Donnerstag, 16. Januar 2014

Das Ende der Welt...mit Bier genießen! // The World's End!







©Universal Pictures
In der Filmwelt scheint sich gerade ein Trend zu entwickeln. Seit Hollywood mit „The Expendables“ die Helden der 80er aus ihren Grüften befreite und das Alter salonfähig machte, widmen sich immer mehr Filmemacher dem Älterwerden. Gerade Genres, die mit dieser Thematik nicht (oft) in Verbindung gebracht werden, scheinen plötzlich interessant zu sein. So erwischt es mit „The World's End“ auch den Bereich Komödie. 

Wohl niemand hat in Hinblick auf Regisseur Edgar Wrights neuestem Werk mit einer ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Verlauf des Lebens, Midlife Crisis und dem Beschreiten neuer Wege gerechnet. Umso irritierter waren nun die Zuschauer, die einen ähnlichen Spaß im Sinne von „Hot Fuzz“ oder „Shaun of the Dead“ erwarteten. Zwar schlägt „The World's End“ oftmals einen lustigen, spöttischen Ton an, im Kern präsentiert sich der Film allerdings erstaunlich ernst. 

Gary King(Simon Pegg) lebt mehr oder weniger in der Vergangenheit. Seine ehemaligen Freunde sind alle seit zwanzig Jahren weggezogen, haben einen Job, eine Familie – nur er ist scheinbar stehen geblieben. Da kommt ihm eine herrliche Idee: Er versammelt die alte Truppe in ihrem Heimatkaff „Newton Haven“ um die „Golden Mile“ zu beenden. Das ist eine Tour durch die zwölf Pubs der Stadt, mit der Kneipe „The World's End“ als Zielpunkt. Widerwillig sagen sie alle zu und es entwickelt sich eine Reise in die Vergangenheit, die so einiges zum Vorderschein bringt, was längst vergessen oder verdrängt worden war. 
©Universal Pictures

Wright und Co-Autor/Hauptdarsteller Simon Pegg überraschen mit ihrem Abschluss der gefeierten Cornetto-Trilogie ungemein. Natürlich sind wieder sämtliche Eigenschaften der Vorgängerfilme enthalten. Englisches Lokalkolorit, Pubs, Bier, Dialoge im Stakkato-Format und schnelle, moderne Schnitte. Mittendrin wieder einmal Pegg und zweite Standardbesetzung Nick Frost als beste Freunde. Verstärkt wird das Ensemble dieses Mal durch Martin Freeman(Bilbo Beutlin in „Der Hobbit“), Eddie Marsan(„Sherlock Holmes“) und Paddie Considine(„Hot Fuzz“). Zusammen bilden sie die einstmals eingeschworene Truppe, die sich aufgrund verschiedener Lebensstile wieder zusammenraufen muss und nebenbei noch in der Pflicht ist, die Welt zu retten. 

Selbstverständlich gibt es auch in „The Worlds End“ wieder einiges zu lachen. Seien es diverse urkomische Wortspiele, Situationskomik oder die Alien-Invasion an sich. Letztere ist im Übrigen erstaunlich originell und beinhaltet einen klugen Kommentar zur Franchise-Kultur unserer Gesellschaft in der sich die Helden hier behaupten müssen. Besonderen Stellenwert nehmen allerdings die Kampfszenen ein. Diese wirken in ihrer Machart wie eine Parodie auf den Großteil aller Kung Fu-Filme. Obwohl sämtliche Darsteller sichtlich wenig von Kampfsport verstehen, erscheinen sie durch virtuose Kamerafahrten und Choreographien wie (Halb-)Profis. Das macht ungemein viel Spaß mitanzusehen. 

Seine wirkliche Größe offenbart sich allerdings erst in den ruhigen, dunklen Szenen. Wenn für Gary King offensichtlich wird, wie sehr sich die Zeiten doch geändert haben. Das Leben, das fast vollständig an ihm vorüberzieht und er immer noch derselbe ist, wie zu Schulzeiten. Die Notwendigkeit des Erwachsen werden vollzieht sich im Rahmen des Weltuntergangs – wie passend. Hier findet Wright das richtige Gespür für gehaltvolle Dialoge, die den Zuschauer komplett überraschen. Sämtliche Charaktere, oberflächlich witzig, sind eigentlich komplexe Figuren, die auf den zweiten Blick viel Gehaltvolles zu sagen haben. So berührt „The World's End“ doch tatsächlich, anstatt bloß auf den nächsten Gag zu zusteuern. Im Grunde ist der Film zu Teilen ein Drama, das den Charakter King beleuchtet und davon erzählt, wie er der schönsten Zeit seines Lebens hinterhertrauert. Das ist dermaßen aus dem Leben und real, dass es das Publikum unvermittelt trifft. Somit ist „The World's End“ Peggs/Wrights reifster und ausgewogenster Film, auch wenn Viele aufgrund der ernsten Töne abgeschreckt sein könnten. Der Abschluss der Cornetto-Trilogie ist tatsächlich auch der Höhepunkt der Reihe. Wie schön. 
 
©Universal Pictures
BEWERTUNG: 08/10
Titel: The World's End
FSK: ab 12 freigegeben
Laufzeit: 109 Minuten
Regisseur: Edgar Wright
Autoren: Edgar Wright, Simon Pegg
Darsteller: Simon Pegg, Nick Frost, Martin Freeman, Eddie Marsan, Paddie Considine, Rosamund Pike, Pierce Brosnan, David Bradley






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