Mittwoch, 19. Februar 2014

Die berühmteste japanische Samurai-Geschichte im Hollywood-Format - "47 Ronin"!




©Universal Pictures


Die Geschichte der 47 Ronin ist in Japan Kulturgut. Jeder dort kennt sie und das Grab dieser Krieger dient heutzutage immer noch als Pilgerstätte. Das Bestreben dieser herrenlosen Krieger, ihren toten Fürsten zu rächen, ist ein Musterbeispiel für japanisches Pflichtgefühl und den Weg des Bushido (nein, nicht den Rapper!). Kein Wunder also, dass Hollywood darauf aufmerksam geworden ist und mit „47 Ronin“ seine eigene Version erzählen will. 

Mit dem Regisseur Carl Rinsch verpflichtete Universal Studio einen Newcomer, der bisher nur durch Kurzfilme auffallen konnte. Mit dem Engagement von Schauspielstar Keanu Reeves wähnte sich das Studio auf der sicheren Seite und pulverte 175 Millionen Dollar in die Produktion. Nun läuft der Film bereits mehrere Wochen in den Kinos und eines steht fest: Seine Kosten wird „47 Ronin“ nicht mehr einspielen können. 

Doch woran liegt das? 

Vielleicht ist der Trailer schuld an diesem finanziellen Fiasko. Schließlich erweckte er den Eindruck eines Actionfeuerwerks, in dem es im Sekundentakt knallt und der Zuschauer sich vor lauter Explosionen die Ohren zu halten muss. Doch nach einer halbwegs beeindruckenden Actionszene zu Beginn lässt es „47 Ronin“ überraschend ruhig angehen. Ausführlich widmet sich der Film nun den Figuren und drängt seinen Star Keanu Reeves ironischerweise in den Hintergrund. Viel wichtiger (und auch interessanter) gestaltet sich der Charakter des Oishi, der als oberster Berater des Fürsten Asano fungiert. Er ist die moralische Instanz des Films und dient dem Zuschauer als Identifikationsfigur. Darsteller Hiroyuki Sanada („Sunshine“) glänzt in dieser Rolle und führt Reeves eindrucksvoll vor, wie im Zuschauer Sympathie und Mitleid gleichermaßen geweckt werden. Reeves selbst bleibt blass, hat aber zugegebenermaßen wenig Möglichkeit etwas aus seiner Figur des Halbbluts Kai herauszuholen. 


©Universal Pictures

Was weiterhin überrascht sind die eher dezent gehaltenen Fantasy-Einschübe. Was im Trailer noch omnipräsent wirkt, ist in Wirklichkeit bloßes Stückwerk, das die Laufzeit des Films strecken und ihn um ein paar Schauwerte erweitern soll. „47 Ronin“ wäre besser dran ohne seine Fantasy-Elemente, die sowieso nur halbgar genutzt werden und am Ende den eigentlich düsteren Grundton noch torpedieren. Die Figur der Hexe Mizuki (Rinko Kikuchi aus „Pacific Rim“) hätte grundsätzlich Potenzial, wenn sie nicht für bloßes Eye Candy geopfert werden würde. Schade, hier verpassen es die Macher, eine eigenständige Frauenfigur einzubauen, die für die Helden tatsächlich gefährlich werden kann. 

Doch „47 Ronin“ hat auch seine Stärken. Von den Fantasy-Elementen und der Figur des Kai einmal abgesehen, hält sich die Story des Hollywoodblockbuster erstaunlich genau an die historischen Geschehnisse. Nur wenige, kleine Abweichungen gibt es, wodurch der Zuschauer einen kleinen Einblick in diese für Japan so wichtige Geschichte erhält. Die japanische Kultur, insbesondere die Faszination gegenüber den Samurai, fängt der Film wunderbar ein. Natürlich bietet „47 Ronin“ hier und da puren Nippon-Kitsch, doch im Großen und Ganzen enttäuscht er Fans dieses Genres nicht wirklich. Vor allem die Kostüme und Sets sind mit Bedacht und viel Liebe zum Detail entstanden. Die Rüstungen und Kimonos der Darsteller scheinen direkt dem feudalen Japan entsprungen zu sein. Auch die Verbindung zwischen echten Sets und CGI funktioniert hervorragend. Da ist es umso trauriger, dass die Dialoge nicht mit derselben Sorgfalt bearbeitet wurden. Insbesondere die Liebesbeziehung zwischen Kai und einer Prinzessin bremst den Film unnötig aus. 

Insgesamt ist „47 Ronin“ bei weitem nicht so misslungen, wie es viele Kritiker vorab sagten. Er ist sogar in seinen besten Momenten überaus unterhaltsam und begegnet den Bräuchen der Samurai mit dem nötigen Ernst und Respekt. Schade nur, dass – auf ein großflächiges Publikum abzielend – Zugeständnisse in puncto Fantasy-Spektakel und Härtegrad gemacht wurden. Hier hätte Großes entstehen können. Was bleibt ist gesundes Mittelmaß, dass keinem weh tut, aber auch besser hätte sein können. 


©Universal Pictures
BEWERTUNG: 06/10
Titel: 47 Ronin
Laufzeit: 119 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Regisseur: Carl Rinsch
Darsteller: Keanu Reeves, Hiroyuki Sanada, Ko Shibasaki, Tadanobu Asano, Rinko Kikuchi, Jin Akanishi, Rick Genest






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