Dienstag, 18. März 2014

Die Farbe Pink gegen Krieg und Faschismus - Grand Budapest Hotel

©20th Century Fox
Einen Blick in Wes  Andersons Kopf zu werfen, dürfte einer Achterbahnfahrt der Empfindungen gleichkommen. Wahrscheinlich sieht er die Welt in bunteren Farben, als es jeder Normalsterbliche tut. Kaum ein anderer Regisseur vermag es nämlich in seinen Filmen eine vergleichbare Atmosphäre aufzubauen, wie er. Mit seinen inzwischen 44 Jahren ist er immer noch jung geblieben, zeichnet sich doch sämtlicher seiner Filme durch eine unbeschwerte Liebenswürdigkeit aus.

 Inspiriert ist sein neuester Wurf "Grand Budapest Hotel" von den Schriften des bekannten österreichischen Schriftstellers Stefan Zweig, der sich im Exil 1942 das Leben nahm. Mit „Grand Budapest Hotel“ eröffnete Anderson dieses Jahr sogar die Berlinale und lies eine Vielzahl an Stars mitwirken. Überwiegend gedreht in Deutschland spielt der Film in dem an das Ukraine zu Zeiten des Nationalsozialismus erinnernde Zubrowka. Dort befindet sich das Grand Budapest Hotel (Anlehnung an das Hotel Gellert in Budapest) und wird vom perfektionistischen Concierge Gustave H. (Ralph Fiennes) mehr oder minder geführt. Eines Tages fängt der sympathische Zero dort seine Arbeit als Lobby Boy an und gewinnt schnell das Vertrauen Gustaves. Damit begnügt sich Regisseur Anderson jedoch nicht. Er bettet seinen Film in eine dreigeteilte Rahmenhandlung ein. Zum einen erzählt „Grand Budapest Hotel“ die Sicht der Dinge aus der Perspektive eines gealterten Schriftstellers (Tom Wilkinson und Jude Law), der von seinem Besuch im Hotel und dem Treffen mit dem damaligen Hotelbesitzer erzählt. Zum anderen widmet der Film sich eben jenem Gespräch, in dem die Geschehnisse rund um Zero und Gustave teilweise aus dem Off erläutert werden.

©20th Century Fox
Vielleicht liegt hier der Hund begraben. Denn eigentlich wirkt „Grand  Budapest Hotel“ wie jeder andere Film von Wes Anderson. Doch wo „Moonrise Kingdom“ noch über die volle Laufzeit überzeugen konnte, tut sich sein neuestes Werk im Mittelteil merklich schwer. Optisch ist der Film allerdings über jeden Zweifel erhaben. Andersons Bilder sind wieder einmal famos und wirken auf der großen Leinwand fantastisch. Er holt alles aus dem Medium Film heraus, spielt mit Farben, Bildeinstellungen (jede Zeitebene ist in unterschiedlichem Format gedreht) und lässt seine Kamera häufig rotieren. „Grand Budapest Hotel“ durchzieht stets eine gewisse Leichtigkeit, die kaum in Worte zu fassen ist. Sämtliche Charaktere sind ein Unikat und zeugen von dem unfassbaren Ideenreichtum, der in Wes Anderson schlummert. Einer jeden Figur traut der Zuschauer einen eigenen Film zu und es ist richtiggehend schade, dass einige bloß kurz auf der Leinwand leben dürfen. Leider aber bleiben die großen Lacher (nicht zu verwechseln mit Schenkelklopfern!) aus. Natürlich bleibt Anderson seinem Stil treu und feuert eine wahre Salve an Merkwürdigkeiten auf das Publikum hernieder. Doch wirklich haften bleiben tut nichts, die Story reißt selten mit und ab und zu sind es nur die schrägen Einfälle, die wirklich mitreißen können. Denn auch der Autor dieser Zeilen kommt um folgendes Wort nicht herum: Skurrilität. 

Eine Kritik zu einem Werk von Wes Anderson zu schreiben, ohne dieses Wort zu benutzen, grenzt an Blasphemie. Selbst wenn man sich noch so sehr dagegen sträubt, irgendwann ist die deutsche Sprache vollends ausgenutzt. Auch „Grand Budapest Hotel“ strotzt nur so vor Skurrilität. Paradebeispiel dafür ist die Skiverfolgungsjagd, die sogar das „James Bond“-Franchise dahingehend in den Schatten stellt. So etwas hat der Zuschauer tatsächlich noch nie gesehen und es ist, man ahnt es schon, wunderbar skurril. 

Trotzdem will der Funke nicht überspringen. Zumindest nicht völlig. Strahlte „Moonrise Kingdom“ noch einen stillen Zauber aus, so beschränkt sich „Grand Budapest Hotel“ ganz auf seine skurrilen (schon wieder!) Charaktere und lässt die Geschichte an sich etwas außer Acht. Was nützt eine unfassbare Starriege, wenn sie gerade für eine Szene durch das Bild huscht und wieder von der Bildfläche verschwindet? Was nutzen Unmengen an interessanten Charakteren, wenn diese nicht näher beleuchtet werden? Vielleicht wäre hier weniger mehr gewesen. So bleibt der Eindruck eines unterhaltsamen Films, der ein wenig überfrachtet über die Ziellinie schreitet und sich nicht mit seinen Vorgängern messen kann. Was schade ist, denn das Produktionsdesign und die Kostüme sind schlicht und ergreifend wundervoll. 

©20th Century Fox
BEWERTUNG: 06/10
Titel: Grand Budapest Hotel
FSK: ab 12 freigegeben
Laufzeit: 101 Minuten
Regisseur: Wes Anderson
Darsteller: Ralph Fiennes, Jude Law, Tom Wilkinson, F. Murray Abraham, Tony Revolori, Tilda Swinton, Saoirse Ronan, Owen Wilson, Jason Schwartzman, Jeff Goldblum, Adrien Brody, Lea Seydoux, Mathieu Amalric, Harvey Keitel, Bill Murray, Bob Balaban, Florian Lukas






1 Kommentar:

  1. Ähnlich hatte ich schon "Moonrise Kingdom" bewertet - auch hier wollte der Funke bei mir nicht wirklich überspringen.

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