Freitag, 14. Februar 2014

Heimatfilm im Westerngewand - geht das? Und ob! // Genrekino vom Feinsten in "Das finstere Tal"!




©Warner Bros.


Hätte jemand letztes Jahr gesagt, deutschsprachiges Kino könnte ohne Probleme einen Western auf die Beine stellen, wäre er ohne Frage ausgelacht worden. Das deutsche bzw. deutschsprachige Kino übt sich doch seit jeher daran amerikanische Vorbilder zu imitieren, ohne etwas Eigenes zu versuchen. Mit der Ankündigung von „Das finstere Tal“, die gleichnamige Verfilmung des Buches von Thomas Willmann, steigerte sich die Skepsis nur noch? Deutsch und Western? Kann nichts werden. 

Aufhorchen durfte man jedoch, als Weltstar Sam Riley die Hauptrolle annahm. Warum sollte sich Riley für Mist hergeben? Nun, die Antwort ist nicht sonderlich schwer. 

„Das finstere Tal“ ist einfach wirklich, wirklich gut. Der Film atmet die Atmosphäre alter Westernklassiker, jedoch ohne sie bloß zu kopieren. Inmitten der Tiroler Berge entfaltet sich eine blutige Vendetta, die mit Einzug des Fremden Greider Einzug hält. Das Bergvolk wird aufgerüttelt, alte Geheimnisse bloß gelegt und zum Ende dürfen Viele das Zeitige segnen. 

Regisseur Andreas Prochaska packt seine Antwort auf amerikanische Spaghettiwestern der Marke Leone oder Corbucci in dreckige, kalte Bilder, die mehr aussagen, als Dialoge es je könnten. Die harten Bedingungen im Winter sind den Männern und Frauen auf ihren wettergegerbten Gesichtern abzulesen. Hier herrscht keine Gnade, nur die Stärksten überleben an diesem Ort. Die eingeschworene Gemeinschaft beginnt sich aufzulösen, Spannungen treten hervor und explodieren und nichts ist mehr, wie es vorher war. „Das finstere Tal“ ist gleichfalls mutig, wie wunderschön. Die Inszenierung lässt wenig Raum für Frevel. Sei es in den gnadenlosen Shootouts, das Arbeiten im tiefsten Winter oder die Dynamik innerhalb der Dorfgemeinschaft. Hier wurde viel Arbeit investiert, was sich auf der großen Leinwand bemerkbar macht. 

Die deutsch-österreichische Produktion wagt mehr, als ein gutes Dutzend deutschsprachiger Produktionen der letzten Zeit und ist mit „Der Medicus“ ein Hoffnungsschimmer, wenn es um filmische Erzeugnisse von internationalem Format geht. Erfreulich zudem, wie wenig Kompromisse eingegangen werden. Regisseur Prochaska scheut nicht vor einer gewissen Härte, die optimal zum sowieso schon schroffen Ton des Films passt. Hier wird gestorben und das nicht gerade zimperlich. 

©Warner Bros.
Überraschend ist außerdem die Performance von Sam Riley. Als schweigsamer Antiheld macht er eine hervorragende Figur. Vor allem durch seine raue Stimme fügt sich seine Figur des Greiders perfekt in den Film ein. Was für deutsche Kinobesucher vielleicht problematisch werden könnte, ist der Tiroler Dialekt. Es benötigt schon eine gewisse Zeit, bis sich der Zuschauer an die Sprache gewöhnt hat. Ist das allerdings geschehen, sorgt das nur für umso mehr Lokalkolorit neben den wunderschönen Bergpanoramen und gibt „Das finstere Tal“ eine frische Eigennote. Außerdem sorgt Prochaska mit zwei unerwartet platzierten Pop-Rock-Songs für fast schon surreale Momente, was ganz in der Tradition eines Corbuccis steht. Denn schon dieser verwendete oftmals ähnliche Songs um die Stimmung des Films zu unterstreichen. Dass der eigentlich Score dafür eher nach Hans Zimmer klingt – Schwamm drüber. 

Man kann nur hoffen, dass „Das finstere Tal“ seinen verdienten Erfolg haben wird. Der Film ist spannend, bietet großartige Bilder und scheut nicht davor, auch mal im Dreck zu wühlen. Den Namen Andreas Prochaska sollte man sich merken. Von ihm wird sicherlich noch Großes kommen. Hervorragendes deutschsprachiges Genre-Kino: Hier ist es! 


©Warner Bros.
BEWERTUNG: 7,5/10
Titel: Das finstere Tal
FSK: ab 12 freigegeben
Laufzeit: 115 Minuten
Regisseur: Andreas Prochaska
Darsteller: Sam Riley, Paula Beer, Tobias Moretti




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