Dienstag, 15. April 2014

Du, ganz allein, im Nichts - Spuren




©Ascot Elite
Man mag von der Person Robyn Davidson halten, was man will. Ob verrückt, verschroben oder weltfremd – ihre Taten sind in jedem Fall mutig und verdienen eine gewisse Huldigung. Mit gerade mal 27 Jahren in glühender Hitze durch das australische Outback zu marschieren ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Dabei ist klar: Diese Reise findet nicht nur auf der Karte statt, sondern auch in Robyn selbst. Je weiter sie kommt, desto besser versteht sie sich selbst. Zwischen Selbstzweifeln, Stolz und dem Gefühl, vor Menschen fliehen zu müssen, entfaltet sich unter dem sternenklaren Nachthimmel Australiens eine Tour de Force, die Regisseur John Curran in einfühlsamen Bildern darlegt. Zusammen mit Kamerafrau Mandy Walker fängt er die spröde Schönheit Australiens perfekt ein. Wie Robyn mit ihren Kamelen durch sengende Hitze marschiert, die Wasservorräte knapp werden und sie sich völlig alleine doch nach Unterhaltung sehnt, entwickeln sich faszinierende Szenen. An Originalschauplätzen gedreht, schlägt sich der Aufwand sofort in der Qualität von „Spuren“ nieder. Auf der großen Leinwand wirken Schauplätze der Marke Uluru natürlich noch imposanter und erschaffen eine gewisse Ehrfurcht vor dem beeindruckenden Naturschauspiel, das sich dem Zuschauer bietet. Für die einen dürfte „Spuren“ in seiner Bildgewalt absolut faszinierend wirken, für die Anderen eher erschreckend. Schließlich ist Robyns Reise – obwohl finanziert – hochgefährlich. Da hilft auch nicht die Schönheit des wenig besiedelten Kontinent. 

©Ascot Elite

„Spuren“ kann sich zudem auf seine talentierte Hauptdarstellerin verlassen. Mit Mia Wasikowska hat Regisseur John Curran einen heranwachsenden Star an der Hand, der ihm dankbar jede Facette des Charakters Robyn Davidson entschlüsselt. Wasikowska ist einfach unheimlich stark in ihrer Rolle und sorgt dafür, dass der Zuschauer auch in etwas langwierigeren Passagen des Films am Ball bleibt. Ihre Performance hier dürfte zum Besten in ihrer noch jungen Karriere zählen, was aber nicht verwundert. Schließlich dürfte sich so ziemlich jede Darstellerin Hollywoods solch eine Rolle in ihren Träumen wünschen. Da verwundert es nicht, dass in den 90ern beispielsweise Julia Roberts und Nicole Kidman für eine mögliche Verfilmung in Frage kamen. Gut, dass nun Wasikowska zusammen mit Adam Driver als Fotograf Smolan die Kamele führen darf. Wie das Publikum im Abspann auch sehen wird, sind sie allein optisch schon die perfekte Wahl.

„Spuren“ ist ein etwas sperriges Stück Film geworden. Allerdings passt das völlig zu seinem Hauptcharakter, der große Strapazen auf sich nimmt um zum einen der Welt zu entfliehen und sich selbst ein wenig näher zu kommen. Für Fans Australiens ein unbedingtes Muss und für solche, die es werden wollen unbedingt. Denn am Ende versteht auch der Zuschauer Robyn Davidson ein wenig besser und kann ihren Willen, sich von der Gesellschaft für einen kurzen Moment loszureißen, verstehen. Es gibt nur dich, den Boden auf dem du stehst und den Sternenhimmel. Allein im Universum. Wie beängstigend und gleichsam gewaltig muss sich das nur anfühlen? 

©Ascot Elite
BEWERTUNG: 7,5/10
Titel: Spuren
Laufzeit: 110 Minuten
FSK: ab 6 freigegeben
Erscheinungsjahr: 2014
Regisseur: John Curran
Darsteller: Mia Wasikowska, Adam Driver, Emma Booth, Melanie Zanetti, Rainer Bock, Robert Coleby









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