Freitag, 31. Januar 2014

Ein Mann gegen das System - "Mandela - Der lange Weg zur Freiheit"






©Senator
Nelson Mandela ist mit Sicherheit einer der größten Persönlichkeiten der letzten hundert Jahre. Sein Leben inspirierte Millionen und ermöglichte das Ende der Apartheid in Südafrika. Ende 2013 ging er mit inzwischen 95 Jahren von uns. Doch sein Tod wurde fast vom tödlichen Unfall des Schauspielers Paul Walker überschattet, der, so schien es zumindest, ein größeres Medienecho hervorrief. Nun hat Regisseur Justin Chadwick Mandela nichtsdestotrotz ein letztes Denkmal in Form einer (für filmische Verhältnisse) vollständigen Biographie geschaffen. 

Statt sich, wie beispielsweise Clint Eastwood in „Invictus“, nur auf einen einzelnen Lebensabschnitt zu beschränken, versucht Chadwick das große Ganze zusammenzufassen. Natürlich fallen dafür einige Informationen unter den Tisch, oder werden auf ein Mindestmaß gestutzt. So unterschlägt „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ einige weitere Familientragödien(der vorzeitige Tod mehrerer Kinder, sein abenteuerliches Studium) und widmet sich ganz den elementaren Ereignissen. Das soll aber kein Vorwurf sein, immerhin ist Mandelas Leben nicht alltäglich oder gar langweilig gewesen. 

So begleitet Chadwick Mandela vom jungen Stammesmitglied, über seine Anwaltskarriere bis hin zu seinem 27-jährigen Gefängnisaufenthalt. Besonders neue Einblicke gewährt der Film allerdings nur selten, obwohl die meisten unter uns mit Mandela wohl nur das Gesicht eines gebrechlichen und doch willensstarken, grauhaarigen Menschen in Verbindung bringen. Wer sich allerdings mit den Geschehnissen rund um Apartheid und Rassentrennung in Afrika etwas auskennt, wird hier keine neuen Erkenntnisse finden. Erst im weiteren Verlauf gelingt es Regisseur Chadwick neue Einblicke zu gewinnen. Sobald sich das Skript Winnie Mandela annimmt (zweite Ehefrau von Nelson Mandela) und sich der Fokus ein wenig verschiebt, erlebt der Zuschauer auch die Kehrseite des Kampfes gegen die weiße Obrigkeit. Äußerst eindrucksvoll entwickeln sich Szenen, in denen aus Hass nur noch mehr Hass entsteht und Afroamerikaner schlussendlich sogar gegen „ihre“ Landsleute zu Felde ziehen. Das Schicksal Winnies ist dabei enorm wichtig und zeigt, was ohne Nelson Mandela aus Afrika geworden wäre. Ein Land im Bürgerkrieg, ohne Hoffnung, jemals zueinanderzufinden. Regisseur Chadwick hat erkannt, dass die Ehefrauen der Mitglieder der ANC (African National Congress) die eigentliche Last zu tragen hatten, während ihre Ehemänner (wie Nelson Mandela eben) im Gefängnis von alltäglichen Demütigungen und Erniedrigungen verschont blieben. Indem Chadwick und Drehbuchautor William Nicholson diese beiden Wege gegenüberstellen, entsteht ein faszinierendes Bild Südafrikas, das am Scheideweg steht. Auf der einen Seite Winnie und ihre auf Rache sinnenden Gefolgsleute und auf der anderen Seite Nelson Mandela, der bereit war, seinen Peinigern alles zu vergeben. Wer gewonnen hat, wissen wir jetzt. Doch auf der großen Leinwand zu sehen, wie unsicher und brüchig das Verhältnis zwischen Schwarz und Weiß doch war, setzt Mandelas Errungenschaften noch einmal in ein völlig neues Licht. 

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Da passt es auch, dass niemand Geringeres als Idris Elba diese Hauptrolle spielen darf. Er verkörpert den ehemaligen Boxer im Schwergewicht Mandela mit enormer physischer Präsenz. Wenn er zu den Massen spricht, reißt er sie und den Zuschauer gleich mit. Diese Rolle dürfte für ihn, auch ohne Oscarnominierung, den Durchbruch bedeuten. Wenn es einer verdient, dann er. Schließlich eroberte er mit Serien, wie „The Wire“ und „Luther“ schon den Serienmarkt. Auch seine Filmpartnerin Naomie Harris überzeugt ebenso als ruchlose und harte Winnie Mandela. Für weitere Authentizität sorgt das Drehen an Originalschauplätzen, mit Menschen, die damals wirklich vor Ort waren. Trotz Sicherheitsbedenken ist „Mandela – Ein langer Weg zur Freiheit“ fast komplett in Afrika entstanden, vollkommen unabhängig von Hollywoods Studioriesen. Weniger authentisch wirkt die Maske Elbas um Mandelas Aussehen so nahe wie möglich zu kommen. Hin und wieder ähnelt der Schauspieler eher einer Puppe aus dem Wachsfigurenkabinett Madame Toussauds, anstelle eines echten Menschen.
Im Großen und Ganzen ist „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ trotzdem ein gelungenes Biopic, das dem Zuschauer einen Einblick in das Leben Nelson Mandelas liefert. Allerdings ist der Film selten originell und erzählt auf konventionelle Art und Weise von Mandelas Weg zur Freiheit. Wer sich aber für seine Person interessiert, sollte sich das Werk von Regisseur Justin Chadwick zu Gemüte führen. Sehenswert ist er allemal. 


©Senator
BEWERTUNG: 07/10
Titel: Mandela - Der lange Weg zur Freiheit
FSK: ab 12 freigegeben
Laufzeit: 152 Minuten
Regisseur: Justin Chadwick
Darsteller: Idris Elba, Naomie Harris, Robert Hobbs, Terry Pheto, Grant Swanby, Garth Breytenbach,






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