Freitag, 28. März 2014

Ein Kampf gegen das Altern und Vergessen - Sein letztes Rennen






©universum film
Diddi Hallervorden verbinden die meisten Menschen mit Klamauk der Marke „Nonstop Nonsens“ oder „Didi – Der Doppelgänger“. Wenige wissen, dass er durchaus auch fähiger Charakterdarsteller ist, wie beispielsweise schon in den 70ern in „Das Millionenspiel“. 2013 startete er mit „Sein letztes Rennen“ den Versuch eines Comebacks. 

Hallervorden spielt hier den ehemaligen Weltstar im Marathonlauf Paul Averhoff. In seiner Jugend gewann er jeden Preis, den es zu gewinnen gab. Nun, in Rente, genießt er seinen Lebensabend mit seiner Frau Margot. Als sich Margots Zustand jedoch verschlechtert schickt sie ihre erwachsene Tochter Birgit in ein Altenheim. Zutiefst erschüttert über die Zustände dort, fängt Paul wieder an zu laufen. Er trainiert für den Berlin-Marathon, was in den Augen der restlichen Bewohner dort, sowie dem Personal reiner Irrsinn ist. Durch seine körperlichen Aktivitäten bringt er den Ablauf im Altenheim gehörig durcheinander, was vor allem den Pflegern gehörig gegen den Strich geht…

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Regisseur Kilian Riedhof („Homevideo“) hat zweifelsfrei ein Talent, wenn es darum geht, seine Zuschauer auf den Protagonisten einzuschwören. Hallervorden macht es ihm allerdings auch sehr einfach. Ungemein kraftvoll, würdevoll und resolut mimt er den alternden Laufstar, der das Ende kommen sieht. Vor allem das Zusammenspiel zwischen ihm und seiner Filmfrau Tatja Seibt birgt so manch rührende Momente, die vor allem durch ihre Authentizität gefallen. Ein Umstand, den der Rest des Filmes nicht in gleichem Maße erfüllen kann. Die Zustände im Altenheim lassen wahrlich kein Klischee aus. Sei es die Einrichtung und ihre Angestellten selbst, oder ihre Bewohner. Nur selten bricht „Sein letztes Rennen“ aus der Klischeekiste aus, etwa wenn sich die Senioren zu einem nächtlichen Gelage treffen. Inwieweit es in Deutschlands Altenheimen wirklich zugeht, kann der Autor dieser Zeilen leider (oder glücklicherweise) nicht beurteilen, weshalb dies nicht in die Bewertung des Films einfließt. Der Ablauf des Films selbst kann dafür aber zur Rechenschaft gezogen werden. Hier haben wir wieder einmal eine sehr klare Rollenverteilung, die zwischen Gut und Böse wenige Abstufungen zulässt. Der weitere Verlauf ist von Anfang an mehr oder weniger klar, wodurch der Film leider ein wenig überraschungsarm daherkommt. 

Glücklicherweise sind jedoch sämtliche Darsteller bestens aufgelegt, wodurch formale Schwächen wieder wett gemacht werden. Hallervorden und Seibt sind – wie schon gesagt – über jeden Zweifel erhaben. Aber auch Heike Makatsch als Filmtochter überzeugt ebenso, wie Frederik Lau in der Rolle des eigentlich herzensguten Pflegers. So entwickelt sich „Sein letztes Rennen“ doch noch zu einer sympathischen Angelegenheit, die gegen Ende sogar ziemlich mitreißt und noch dazu ansprechend gefilmt ist. Comeback geglückt, der Zuschauer gerührt – so kann’s gehen. 


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BEWERTUNG: 07/10
Titel: Sein letztes Rennen
FSK: ab 6 freigegeben
Laufzeit: 115 Minuten
Regisseur: Killian Riedhof
Darsteller: Dieter Hallervorden, Heike Makatsch, Tatja Seibt, Frederick Lau, Katrin Sass, Jörg Hartmann






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