Samstag, 19. April 2014

Das Triumvirat des Bösen - Electro, Rhino und Green Goblin in "The Amazing Spider-Man 2 - Rise of Electro"!


©Sony Pictures



Es gab wohl kein Thema, dass Filmfans nicht ausgiebiger diskutierten, als das neuerliche Reboot des Superhelden Spider-Mans. Der Sinn, nach gerade einmal zehn Jahren (geht man vom Erscheinungsdatum des 1. Spider-Man aus) eine Neuauflage zu verfilmen, erschloss sich vielen nicht. Für viele ist die Version von Sam Raimi rundum gelungenes Popcornkino, das erst mit seinem letzten Abenteuer ins Schlingern geriet. Wobei dort allerdings auch das Produktionsstudio Raimi ziemlich in die Quere kam und ihn seine Vision nicht umsetzen lies. 

Nun steht mit „The Amazing Spiderman 2 – Rise of Electro“ schon die Fortsetzung der neuen Reihe an. Wieder einmal scheint sich die Faustregel aller Sequels zu bestätigen: Höher, schneller, weiter. Regisseur Marc Webb („500 Days of Summer“) vereint dieses Mal satte drei Gegenspieler in einem 140-minütigen Film und lässt seinen Helden so Schwerstarbeit erledigen. Daran scheiterte schon „Spiderman 3“ (2007), der mit Green Goblin, Sandman und Venom schlichtweg überfrachtet war. Zunächst scheint „The Amazing Spiderman – Rise of Electro“ dieselben Fehler allerdings nicht zu wiederholen. 

©Sony Pictures
Als Hauptgegner ist schnell Electro gefunden. Dargestellt vom genialen Jamie Foxx erhält er den Anstrich eines tragischen Bösewichts, der durch bloßen Zufall in New York für Angst und Schrecken sorgt. Ihm liegt eine feine und vor allem glaubhafte Charakterisierung zugrunde, weshalb es unverständlich ist, wieso ihm Regisseur Webb und die Drehbuchautoren Orci, Kurtzman und Vanderbilt (3 Bösewichte für 3 Autoren?) noch zwei weitere Antagonisten zur Seite stellen. So verschiebt sich leider der Fokus und der eigentliche Gegner Spider-Mans verpufft im wahrsten Sinne des Wortes. Nichtsdestotrotz besitzt „The Amazing Spider-Man 2 – Rise of Electro“ einige äußerst packende Szenen, die auch dank der talentierten Darsteller hervorragend funktionieren. Neben Foxx darf auch Jungstar Dane DeHaan (vom Aussehen her ein junger DiCaprio) als Harry Osborn zeigen, was er drauf hat. Mag er Electro zwar ein wenig benötigte Screentime stehlen, so überzeugt er dank sadistischem Grinsen doch sehr. Charakterdarsteller Paul Giamatti alias Rhino wird in 2 Minuten allerdings komplett verheizt. Hoffentlich hat sich die Gage hierfür gelohnt. Spider-Man-Darsteller Andrew Garfield mimt – wie schon in Teil 1 – einen ganz anderen Peter Parker, als noch Tobey Maguire. Cool, immer mit einem witzigen Spruch auf den Lippen, entspricht er so gar nicht dem Bild, das in den Comics noch verbreitet wurde. Aber das ist sicherlich Geschmackssache. Der „Spider-Man“ aus Raimis Trilogie erscheint einfach eine Spur menschlicher, herzlicher und fehlerhafter – es ist einfacher mit ihm mitzufiebern, weshalb Szenen, die vor Pathos nur so triefen, einfacher durchgehen. In der neuen Reihe hat Marc Webb deutliche Probleme, diese Szenen in den Griff zu bekommen. Auch in „The Amazing Spiderman 2 – Rise of Electro“ gibt es natürlich solche Momente. Sie wollen allerdings überhaupt nicht in den eigentlich schnellen Ton des Films passen und wirken wie Fremdkörper. Was mit den Figuren geschieht ist nur von geringem Interesse, was auch der kruden Story zuzuschreiben ist. Die Verschwörungsgeschichte ist in ihrer Präsentation doch arg unglaubwürdig. Außerdem hapert es hin und wieder an Dialogen und der inneren Logik des Films. Während sich Peter Parker und seine Angebetete Gwen Stacey (Emma Stone) immer wieder dieselben Dialoge zuspielen, denkt der Zuschauer schon fast melancholisch zurück an Maguire/Dunst, die ihre Beziehung doch echter auf die Leinwand transportierten. Da kann die bezaubernde Emma Stone noch so verschmitzt mit großen Augen in die Kamera blicken. Hier ist’s einfach nur ein cooler Junge, der nicht so ganz weiß, was er will und trotzdem durch extrovertierte Aktionen die Mädels rumkriegt. Eine Identifikation mit diesem ADHS-Spinnenmann fällt dementsprechend schwer. 

Vielleicht ist die neue Reihe aber auch einfach für ein anderes Zielpublikum bestimmt. 14- bis 16-jährige dürften hier deutlich mehr Spaß haben, als das ältere Semester. Die Gags sind völlig auf sie zugeschnitten und die Action in ihrem Bombast einfacher zu konsumieren. Ist auch völlig in Ordnung, schließlich benötigt jedes Alter seine Filme. Das heißt auch nicht, der Film würde nicht unterhalten. Marc Webb findet immer wieder erstaunliche Bilder – vornehmlich in den Actionszenen – die das Publikum staunen lassen. Gerade das erste Aufeinandertreffen zwischen Electro und Spider-Man ist nahezu berauschend und verbindet ausgeklügelte Kamerafahrten mit einem originellen Technosound, der sich gewaschen hat. Schade nur, dass das der Film nicht gänzlich durchhält. Es müssen ja noch weitere Gegner eingeführt werden und die Zeit auf satte 145 Minuten gestreckt werden. Schade drum. So ist „The Amazing Spiderman 2 – Rise of Electro“ meist kurzweilig, mit berauschenden Actionszenen, versagt allerdings auf charakterlicher Ebene völlig. Kino fürs Auge, weniger für Herz und Hirn.

©Sony Pictures
BEWERTUNG: 06/10
Titel: The Amazing Spider-Man 2 - Rise of Electro
FSK: ab 12 freigegeben
Laufzeit: 143 Minuten
Erscheinungsjahr: 2014
Regisseur: Marc Webb
Autoren: Roberto Orci, James Vanderbilt, Alex Kurtzman
Darsteller: Andrew Garfield, Emma Stone, Jamie Foxx, Dane DeHaan, Paul Giamatti, Sally Fields, Chris Cooper, Marton Csokas, Colm Feore, Campbell Scott, Embeth Davidtz

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