Montag, 24. März 2014

The Internet is for porn! - "Don Jon"





©Ascot Elite

Joseph Gordon-Levitt ist einer der Shootingstars der letzten Jahre. Mit Rollen in „500 Days of Summer“ oder „Inception“ wurde er einem größeren Publikum bekannt und durch sein natürliches Charisma stellten sich auch die Erfolge ein. Mit „Don Jon“ wagt sich nun der Hollywooddarsteller auf den Regiestuhl. Schon 2009 inszenierte er mit Eric Stoltz vor der Kamera den Kurzfilm „Sparks“, wodurch er schon etwas Erfahrungen sammeln konnte. 

Sein Langfilmdebüt „Don Jon“ präsentiert sich dabei auf den ersten Blick als überaus mutig und originell. Die Hauptfigur Jon Martello (Joseph Gordon-Levitt) ist ein Macho, wie er im Buche steht. Wichtig sind ihm vor allem sein trainierter Körper, seine Kumpels mit denen er auf Frauenjagd geht, seine Mädels und….Pornos. Jon hat jede Woche eine andere Frau – allesamt wunderschön – und doch kann er von seinen Pornos nicht lassen. Jeden Tag, mitunter mehrmals, widmet er sich den Schmuddelfilmchen. Er findet sein Verhalten völlig normal, doch als die schöne Barbra (Scarlett Johansson) in sein Leben tritt und er zudem noch die reifere Esther (Julianne Moore) trifft, gerät sein Leben allmählich aus den Fugen. 

©Ascot Elite
Wohl das erste Mal spricht ein Film ein Phänomen unserer Zeit an. Die Pornosucht. Manch einer mag darüber noch schmunzeln, doch für Einige entwickelt sich der Zwang zum Porno schauen zu einem echten Problem. In schlimmsten Fällen führt es sogar zur Impotenz, da die Pornoindustrie Erwartungen weckt, die im echten Leben nicht erfüllt werden können. Hier birgt „Don Jon“ unfassbar viel Potenzial und anfangs scheint es auch, als ob diese erfüllt werden. Trotz einer Frau wie Barbra kann Jon nicht von seinen Filmen lassen. Denn dort ist alles einfach noch besser, noch perfekter, noch geiler. Die Frau tut alles, was der Mann will, erfüllt seine Fantasien und ist bloßes Sexobjekt. Dass es im wahren Leben so natürlich nicht läuft, ist Jon nicht klar. Leider aber verpasst es der Film, Barbra eine vernünftige Rollenzeichnung zu verpassen. Sie wird von Anfang an als verständnislose Zicke dargestellt, die einige sehr seltsame Ansichten über das Verhältnis von Mann und Frau zu pflegen scheint. So wünscht sich der Zuschauer noch vor der Hauptfigur Jon ihren Abtritt. Das ist schade, immerhin hätte der Film hier voll in das Thema Pornosucht behindert echte Beziehung einsteigen können. 

Da hilft es auch wenig, dass Joseph Gordon-Levitt einen hervorragenden Cast versammeln konnte. Er selbst ist überzeugend wie eh und je und auch Scarlett Johansson macht das Beste aus ihrer armseligen Rolle. Den stärksten Part hat noch Julianne Moore, die als vom Leben gebrandmarkte Esther eine erfrischende Natürlichkeit ausstrahlt. Auf oberflächlicher Ebene ist „Don Jon“ also durchaus unterhaltsam. Wendet sich der Zuschauer allerdings den Themen, die unter der Oberfläche brodeln zu, sieht es leider anders aus. Hier fehlt es an Kompromisslosigkeit und vielleicht auch dem letzten Quäntchen Mut. Ob dieser Film dann jedoch jemals das Licht der Welt erblickt hätte, steht auf einem anderen Blatt. 

„Don Jon“ hat seine amüsanten Momente, keine Frage. Die Seitenhiebe gen Kirche, die Visualisierung von Jons Pornosucht und grundsätzlich sämtliche gemeinsamen Szenen mit Gordon-Levitt und Moore sind gekonnt umgesetzt. All das hievt den Film schlussendlich doch noch über die Ziellinie, auch wenn wesentlich mehr drinnen gewesen wäre. Vielleicht ist das für ein Regiedebüt aber auch einfach zu viel verlangt. Man darf jedenfalls gespannt sein, was Joseph Gordon-Levitt in Zukunft noch drehen wird. Denn Talent als Regisseur hat er sicherlich. Es fehlt nur noch ein wenig Raffinesse seitens des Skriptes. 

©Ascot Elite
BEWERTUNG: 5,5/10
Titel: Don Jon
FSK: ab 16 freigegeben
Laufzeit: 94 Minuten
Regisseur: Joseph Gordon-Levitt
Darsteller: Joseph Gordon-Levitt, Scarlett Johansson, Julianne Moore








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