Dienstag, 29. April 2014

Liebe überwindet Grenzen - "Labor Day"!




AB 8. MAI IM KINO! ©Paramount


Wenn Jason Reitman einen Film dreht, ist ihm eine gewisse Aufmerksamkeit sicher. Mit „Up in the Air“ erlangte der Sohn von Ivan Reitman („Ghostbusters“) Weltruhm, Oscarnominierung inklusive. Mit „Labor Day“ kehrt er den eher komödiantisch angehauchten Filmen nun erstmals den Rücken zu.
Nach einer Buchvorlage von Joyce Maynard lässt er die introvertierte Adele (Kate Winslet) und ihren Sohn Henry (Gattlin Griffith) direkt in die Arme des flüchtigen Verbrechers Frank (Josh Brolin) laufen. Der zwingt sie, ihn mit nach Hause zu nehmen. Dort versucht er sich vor der Polizei zu verstecken, um sobald wie möglich weiter zu kommen. Aus einer Nacht wird ein gesamtes Wochenende, währenddessen sich die Einstellung zwischen den Geiseln und Geiselnehmer drastisch verändern. Adele und Frank öffnen sich zueinander und Henry erkennt in Frank bald eine neue Vaterfigur. 

©Paramount
Nun, die Ausgangslage ist schon ein wenig abenteuerlich. Da hilft nicht einmal ein Regisseur der Marke Reitman um die Prämisse glaubwürdiger zu gestalten. Hat eine Buchautorin mehrere hundert Seiten Zeit, die Gefühle und Gedanken der Protagonisten zu erklären, muss im Film einiges der Schere zum Opfer fallen. Aus anfänglichem Interesse wird mit zunehmender Zeit arges Zweifeln, was dem Film in keiner Weise hilft. Die Beziehung zwischen Frank und Adele steht auf wackligen Beinen und – noch schlimmer – leidet unter unfreiwilliger Komik. In wunderschönen Bildern zelebriert Reitman die aufkeimende Liebe im heruntergekommenen Familienhaus, vergisst aber, seine Darsteller mit ebenso gelungenen Dialogen zu füttern. Hin und wieder durchbricht ein ungewollter Lacher die Romantik, was ein Todesurteil für jedes Liebesdrama ist, das ernstgenommen werden will. Das größte Hindernis dabei ist die Figur des Franks selbst. Seine tragische Hintergrundgeschichte mag noch einigermaßen stimmig sein, wie er allerdings zum perfekten Mann stilisiert wird, nicht. Do you have problems? Better call Frank! Er kocht, repariert, bohnert, spielt mit deinen Kindern und kann ein Musikinstrument spielen. Wow! Wenn eine Frau mal das Idealbild eines Mannes auf charakterlicher Ebene sehen will: „Labor Day“ wird in ein paar Jahren als Lehrmaterial herangezogen werden müssen. 

Dementsprechend schleichen sich im Mittelteil, der für die Charakterisierung sämtlicher Figuren wichtig ist, Längen ein. Hübsche Bilder helfen nicht über Unglaubwürdigkeit hinweg und auch das Darstellerensemble kann da nicht sonderlich viel retten. Zwar spielen Winselt und Brolin das unmögliche Paar überzeugend, doch eine wirkliche Bindung zum Zuschauer entsteht nicht. Erst zum Finale hin – wenn Reitman nun auch Thrillerelemente miteinbringt – wird ein wenig des Potenzials sichtbar, das in „Labor Day“ schlummert. Diese kann vermutlich in der Buchfassung entdeckt werden, wo die rasante Entwicklung über drei Tage hinweg nicht so auffällt, oder glaubhaft kaschiert wird. Jason Reitman ist ein hervorragender Regisseur, allerdings braucht auch er ein gelungenes Skript. 


©Paramount
BEWERTUNG: 06/10
Titel: Labor Day
Erscheinungsjahr: 2014
FSK: ab 6 freigegeben
Laufzeit: 112 Minuten
Regisseur/Autor: Jason Reitman
Darsteller: Kate Winslet, Josh Brolin, Clark Gregg, Tobey Maguire, Gattlin Griffith, Tom Lipinski, Maika Monroe






Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen