Montag, 6. Januar 2014

Geld, Macht, Drogen, Nutten - der völlige Exzess in "The Wolf Of Wall Street"




©Universal Pictures


Martin Scorsese liebt es großkalibrige Portraits mieser Typen auf die Leinwand zu zaubern. Mit Filmen, wie „Goodfellas“ und „Casino“ hat er sich auf ewig einen Schrein in Hollywood gebaut, dem ihm niemand jemals wieder streitig machen kann. Doch wo andere Regiegrößen mit fortschreitendem Alter an Biss verlieren, ist Scorsese immer noch oben auf. Film auf Film liefert uns der Meister wunderbare Werke, die vielseitiger nicht sein könnten. Sein neuestes Werk, „The Wolf Of Wall Street“, ist dabei so etwas wie die Rückkehr zu seinen Wurzeln, eine Art Rückbesinnung. So verwundert es nicht, dass der Film stilistisch an jene großen Werke erinnert. Denn die modernen Gangster sind nicht jene, die mit Schlägertruppen durch die Straßen einer amerikanischen Großstadt laufen, sondern jene, die am Telefon ihr Geld verdienen. Seit der Finanzkrise vor ein paar Jahren hat sich das Bild sogenannter Brooker in der Öffentlichkeit gewaltig verändert. Geldhaie, die sich auf Kosten anderer bereichern und ihrem hedonistischen Lebensstil frönen. 

Hauptcharakter Jordan Belfort ist einer dieser Leute. Aus ärmlichen Verhältnissen baut er aus dem Nichts ein Millionenimperium auf, das alsbald das FBI und die Börsenaufsicht auf den Plan ruft. Belfort vergnügt sich derweil mit allem, was für Geld käuflich ist. Autos, Yachten, Designerklamotten, Nutten, Drogen und mit seiner Frau. Sein Leben gleicht einer Achterbahn von einer Orgie zur Nächsten. Nichts ist ihm heilig und das Wörtchen Respekt scheint er nicht zu kennen. Natürlich sind seine Machenschaften nicht legal und langsam aber sicher entgleitet ihm das Feiern im täglichen Exzess. 

Das Unfassbare an „The Wolf Of Wall Street“ ist: Er beruht auf Tatsachen. Die Person des Jordan Belfort hat es wirklich gegeben und sein Lebensstil ist keine bloße Erfindung. Orgien im Büro, im Flugzeug und auf Partys und nebenbei noch Betrug in Millionenhöhe auf Kosten von jedermann. Außer sich selbst. Für den Zuschauer eher unglaublich mitanzusehen, doch für Belfort und seine Kollegen damals Alltag. 

©Universal Pictures

Scorsese vertraut dabei klassischen Erzählmotiven des Aufstiegs und Falls. Der Film verfolgt Belforts Werdegang, seine Höhen und Tiefen. Soweit bleibt Scorsese eher konventionell und berechenbar. Was allerdings in der Art nicht zu erwarten war, sind die horrenden Exzesse, denen „The Wolf Of Wall Street“ gute zwei Stunden widmet und dabei blendend unterhält. Partyfilme a la „Project X“ können sich beschämt in die Ecke stellen, denn „The Wolf Of Wall Street“ schlägt sie alle in Sachen Wahnsinn und Spaß. Einige Szenen dürften das Zeug zum Instant Classic haben, denn sie sind so absurd, dass der Zuschauer vor Lachen beinahe vom Stuhl fällt. Generell ist „The Wolf Of Wall Street“ mit einem beißenden Sinn für Humor gesegnet. Tiefschwarz, bitterböse und politisch herrlich unkorrekt. Kein Wunder, dass sämtliche Darsteller auf eine Art agieren, wie man sie noch nie gesehen hat. 

Alle überstrahlend, tritt natürlich Leonardo DiCaprio ins Licht. Der spielt seine Hauptrolle derart inbrünstig, dass sich der Zuschauer fragt, ob er während der Dreharbeiten nicht auch Zugang zu bewusstseinserweiternden Mittelchen hatte. Seine Performance ist ungemein kraftvoll und herrlich komisch. Auch Jonah Hill ist nun endgültig oben angekommen. Zusammen mit DiCaprio teilt er sich viele denkwürdige Augenblicke, die man in der Art noch nie auf der Leinwand gesehen hat. Sogar die klassische Schönheit Margot Robbie kann unter Martin Scorsese tatsächlich Akzente setzen. Nebendarsteller Matthew McConaughey drückt dem Film in seiner kurzen Screentime nicht nur durch rhytmisches Summen seinen Stempel auf. Oftmals begleitet DiCaprio per Voice Over das Geschehen, was einige Szenen noch um ein Vielfaches witziger werden lässt. 

Wendet sich „The Wolf Of Wall Street“ nach zwei Stunden Dauerparty allerdings den eher ernsten Tönen zu, hapert es ein wenig. Zwar ist der Film weit davon entfernt in Langeweile zu versinken, allerdings geht ihm emotionale Tiefe doch etwas ab. Dank der hervorragenden Darsteller bleibt der Zuschauer natürlich am Ball, so richtig Wirkung zeigt Belforts Fall allerdings kaum. Das macht aus „The Wolf Of Wall Street“ keinen schlechten Film, nein, aber den Status eines Meisterwerks bleibt ihm auch verwehrt. Die ersten zweieinhalb Stunden höchst vergnügliches Kino, dem auf dem letzten Meter etwas die Puste ausgeht. Trotzdem eine klare Empfehlung!


©Universal Pictures
BEWERTUNG: 7,5/10
Titel: The Wolf Of Wall Street
FSK: ab 16 freigegeben
Laufzeit:  179 Minuten
Regisseur: Martin Scorsese
Autor: Terence Winter
Darsteller: Leonardo DiCaprio, Jonah Hill, Matthew McConaughey, Rob Reiner, Margot Robbie, Jon Favreau, Jon Bernthal, Kyle Chandler, Jean Dujardin






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