Montag, 10. Februar 2014

Junges, freches Kino, wie es die deutsche Filmlandschaft dringend benötigt! - "Love Steaks"!





AB 27. MÄRZ IM KINO ©Daredo Media

Das junge deutsche Publikum hat die letzten Jahrzehnte die Eigenart entwickelt, Produktionen „made in Germany“ eher zwiegespalten gegenüberzustehen. Filme aus eigenen Landen werden verschmäht und gar nicht erst wahrgenommen, da der Griff zu ausländischer und damit (augenscheinlich) qualitativ hochwertigerer Ware einfacher ist. Nicht zu bestreiten ist, dass den deutschen Produzenten oftmals der Mumm fehlt, etwas zu wagen. Die einzigen Filmemacher, die im deutschsprachigen Bereich Gewinn machen, sind Til Schweiger oder Matthias Schweighöfer. Beide fahren in jedem neuen Film ihr altbewährtes Muster auf und das Publikum rennt den Kinobetreibern die Bude ein. Doch wo sind die spannenden, mutigen Beiträge, die so schmerzlich vermisst werden? „Love Steaks“ von Jakob Lass ist ein solcher. Der Beweis, dass Liebeskomödie und das Prädikat „deutscher Film“ nicht einhergehen muss mit einem 08/15-Drehbuch des Teams Schweiger/Schweighöfer. 

Wunderbar frech, unprätentiös und ehrlich kommt dieser Film daher und wagt in seinen knapp 90 Minuten so vieles, dass dem Zuschauer ab und zu das Lachen im Halse stecken bleibt. 

Das Publikum verfolgt den schüchternen Clemens Polotzek, der als Masseur in einem Hotel arbeitet. Dort trifft er die quirlige Köchin Lara, die ihn fortan nicht mehr loslässt. Sie pendelt stets zwischen Wahnsinn und Liebeswürdigkeit und verdreht Clemens völlig den Kopf. Eine ungewöhnliche, zarte und gleichwohl harte Liebesbeziehung entwickelt sich, die Beide verändern wird. 

©Daredo Media

„Love Steaks“ begeistert und überrascht in erster Linie durch seine äußerst direkte Art, die dem Zuschauer von Beginn an entgegenschlägt. Man fühlt zwangsläufig mit, wenn Clemens von Lara in die unmöglichsten Situationen gebracht wird und er alles tut, um sie für sich einzunehmen. Gleichzeitig zeichnet Regisseur Jakob Lass mit der Figur Laras ein äußerst vielschichtiges und ambivalentes Bild einer jungen Frau, die eigentlich ein geregeltes Leben führt und doch zwischen den Seilen hängt. Niemals vergreift sich Lass im Ton. Zwar wird die 90 Minuten fast durchgehend gelacht, doch auch die ernsten Töne werden vom Skript perfekt eingefangen und lassen aus einer gewöhnlichen Romanze mehr entstehen, als es 90 Prozent aller anderen Liebesfilme leisten. 

Lass scheut sich auch nicht davor, den Soundtrack genauso bunt zu mischen, wie die Stimmungen des Films. Er spielt locker-flockig mit Dubstep, Metal oder klassischer Musik, was wunderbar zum restlichen Film passt und stets perfekt gewählt ist. Die Darsteller selbst sind ein weiterer Pluspunkt, denn durch die herausragende Leistung Lana Coopers (Lara) und Franz Rogowski (Clemens) wirkt „Love Steaks“ die gesamte Zeit authentisch und berührt. Auch wenn die Aktionen der Figuren hin und wieder übertrieben erscheinen, so fügen sie sich doch ohne Probleme in die sowieso schon wilde und ungestüme Art des Films ein. 

Es macht Freude zu sehen, dass solche Filme in Deutschland noch entstehen dürfen und auch mit entsprechenden Preisen (Max Ophüls Preis: Bester Langfilm) gewürdigt werden. Den Glauben an durchgehend gutes, junges deutsches Kino kann „Love Steaks“ beim Publikum vielleicht nicht erwecken, doch ein Anfang ist er allemal. Und was für einer!

©Daredo Media
BEWERTUNG: 8,5/10
Titel: Love Steaks
Laufzeit: 89 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Regisseur: Jakob Lass
Darsteller: Lana Cooper, Franz Rogowski, Kerstin Abendroth, Daniela Adenauer, Eric Popp, Björn Küssner





                        Offizieller Trailer:






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