Dienstag, 8. April 2014

"Die Tribute von Panem" meets "Twilight" in "Die Bestimmung - Divergent"!





 
©Concorde

Es war einmal….ein Produktionsstudio auf der Suche nach dem nächsten Hit. Dieses hatte mit der „Twilight“-Reihe einen veritablen Hit vorgelegt und versuchte nun erneut dasselbe Zielpublikum anzusprechen. Im Zuge der „Tribute von Panem“-Verfilmungen stieß es relativ schnell auf die Autorin Veronica Roth und ihre „Die Bestimmung – Divergent“-Saga. Eine Trilogie, noch dazu fest im Jugendbuch-Segment verankert, bedeutet heutzutage doch sofort einen Hit. Oder?


Nun, andere Produktionsstudios können Summit Entertainment bestimmt vom Gegenteil berichten. Constantin Film floppte mit „Die Chroniken der Unterwelt“, filmen aus Trotz allerdings trotzdem weiter. Warner Bros. erlitt mit „Beautiful Creatures“ dermaßen Schiffbruch, dass weitere Teile erst gar nicht in Auftrag gegeben wurden. Inwiefern sollte es mit „Die Bestimmung – Divergent“ also anders sein?

Zum einen besitzt der Film eine durch und durch interessante Grundidee. Das Chicago der Zukunft ist in fünf Bezirke unterteilt. Je nach Charaktereigenschaften werden Menschen in Kategorien unterteilt, welche sie ihr ganzes Leben ausfüllen müssen. Es gibt die Ferox (furchtlos und stark), die Ken (wissbegierig und schlau), Amite (aggressionsfrei und naturverbunden), die Altruan (selbstlos und gerecht) und die Candor (ehrlich und rechtschaffen). Die Heldin dieser Geschichte, Beatrice, muss sich einem Test unterziehen, um einer Sektion zugeordnet werden zu können. Dieser offenbart jedoch unglaubliches, denn Beatrice ist eine Unbestimmte. Das heißt, sie gehört mehreren Fraktionen an. Das ist von den Mächtigen der Stadt nicht gern gesehen und so muss sie ein Doppelleben führen. Die Prüfungen innerhalb ihrer neuen Sektion machen es ihr jedoch sehr schwer, nicht aufzufallen.

In dieser Prämisse verbirgt sich außerordentliches Potenzial. Eine Gesellschaft, die Krieg durch Gleichheit versucht zu vermeiden. Jegliche Form der Individualität wird ausgemerzt, ein Jeder muss sich den Wünschen seiner Fraktion beugen. Ein ähnliches Gedankenspiel formte schon Kurt Wimmer mit seinem Kultfilm „Equilibrium“, indem die gesamte Menschheit auf ihre Gefühle verzichten musste. „Die Bestimmung – Divergent“ präsentiert sich dabei ähnlich, allerdings wesentlich entschärfter. Unübersehbar sind die Querverweise zu „Die Tribute von Panem“. Summit Entertainment will offenkundig auf denselben Zug aufspringen und ähnliche Erfolge einfahren. Das gelingt allerdings nur bedingt.

©Concorde
Zwar ist die Ausgangslage des Films durchaus interessant. Die Umsetzung weist leider einige Fehler auf. Auf der Habenseite steht ein überzeugendes Leinwandpaar, das mit Shailene Woodley („The Descendants“) und Theo James formidabel besetzt ist. Vor allem Woodley muss sich als Beatrice keineswegs verstecken und trägt den Film mühelos. Auch sie gehört – wie ihre Kollegin Jennifer Lawrence – zur jungen, frischen Garde Hollywoods, die nicht zur hollywoodschen Barbiekollektion gehört. Viel mehr überzeugt sie durch Talent, sowie einer eigenwilligen Schönheit, die eben nicht in das übliche 08/15-Schema passt. In den Nebenrollen ist „Die Bestimmung – Divergent“ nicht minder schlecht besetzt. Vor allem Kate Winslet benötigt nur Momente um dem Zuschauer ihre Kälte und Durchtriebenheit zu veranschaulichen. Schade, dass sie nur wenig Screentime bekommt.

Unnötigerweise verbaut es sich der Film aber auf anderen Ebenen. Tonal weiß Regisseur Neil Burger („Ohne Limit“) oftmals nicht wohin. Mal orientiert sich der Film am ernsten Tonfall von „Die Tribute von Panem“ um wenig später in Teenie-Gefilde a la „Twilight“ abzurutschen. So entsteht ein merkwürdiger Zwitter, der nichts Ganzes und nichts Halbes darstellt. Dazu gesellt sich eine Vielzahl schmieriger Popsongs, die die Ernsthaftigkeit des Films mehr als einmal untergraben. Da hat „Die Bestimmung – Divergent“ eigentlich einen gelungenen Score, doch stattdessen dröhnt ein Song nach dem anderen aus den Boxen. Mit 139 Minuten ist der Auftakt der Trilogie auch schlichtweg gute 20 Minuten zu lang. Der Beginn zieht sich ein wenig, wohingegen die Ausbildung zum Ferox äußerst interessant ist. Nur gegen Ende verfällt „Die Bestimmung – Divergent“ wieder in etwas Leerlauf. Ein wenig mehr Straffung hätte hier definitiv nicht geschadet.

So ist „Die Bestimmung – Divergent“ zwar ein besserer Vertreter der Young Adult Fantasy, kann aber seinem großen Panem-Bruder zu keiner Zeit das Wasser reichen. Trotzdem sollte man den nächsten Teil nicht aus den Augen lassen. Die Zutaten für großes Kino sind nämlich immer noch vorhanden.
 
©Concorde
BEWERTUNG: 5,5/10
Titel: Divergent - Die Bestimmung
FSK: ab 12 freigegeben
Laufzeit: 139 Minuten
Regisseur: Neil Burger
Darsteller: Shailene Woodley, Theo James, Kate Winslet, Ashley Judd, Ray Stevenson, Miles Teller, Maggie Q, Jay Courtney, Zoe Kravitz, Mekhi Phifer






 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen