Donnerstag, 10. April 2014

Ein nackter Orlando Bloom im Angesicht der Apartheid - "Zulu"!




AB 8. MAI IM KINO! ©Studio Hamburg Enterprises


„Zulu“ – das ist eine südafrikanische (schwarze) Volksgruppe, die die Mehrheit der Bevölkerung darstellt. Im gleichnamigen Film widmet sich Regisseur Jerome Salle dem Südafrika der Post-Apartheid und stellt dem Zuschauer mit der Figur des Ali Neuman (Forest Whitaker) einen Zulu vor, der es bis zum Chef der Mordkommission in Kapstadt gebracht hat. Basierend auf der Buchvorlage des Franzosen Caryl Ferey entwirft er ein schockierendes Bild eines Landes, das zwanzig Jahre später immer noch an den Nachwirkungen dieser schonungslosen Zeit leidet. 

In „Zulu“ herrscht wenig Hoffnung. Zwar wird Kapstadt gerne von Touristen aus aller Welt frequentiert, doch wendet man sich den ärmeren Vierteln der Stadt zu, sieht alles schon ganz anders aus. Armut wohin das Auge reicht, Menschen, die in Blechhütten leben und die man ohne Schutz eigentlich gar nicht betreten darf. An diesen Plätzen herrscht das Recht des Stärkeren, oder – wie die Hauptcharaktere im Film wissen – derjenige, der skrupellos ist. Drogen überschwemmen die Straßen, Kinder verschwinden spurlos und selbst Mitglieder der High Society sind nicht mehr sicher. 

Was anfangs noch wie ein gewöhnlicher Mord aussieht, entwickelt sich zu einer waschechten Verschwörung, die offene Wunden wieder aufreißt, teilweise an abstruse Nazi-Experimente erinnert und doch  in allen Facetten in der Realität ihren Ursprung hat. Natürlich hat auch jede (vermeintlich) gute Figur im Film sein eigenes Kreuz zu tragen. Ob grausame Vergangenheit (Whitaker), oder ein verpfuschtes Vater-Sohn-Verhältnis (Whitakers Filmkollege Orlando Bloom) – hier besitzt niemand eine weiße Weste. Das spiegelt perfekt den Zustand Südafrikas wieder. Schließlich muss das Land immer noch mit den Nachwirkungen der Apartheid kämpfen, da noch lange kein Gras über die Sache wachsen konnte. Zeitzeugen sind noch zuhauf am Leben und erinnern sich nur allzu gut an die Gräueltaten der weißen Obrigkeit. Mandelas Erbe der kollektiven Vergebung ist ein zerbrechliches Abkommen, das jederzeit scheitern könnte, was „Zulu“ immer wieder in unheilvollen Bildern heraufbeschwört. Geschickt nutzt der Film seine wenigen harschen Gewaltspitzen um dem Zuschauer die Fragilität des Landes (und seiner Protagonisten) zu verdeutlichen. Es knallt selten in „Zulu“, doch wenn, dann richtig. 

©Studio Hamburg Enterprises

Deshalb ist es umso trauriger, dass der Spannungsbogen hier und da brüchig ist. Manche Szenen sind einen Tick zu lang gehalten und entschleunigen den Thriller ein wenig. Dadurch büßt „Zulu“ nach großartigen Szenen an Spannung ein. Dank des talentierten Darstellergespanns kann dieser Umstand aber aufgefangen werden. Vor allem Orlando Bloom (Legolas in „Der Herr der Ringe“) zeigt eine völlig neue Seite an sich. Da verzeiht der Zuschauer auch, dass der Film zum Ende hin ein wenig zerfahren wirkt, was in der Buchvorlage bestimmt ausführlicher besprochen werden konnte. Trotzdem ist „Zulu“ – obwohl in erster Linie an purer Unterhaltung interessiert – ein gelungenes Beispiel für die  Reflexion der Apartheid und der Zeit danach. Die Konflikte, die unter der Oberfläche weiterhin brodeln und der Gedanke an Rache sind Dinge, die nicht erst Mandelas Exfrau in den 90ern mithilfe des militanten Flügels des ANC (Afrikanischer Nationalkongress) vergelten wollte. 

Auge um Auge, Zahn um Zahn. Dass dies nicht der richtige Weg ist, daraus macht auch „Zulu“ Gott sei Dank keinen Hehl. Hier siegt nämlich, trotz der nihilistischen Aufmachung und der im Grunde zerstörten Charaktere, doch die Hoffnung. Auch wenn man sie unter Blut und Schweiß erst finden muss. 

©Studio Hamburg Enterprises
BEWERTUNG: 7,5/10
Titel: Zulu
FSK: ab 16 freigegeben
Laufzeit: 110 Minuten
Erscheinungsjahr: 2014
Regisseur: Jerome Salle
Darsteller: Orlando Bloom, Forest Whitaker, Natasha Loring, Conrad Kemp, Dean Slater








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