Freitag, 21. Februar 2014

Korrupte Politiker, einfallsreiche Betrüger und ein Star-Ensemble mittendrin - "American Hustle"






©Tobis
Das ist er also, der Hit der Oscarnominierungen 2014. Mit 10 Nominierungen überflügelte „American Hustle“ sogar hochgehandelte Kandidaten, wie „12 Years A Slave“ oder „The Wolf of Wall Street“. Regisseur David O. Russell ist natürlich immer einer der wichtigen Namen, sobald die Award-Saison eingeleutet wird. Schon mit „The Fighter“ und natürlich „Silver Linings“ konnte er dort regelmäßig auftrumpfen. 

Mit „American Hustle“ stößt er vor allem mit seinem namhaften Cast in neue Gefilde, schließlich tummelt sich die Creme de la Creme Hollywoods in seinem Film und dementsprechend hoch sind auch die Erwartungen. 

Der Film nimmt die Geschichte rund um eine FBI-Operation namens „Abscam“ auf, in der FBI-Agenten mithilfe eines geschnappten Trickbetrügers mehrere amerikanische Politiker wegen Korruption hinter Gitter brachten. „American Hustle“ nimmt sich viel Zeit, um eben jene Figur des Betrügers Irving Rosenfeld (Christian Bale) ausführlich vorzustellen. Dieser führt ein angenehmes Leben. Auf dem Papier ein ordentlicher Geschäftsmann, der mithilfe seiner Geliebten und Geschäftspartnerin Sidney Prosser (Amy Adams) verzweifelten Menschen im Hinterzimmer das Geld aus der Tasche zieht. Das geht gut, bis ihnen der FBI-Agent Richie DiMaso (Bradley Cooper) auf die Schliche kommt und sie zwingt, mit ihm eine Operation auf die Beine zu stellen, die bald aus dem Ruder läuft. 


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Nun, seine Vorschusslorbeeren erhielt „American Hustle“ dabei leider zu Unrecht. Gerade die Anfangsphase weist keinerlei Drive auf und schafft es nicht die Zuschauer zu packen. Da können nicht einmal Christian Bale und Amy Adams in Höchstform etwas ändern. Witze laufen ins Leere, die Story kommt nicht voran und die Voice Over-Kommentare suchen ihre Nähe zu Scorsesees Meisterwerken, ohne jemals deren Qualität zu erreichen. 

Sobald allerdings die eigentliche Geschichte rund um die Operation beginnt, kommt Leben in „American Hustle“. Es ist sogar ein genauer Zeitpunkt, der dem Film ordentlich in den Hintern tritt und ihn von einem humpelnden älteren Mann zumindest zu einem ordentlichen Sprinter transformiert. Sobald nämlich die junge Jennifer Lawrence („Die Tribute von Panem“) die Bühne betritt, steigt zum einen der Unterhaltungsfaktor, als auch der Spannungsgrad. Ihre Rolle der unglücklich verheirateten Rosalyn Rosefeld ist ein wahrer Glücksfall, die ihr sogar die Gelegenheit gibt, während des ikonischen Paul McCartney-Songs „Live and let die“ zu tanzen und gleichzeitig ihr Haus zu putzen. Was, nebenbei gemerkt, eine witzige Reminiszenz zu „Silver Linings“ darstellt, in dem sie unter O. Russells Führung eine angehende Tänzerin darstellte. Doch auch sonst ist ihre Performance kraftvoll und ungestüm, was zeigt, dass sie schon jetzt zu den Großen zählt.
Dennoch muss sich auch der Rest der Truppe hinter ihr nicht verstecken. Sei es Christian Bale (wunderbar zurückgenommen), Amy Adams oder Bradley Cooper. Sie alle haben Spaß am Spiel und zeigen sich von ihrer besten Seite. So ist „American Hustle“ mehr reines Schauspielkino, das weniger Wert auf einen raffinierten Plot legt. Zwar ist der reale Hintergrund hinreichend interessant, doch ohne seinen Cast könnte kaum dieselbe Faszination entstehen. Was allerdings auch an Amy Adams unfassbaren Outfits liegen könnte, die männlichen Zuschauern die Konzentration auf Dialoge oder die Story erschwert. 

Generell ist „American Hustle“ wunderschön ausgestattet. Die 70er, die sowieso ein Jahrzehnt der Verkleidung waren, werden formidabel zum Leben erweckt. Kostüme, Frisuren, Setdesign, Soundtrack – durch die Bank weg fantastisch. 

 Deswegen ist es bedauerlich, dass hierbei nicht mehr entstanden ist. Natürlich ist „American Hustle“ netter Zeitvertreib, der Schauspielern genügend Raum gibt, sich zu beweisen. Allerdings fehlt es dem Film an Stringenz, denn hin und wieder flüchtet er sich in Belanglosigkeiten, was sich anhand abschweifender Gedanken bemerkbar macht. Seine 10 Nominierungen hat der Film leider nicht verdient. Trotz der fast schon grotesken Star-Ansammlung. 


©Tobis
BEWERTUNG: 07/10
Titel: American Hustle
Laufzeit: 138 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Regisseur: David O. Russell
Darsteller: Christian Bale, Jennifer Lawrence, Amy Adams, Bradley Cooper, Jeremy Renner, Robert De Niro, Jack Huston, Michael Pena, Louis C.K., Shea Whigham, 





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