Mittwoch, 16. April 2014

Eine unmögliche Freundschaft zur Zeit des 2. Weltkriegs - "Belle und Sebastian"





©Ascot Elite

Kinderfilme haben oftmals das Problem, dass ältere Zuschauer mit ihnen nichts anfangen können. Die Story zu einfältig, die Figuren zu platt, eben vollkommen auf Kinder zugeschnitten. Dass es auch anders geht, zeigt beispielsweise Pixar mit ihren Filmen, die Groß und Klein gleichermaßen begeistern, da sie auf mehreren Ebenen funktionieren. 

Im Bereich des Realfilms schickt sich nun „Belle und Sebastian“ an, genau das zu erreichen. Vordergründig begleitet der Film seinen Hauptdarsteller Sebastian, der zusammen mit seinem Großvater in den Bergen nahe der Schweizer Grenze lebt. Dort treibt eine Bestie sein Unwesen, dass die Schafe der Dorfbewohner reißt. Der aufgeweckte Junge findet die „Bestie“ allerdings vor den Jägern und entdeckt Unglaubliches: Statt als wildgewordenes Tier entpuppt sie sich als zahmer Hund, der niemandem etwas zuleide tut. Eine zarte Freundschaft beginnt sich zu entwickeln, die jedoch schon bald durch Jäger und dem Einfall der deutschen Wehrmacht zu zerbrechen droht. 

Regisseur Nicolas Venier verlegt das Geschehen der 60er Jahre Kinderserie in die unsicheren Zeiten des 2. Weltkriegs. Statt reinem Kinderfilm um Mut, Freundschaft und Zugehörigkeit widmet sich „Belle & Sebastian“ eher düsteren Themen, wie Judenvertreibung, Nationalsozialismus und Weltkrieg. Eltern dürfen sich nicht wundern, wenn sie sich nach Ansicht des Films erst einmal einige Fragen ihrer Kleinen anhören müssen. Was allerdings in keinem Fall negativ zu verstehen ist. „Belle & Sebastian“ regt nämlich durchaus zum Nachdenken an und bietet ein unerwartet differenziertes Bild der Deutschen, als auch der Einwohner. Regisseur Venier verzichtet angenehmerweise völlig auf Schwarz-Weiß-Denken und vermittelt den jungen Zuschauern ein glaubwürdiges Bild damaliger Zeiten. 

©Ascot Elite

Das soll nicht heißen, dass sich „Belle & Sebastian“ völlig auf den Aspekt 2. Weltkrieg versteift. Viel eher erzählt er seine anrührende Geschichte einer erst unmöglichen Freundschaft mit viel Verve und Geschick. Der Zuschauer, egal wie alt, fühlt mit, bangt und hofft. Hinzu kommt, dass die französischen Alpen selten in schöneren Bildern zu sehen waren. Wunderschön gefilmt, präsentieren sich die Berge als dankbares Motiv, um die Geschichte in allen Aspekten zu unterstützen. Sei es als Paradies, wenn die Sonne scheint und die Blumen sprießen, oder während des Showdowns als gefährliche weiße Wüste. 

„Belle & Sebastian“ ist ein Kinderfilm der besten Art, da er sich nicht scheut, ernste Themen anzusprechen und doch die richtigen (und wichtigen) Werte vermittelt. Er funktioniert auf mehreren Ebenen, was heutzutage eine Seltenheit ist. Süß, witzig, aber auch dramatisch und lehrreich. So geht Kinderfilm heute. 


©Ascot Elite
BEWERTUNG: 7,5/10
Titel: Belle&Sebastian
Laufzeit: 104 Minuten
FSK: ab 6 freigegeben
Erscheinungsjahr: 2013
Regisseur: Nicolas Vanier
Darsteller: Felix Bossuet, Andreas Pietschmann, Margaux Chatelier, Dimitri Storoge, Tcheky Karyo





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