Freitag, 10. Januar 2014

Ein Mann und die unendliche Weite des Meeres - Überlebenskampf in "All is Lost"!




©Universum Film

Ein Mann, eingesperrt in seinem Segelboot. Die Wellen tosen über die Reling, verwandeln das Schiff in einen Spielball, der hin und her geschleudert wird. Bang blickt der Seemann zur Decke, hofft, dass sie hält. Da hört er von weitem schon das Brüllen der nächsten Welle, die sein Boot bald treffen wird. Er schließt die Augen. Hat er aufgegeben? Betet er? 

Der Zuschauer weiß es nicht. Unser Mann, wie er in den Credits genannt wird, spricht wenig. Viel mehr lässt er Taten für sich selbst sprechen. Regisseur J. C. Chandor zeichnet mit wenigen effektiven Pinselzügen den Charakter eines Mannes, der stur ums Überleben kämpft. Ohne Worte, ohne Tränen – stattdessen voller Pragmatismus und dem Willen Durchzuhalten. 

Natürlich braucht Chandor in dieser One Man Show einen verlässlichen Darsteller. Den hat er im inzwischen 77-jährigen Robert Redford auch ohne Zweifel gefunden. Er mimt den stoischen Überlebenskünstler mit Würde und einer Intensität, der es keine überflüssigen Dialoge mehr bedarf. Es reicht völlig, Redford immer wieder in den Abgrund blicken zu lassen, damit das Publikum mitfiebert. 

Dabei sei nicht vergessen, dass „All is Lost“ in seinen 106 Minuten doch ein wenig lang erscheint. In die tägliche Routine eines Schiffbrüchigen schleicht sich hier und da eine gewisse Monotonie ein. Was aber wiederum den Realismus der Situation unterstützt, schließlich befindet sich ein Schiffbrüchiger mehrere Tage auf hoher See und das ohne Ansprechpartner oder einem Tiger, der zufällig im Boot gelandet ist. 

©Universum Film

Umso erstaunlicher, wie effektiv „All is Lost“ mit den Erwartungen des Zuschauers spielt und ihm den Charakter des Robert Redford langsam aber sicher immer näher bringt. Da nichts über ihn bekannt ist und sich das Geschehen zu jeder Zeit auf seinem Boot stattfindet, hat das Publikum keinerlei Anhaltspunkte wer er ist, oder was er überhaupt im indischen Ozean zu suchen hat. Der alte Mann und das Meer. Regisseur Chandor nimmt den Titel der berühmten Geschichte Ernest Hemingways nur zu deutlich. Dank hervorragendem Sounddesign gelingt es ihm, die Angst und Einsamkeit Redfords  noch weiter zu verdeutlichen. Das Knarzen der Reling, das Aufbäumen der Wellen. Auf akustischer Ebene ist „All is Lost“ ein wahres Meisterstück, da der Film oftmals allein aus Geräuschen seine Spannung bezieht. Dazu gesellen sich noch wohlgefilmte Bilder, die im Kopf haften bleiben. Fast schon poetische Bilder zaubert die Kamera auf die Leinwand, die im krassen Gegensatz zum eigentlich ernsten Thema stehen und den Gegensatz Natur in schön/gefährlich nur umso deutlicher werden lassen. 

Ob „All is Lost“ tatsächlich als „Metapher aufs Leben an sich“ gedacht ist, sei dahin gestellt. Sicher können einige Handlungen demzufolge interpretiert werden. Ein Aufbäumen gegen das Vergessen werden, der Drang weiter zu machen und nicht aufzugeben. Eines allerdings ist sicher: „All is Lost“ packt auf angenehm unaufgeregte Art und Weise und lässt nicht mehr los. Redford gibt buchstäblich alles, lässt den Schmerz und das Leid auf seinem Gesicht und anhand seiner Körpersprache deutlich werden. Die Hoffnung versiegt, alles ist verloren. Er ist körperlich und mental gebrochen. Gibt er auf? Kann er sich retten? Nun, das sollte jeder selbst gesehen haben. 

©Universum Film
BEWERTUNG: 07/10
Titel: All is Lost
Laufzeit: 106 Minuten
FSK: ab 6 Jahren
Regisseur: J. C. Chandor
Autor: J. C. Chandor
Darsteller: Robert Redford







Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen