Dienstag, 7. Januar 2014

Wenn der US-Präsident zur Bazooka greift.... - White House Down!


©Sony Pictures GmbH


2013 ist das Jahr, in dem sich die USA gleich zweimal einer direkten Bedrohung im weißen Haus ausgesetzt sah.

Einmal in Antoine Fuquas „Olympus has fallen“, der nordkoreanische Terrorristen zur Tat schreiten lies und im mehr als doppelt so teuren „White House Down“.

Während Ersterer sich auf patriotische Plattitüden beruft und demnach schon fast einer Karikatur seiner Selbst gleicht, ist Regisseur Roland Emmerich mehr auf spaßige Action aus. Geholfen hat ihm das an den amerikanischen Kinokassen leider nicht, denn sein Film floppte. Woran das gelegen hat?
Zum einen geht hier die Gefahr von Amerika selbst aus. Keine fremde Nation wird für den Verlust der politischen Infrastruktur verantwortlich gemacht. Verräter in den eigenen Reihen, ach so patriotische Amerikaner, überfallen das weiße Haus und versetzen die USA in einen Schockzustand. Da hat es „Olympus has fallen“ um Längen leichter, schließlich kann das zutiefst patriotische Volk jedwede Schuld von sich weißen. Sind ja immerhin die bösen, bösen Nordkoreaner aus ihrem abgeschotteten Land.

Autor James Vanderbilt, dessen Skript für Sage und Schreibe 3 Millionen Dollar eingekauft wurde, verpackt in diesen Mix aus „Stirb Langsam“ und „Independence Day“ einen kleinen Schuss Kritik an amerikanischer Politik. Er lässt Präsident James Sawyer, natürlich Afroamerikaner, in überlanger Exposition über den Truppenabzug aus Afghanistan reden. Im gleichen Zug verdeutlicht er die Unzufriedenheit der amerikanischen Rüstungsindustrie seitens der drohenden Auftragseinbrüche. An diesem Punkt ist „White House Down“ etwas mehr als purer Actionkracher.
©Sony Pictures GmbH

Allerdings sorgt die halbstündige Anfangsphase auch dafür, dass „White House Down“ niemals auf der sicheren Seite steht. Mal gibt er sich spürbar ernst und bestrebt, nur um einen Moment später wieder in komödiantische Muster zu verfallen. Ein durchgezogener Ton hätte dem überlangen Film merklich gut getan.

Die Action selbst ist allerdings meist übersichtlich gestaltet, auch wenn durch das hohe Budget (150 Millionen Dollar) fast komplett auf eine härtere Gangart verzichtet wurde. Trotzdem übertreibt es Emmerich immer wieder hinsichtlich großangelegter und CGI-basierter Explosionsstafetten. Immer wieder krachen schlecht animierte Hubschrauber ins Bild oder explodieren offensichtlich dem Rechner entstammte Flugzeuge. Das ist schade, denn sobald sich das Geschehen wieder dem engen Raum im weißen Haus zuwendet, erhöht sich automatisch der Spaßgehalt. Mehr „Stirb Langsam“ und weniger „Independence Day“ wäre angebracht gewesen.

Mit Channing Tatum und Jamie Foxx hat Emmerich allerdings ein glückliches Händchen bewiesen. Zusammen ergeben sie ein gutes Team und die lockeren Sprüche tun „White House Down“ merklich gut. Tatum überzeugt als einsamer Streiter für Recht und Ordnung, während Foxx den Jay-Z unter den Präsidenten mimt. Hat was. Warum allerdings wieder ein nerviges Kind in die Story integriert werden musste, weiß wohl auch niemand. Das Skript präsentiert sich nämlich vorhersehbar von A bis Z. Was Charakterdarstellerin Maggie Gyllenhal hier verloren hat, ist auch eine gute Frage. Irgendwie müssen die Rechnungen wohl auch bezahlt werden.

Bei all der Häme ist „White House Down“ allerdings ein ordentlicher Actionkracher geworden. Zwar sind die Effekte für 150 Millionen Dollar auf einem niedrigen Niveau, sobald sich der Film aber auf seine Stärken besinnt, macht er Spaß. Da verzeiht der Zuschauer auch eine gewisse Unbestimmtheit in der Ausrichtung und dem einen oder anderen Aussetzer in Richtung Pathos. Vor allem im letzten Drittel versucht Emmerich alles, um sein Publikum wieder Pro Amerika einzustellen. Das lässt sich bei dieser Art von Film wohl wirklich nicht vermeiden.

©Sony Pictures GmbH
BEWERTUNG: 06/10
Titel: White House Down
FSK: ab 12 freigegeben
Laufzeit: 132 Minuten
Regisseur: Roland Emmerich
Autor: James Vanderbilt
Darsteller: Channing Tatum, Jamie Foxx, Maggie Gyllenhaal, James Woods, Joey King, Richard Jenkins, Lance Reddick, Jason Clarke







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