neu. Die wahre Geschichte hinter dem Märchen von „Dornröschen“ quasi, mit einer bösen Fee, die bei genauerem Hinsehen doch nicht mehr so böse zu sein scheint. 

Regieneuling Robert Stromberg darf dabei Schauspielstar Angelina Jolie in Szene setzen. Stromberg, der zuvor an zahllosen Filmen („Avatar“) als CGI-Spezialist gearbeitet hat, zeigt auch hier, wo seine Stärken liegen. Die Umsetzung der Märchenwelt ist visuell äußerst prachtvoll und zeigt sofort, wo das meiste Geld geflossen ist. Nur zu Beginn erinnert „Maleficent“ auf fast unangenehme Weise an Filme der Marke „Zauberer von Oz“, nämlich sobald das CGI die Leinwand übernimmt und Handarbeit dem PC weichen muss. Ist die Kindheit der bösen Fee allerdings abgehakt, dreht der Film auf. Der Tenor des Films wird weitaus düsterer und die kitschigen Fabelwesen und Panoramen weichen einer unheilvollen Atmosphäre. Dementsprechend dauert es auch nicht lange, bis Regisseur Stromberg die ersten Kampfszenen präsentiert und die Tragödie hinter der Geschichte von Maleficent offenbart. 

Auf Unverständnis stößt hierbei die Entscheidung von Disney, den Film nur in Deutschland um rund 50 Sekunden zu kürzen. Das besänftigte die FSK genug um eine Freigabe ab 6 zu erhalten, was nach Ansicht des Films aber als fatale Fehleinschätzung zu werten ist. „Maleficent“ ist nämlich – von den ersten fünf Minuten mal abgesehen – absolut kein Film für kleine Kinder. Die Bildsprache ist gruselig, die Monster zu grausam und die menschlichen Tragödien wohl kaum etwas für einen 6-jährigen Kinobesucher. Wer seinem Kind ein Trauma ersparen will, wartet lieber noch ein paar Jahre. „Maleficent“, der von vornherein als PG 13 (entspricht ungefähr einer Freigabe ab 12) angedacht war, kann nicht durch eine Minute an fehlenden Gewaltspitzen kindgerecht werden. Darauf ist der gesamte Film einfach nicht ausgelegt. 

©Disney
Wie dem auch sei. „Maleficent“ ist in seinen besten Momenten eine faszinierende Neuerzählung des klassischen Märchenstoffes. Er bietet hier und da nette eigenständige Ideen, ohne Fans des Originals auf die Füße zu treten. Trotzdem ist er immer dann am Stärksten, wenn er seine Inspirationsquelle zitiert und Jolie Raum gibt, fies zu sein. Generell ist sie der größte Pluspunkt des Films. Der tiefschwarze Humor, das schelmisch-boshafte Lachen – es scheint, als ob ihr die Rolle der Maleficent auf den Leib geschrieben wurde. Auch ihr Gegenpart Sharlto Copley („Elysium“) als machthungriger Menschenkönig weiß Akzente zu setzen, wodurch ihre verbundenen Schicksale tatsächlich faszinieren. 

Bleibt festzuhalten: Regisseur Robert Stromberg hat ein Auge für betörende Bilder, die stets zwischen Tim Burton und Sam Raimis „Der Zauberer von Oz“ gratwandern. Die Kostüme und Sets sind prachtvoll, was dem Geschehen mehr Leben einhaucht, als es Raimis Streifen jemals tat. „Maleficent“ ist somit ein solides Fantasywerk, das Fans zufrieden stimmen müsste und eine neue Generation mitreißen dürfte. Nur die ganz Kleinen, die sollten (vorerst) draußen bleiben. 


©Disney
BEWERTUNG: 06/10
Titel: Maleficent
FSK: ab 6 freigegeben
Laufzeit: 97 Minuten
Erscheinungsjahr: 2014
Genre: Fantasy
Regisseur: Robert Stromberg
Darsteller: Angelina Jolie, Elle Fanning, Sharlto Copley, Sam Riley, Juno Temple, Imelda Staunton, Miranda Richardson





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