Freitag, 4. April 2014

Der Hippie unter den biblischen Figuren - "Noah"!





©Paramount

Wenn „Noah“ eines ist, dann wohl ein heißes Eisen. Es gehört schon verdammt viel Mumm dazu, eine durch und durch christliche Geschichte an die Hand zu nehmen und diese in einem Multimillionendollar-Projekt zu verwerten. Regisseur Darren Aronofsky, der sowieso ein ziemlich ambitionierter Künstler ist, tut genau das. Dank seiner bisherigen Hits der Marke „The Wrestler“ und „Black Swan“ scheint ihm der Durchbruch bei den Massen gelungen zu sein und die Studios Hollywoods vertrauen ihm. Satte 130 Millionen Dollar verschlang sein neuestes Werk, das sich vor Schauwerten kaum zu retten vermag. 

Zunächst einmal muss eine Sache geklärt werden: „Noah“ mag zwar im Großen und Ganzen die biblische Geschichte des Erbauers der Arche erzählen, basiert aber eher auf der gleichnamigen Graphic Novel des Regisseurs Aronofskys. Dieser scheut sich nicht, dort wie im Film jede Menge Fantasy-Elemente mit einzubauen, was Fundamentalisten wohl eher ungern sehen wollen. Nicht umsonst gab es im Vorfeld Querelen seitens einiger christlicher Fernseh- und Radiosender. In den USA, versteht sich. Aber wie heißt es schön: Selbst schlechte Presse, ist gute Presse. Dabei hält sich der Film – mit ein paar Ausnahmen – erstaunlich genau an die in der Bibel und den Apokryphen beschriebenen Geschehnisse. 

Glücklicherweise verkommt „Noah“ dabei nicht zu bloßem Missionars-Werbematerial. Dank der eingesprengten Fantasy-Elemente ist der Film stets ein wenig überhöht, wodurch sich wohl niemand genötigt fühlen wird, sofort der Kirche ein paar Euros zu spenden. Viel eher ist es die Geschichte eines Mannes, der vom Hass der Menschheit abgestoßen ist und Trost findet in seinem Glauben und seiner Familie. Natürlich wird seine Einstellung Gott gegenüber, als auch seiner Familie, auf den Prüfstand gestellt. Das sorgt für einige packende Szenen, fernab jeglicher Effekte-Orgien und Action-Elementen. 

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Wenn nämlich Darren Aronofsky bei einem Film das Ruder übernimmt, hat der Zuschauer gewisse Erwartungshaltungen. Kaum ein anderer Regisseur vermag es, seine Vision so adäquat auf die Leinwand zu bannen, wie er es tut. Ob bizarrer Drogentrip („Requiem for a dream“) oder Sinnsuche („The Fountain“) – bei Aronofsky bekommt das Publikum Bilder geboten, die es nicht mehr vergisst. Hierbei reiht sich „Noah“ auch halbwegs ein. Immer wieder scheint Aronofskys Gabe mit der Kamera mehr zu erzählen, als durch Dialoge, hindurch. Da gibt es Szenen von erhabener Schönheit, die sich spielend abwechseln mit der graphischen Darstellung der Sünde des Menschen. 

Mit Russell Crowe hat Aronofsky auch gleich den perfekten Darsteller des Noah gefunden. Kraftvoll, entschlossen und zu allem bereit, stelllt er sich den Sündern entgegen und bringt gleichermaßen seine Familie durch allerlei Gefahren hindurch. Insbesondere im letzten Drittel, wenn seine Überzeugung auf dem Prüfstand steht, kann das Publikum den inneren Schmerz in seinem Gesicht geradezu nachempfinden. In den Nebenrollen glänzen insbesondere Jennifer Connelly und Emma Watson, die Beide schon längere Zeit nicht mehr zeigen konnten, was sie darstellerisch eigentlich drauf haben. In 138 Minuten bekommen sie jedoch genügend Raum zur Entfaltung. Gerade im letzten Drittel des Films – das sich fast zu einem Kammerspiel entwickelt – darf die gesamte Riege zeigen, was sie wert ist. Nur Logan Lerman fällt da etwas ab, was aber angesichts seiner undankbaren Rolle auch nicht verwundert. 

Allerdings ist nicht alles Gold, das glänzt. Tricktechnisch ist „Noah“ nämlich trotz des hohen Budgets hin und wieder etwas unausgegoren. Was die Tierwelt anbelangt, ist deren Ursprung im PC manchmal deutlich erkennbar. An die Leistung in „Planet der Affen“ kommt „Noah“ leider nicht heran. Außerdem sackt der Spannungsgrad in der letzten Viertelstunde ein wenig ab und das vorher perfekt ausbalancierte Gleichgewicht aus Fantasy und Religion verschwimmt etwas. Das ist jedoch Mäkeln auf hohem Niveau. „Noah“ ist vielleicht der konventionellste Film Aronofskys, in Sachen Spannung, interessanten Charakteren, sowie faszinierenden Bildern im Kino jedoch ein echtes Erlebnis.  Seinem Stil bleibt das Ausnahmetalent nämlich auch im hochbudgetierten Bereich treu. 

©Paramount
BEWERTUNG: 08/10
Titel: Noah 
Laufzeit: 138 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Regisseur/Autor: Darren Aronofsky
Darsteller: Russell Crowe, Jennifer Connelly, Emma Watson, Logan Lerman, Douglas Booth, Ray Winstone, Nick Nolte, Anthony Hopkins, Marton Csokas






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