Samstag, 29. März 2014

Im Westen nichts Neues - Stasi-Methoden der BRD in "Westen"






©Senator
Es ist ein eher unbekanntes Stück Ost-West-Geschichte. Was passierte denn damals mit den Flüchtlingen, die (mehr oder weniger) legal aus der DDR ausreisten? Wie ging die BRD-Regierung damit um? Eine Antwort findet sich in Julia Franks Roman „Lagerfeuer“, in dem sie eigene Erfahrungen miteinfließen ließ. Als kleines Kind verbrachte sie selbst mehrere Monate in einem solchen Notaufnahmelager. Aus dem Buch ist nun der Film „Westen“ unter der Regie von Christian Schwochoch entstanden, der auch 1989 vor dem Mauerfall mit seiner Mutter in den Westen floh. Der Film ist also ein ziemlich persönliches Stück Zelluloid, was sich durchaus bemerkbar macht. 

„Westen“ verwehrt sich nämlich sämtlicher Klischees und preist die Ausreise nicht als Allheilmittel an. Auch in der BRD haben Menschen Probleme, auch hier ist nicht alles perfekt. Das manifestiert sich besonders in den erniedrigenden Prozeduren, die Hauptfigur Nelly (Jördis Triebel) über sich ergehen lassen muss. Sehr persönliche Fragen, ernüchternde Arztbesuche und ein Staatsapparat, der stur auf die Ausführung seiner Gesetze beharrt. Dazu noch die ausländischen Geheimdienste, die die starke Frau ordentlich in die Mangel nehmen. 

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Als wäre das nicht genug, gesellt sich noch der relativ harte Alltag in den verdreckten und überfüllten Lagern hinzu. Freundschaften bilden fällt in diesem Umfeld schwer, da immer noch Misstrauen zwischen den einzelnen Bewohnern herrscht. Immerhin könnte die Stasi überall ihre Spitzel untergebracht haben. Besonders gelungen ist hierbei die Figur des Hans Pischke (Alexander Scheer), der von den übrigen Zimmernachbarn als Informant beschuldigt und dementsprechend behandelt wird. Nelly selbst findet es immer schwieriger Vertrauen aufzubauen, wodurch „Westen“ hin und wieder Elemente des Spionage-Thrillers besitzt, im Grunde allerdings intimes Charakterdrama ist.
Diese Unentschlossenheit schadet dem Film ein wenig. Die Thematik an sich ist zwar durch und durch interessant, allerdings krankt die Umsetzung am fehlenden Spannungsbogen. Dem gegenüber stehen allerdings fabelhafte Darsteller, allen voran Hauptdarstellerin Jördis Triebel. Die Nominierung für ihre Leistung für den Deutschen Filmpreis 2014 erhielt sie absolut zu Recht. Vor allem im Zusammenspiel mit ihrem Filmsohn Tristan Göbel entwickelt sich echte Chemie, die das Drama auf der Leinwand spürbar werden lässt. 

Zum Ende hin fehlt „Westen“ allerdings die nötige Kompromisslosigkeit um wirklich aufzuhorchen. Zu schnell und abrupt endet der steinige Weg Nellys auf dem Weg zur BRD-Bürgerin, als das der Zuschauer noch Emotionen aufkommen lassen kann. Das ist schade, denn die Voraussetzungen sind bei dem Stoff eigentlich gegeben. So bleibt „Westen“ ein ordentliches Drama mit einem eher unbeleuchteten Thema deutscher Nachkriegsgeschichte. Der große Wurf bleibt Christian Schwochow damit allerdings verwehrt. 

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BEWERTUNG: 6,5/10
Titel: Westen
Laufzeit: 102 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Regisseur: Christian Schwochow
Darsteller: Jördis Triebel, Tristan Göbel, Jacky Ido, Alexander Scheer, Anna Antonowicz, Gabriele Schulze, Tania Carlin










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