Dienstag, 14. Januar 2014

Das Leben, wie es vorüber zieht - Nebraska!





AB 16. JANUAR IM KINO! ©Paramount Pictures

Während gerade Robert De Niro und Sylvester Stallone in „Zwei vom alten Schlag“ im Kino ihre ganz eigene Version des Älterwerdens zelebrieren, schickt sich der Regisseur Alexander Payne („The Desccendants“) an, leisere Töne anzuschlagen. 

Dafür lässt er Charakterdarsteller Bruce Dern vortreten, der zwar in den 60ern und 70ern zahlreiche Erfolge verbuchen konnte, heutzutage jedoch nicht mehr vielen ein Begriff ist. Auch er hat also seine goldenen Zeiten schon längst hinter sich und spielt in „Nebraska“ mit grimmiger Entschlossenheit dagegen an. Gegen das Vergessen, gegen die Belanglosigkeit und gegen den Tod an sich.
Der schon etwas demente Familienvater Woody Grant reißt eines Tages von zu Hause aus. Zu Fuß macht er sich auf den Weg nach Nebraska, wo angeblich ein Lottogewinn auf ihn wartet. Da ihn weder die Polizei, noch seine Familie davon abbringen können, entschließt sich sein Sohn David Grant, ihn zu fahren. Gemeinsam machen sie sich also auf nach Nebraska, fahren Tausende Meilen und lernen sich so das erste Mal richtig kennen. 

Das erstaunliche an „Nebraska“ ist, wie viel er zu sagen hat, ohne zu viele Worte zu verlieren. Im Drehbuch von Bob Nelson lassen sich immer wieder interessante Ansichten über das Älterwerden, aber auch über das Verständnis von Familie und Verbundenheit finden. Nebenbei lässt er noch einen kleinen Kommentar zur gegenwärtigen Lage der amerikanischen Wirtschaft miteinfließen. Dabei verankert Regisseur Alexander Payne seinen Film stets in realitätsnahen Alltagssituationen, die den Zuschauer sehr oft zum Lachen bringen. Die Familientreffen sind sogar so nah an der Realität, dass das Publikum hin und wieder selbst Einiges wiedererkennt. 

©Paramount Pictures
Haben Regisseure, wie zum Beispiel Martin Scorsese oder Quentin Tarantino ihren eigenen Stil in formalen Aspekten, so muss man bei Payne von einem gewissen Gefühl sprechen. Schon sein hochgepriesener „The Descendants“ zeichnete sich durch eine angenehme Atmosphäre aus, die das Zuschauen erleichterte und trotz wenig vorantreibender Handlung bei der Stange hielt. Nicht anders verhält es sich mit „Nebraska“. Die Odyssee Woodys und Davids strotzt nicht mit aufsehenerregenden Wendungen oder phänomenalen Gimmicks. Viel mehr offenbart sich dem Zuschauer ein Roadtrip über zwei Menschen, die sich trotz familiärer Zusammengehörigkeit nicht kennen und erst auf den letzten Metern Vertrauen zueinander aufbauen. Unter der Oberfläche brodelnde Konflikte brechen aus, die Vergangenheit wird bewältigt und Fehler versucht wieder gerade zu rücken. „Nebraska“ setzt sich in aller schwarz-weißen Bescheidenheit ein großes Themenfeld vor und beackert es mühelos. 

Die Figur des Bruce Dern entwickelt sich vom engstirnigen Sturkopf zum Sympathieträger und gleichsam stellt der Film wichtige Fragen. War das Leben bedeutungslos? Hinterlasse ich etwas für meine Familie? Auf was kommt es eigentlich an? 

Fragen, die der Film im kleinen Rahmen beantwortet und dabei der alt gewordenen Generation um Dern und Co. ein flammendes und zugleich angenehm zurückhaltendes Portrait widmet. Besondere Erwähnung verdient Schauspielerin June Squibb in der Rolle von Woodys Ehefrau Kate Grant. Sie stiehlt mit ihrer herrlich aufgeschlossenen Art sogar Dern die Show und ist der heimliche Star des Films. Die unerwartet bissigen Kommentare ihrerseits und ihr wechselhaftes Verhältnis zu ihrem Mann bilden das Herzstück des Films. Doch während sich die meisten Rentner im Filmbusiness auf alte Erfolge berufen und versuchen, sie zu wiederholen, verschafft Regisseur Payne seinem Ensemble etwas viel wertvolleres. Einen Film, der den Umstand ihres Alters nicht für Späße auf eigene Kosten missbraucht, sondern erst daraus seine wahre Größe und Stärke zieht. Oder auch anders gesagt: Er verhilft ihnen zu neuer Würde, geboren aus der Vergesslichkeit Hollywoods und dessen Konsumenten. 

©Paramount Pictures
 BEWERTUNG: 8,5/10
Titel: Nebraska
FSK: ab 6 freigegeben
Laufzeit: 110 Minuten
Regisseur: Alexander Payne
Darsteller: Bruce Dern, Will Forte, June Squibb, Bob Odenkirk, Stacey Keach, Mary Louise Wilson







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