Mittwoch, 8. Januar 2014

Brad Pitt wühlt sich durch Zombiehorden - World War Z




©Paramount Pictures


2013 ist den vielen Blockbustern nicht gänzlich wohlgesonnen gewesen. Kaum einer konnte seine Erwartungen zur Gänze erfüllen – viel eher war das Gegenteil der Fall. 

Ein Kandidat schien doch tatsächlich den Ruf des Sommerblockbusters wiederherstellen zu wollen und in der Tat zu überzeugen ohne bloße Augenwischerei zu betreiben.

„World War Z“ heißt dieser Film und sein Hitpotenzial im Vorfeld unter „Im Bereich des Möglichen“ zu verbuchen, wäre noch euphemistisch ausgedrückt gewesen.

Kein Film 2013 hatte vor Bundesstart eine solch negative Presse erfahren. Gravierende Drehbuchänderungen, teure Nachdrehs, in die Höhe schnellendes Budget und Funkstille zwischen Regisseur und Hauptdarsteller. Schlimmer könnten die Zeigefinger nicht Richtung Flop gedeutet werden. Von einem neuen „John Carter“ - Debakel war sogar die Rede.
Unverhofft kommt oft lautet ein Sprichwort und angesichts des immensen Erfolgs kann diesem Spruch nur zugestimmt werden. „World War Z“ stellte sich als erstaunlich geradlinig, böse und klug heraus.

Regisseur Marc Forster, der jedes Genre für sich zu entdecken scheint, lässt Zombies nun auch im Kinobereich im Mainstream ankommen. Hochbudgetiert, dementsprechend blutarm auf PG 13 geeicht, kurbelt er ohne Kompromisse seine Form der Apokalypse herunter.

Der Film geht von Anfang an in die Vollen. Nach nicht einmal fünfminütiger Exposition erreicht Familie Pitt das Grauen urplötzlich, presst den Zuschauer in seinen Sitz und lässt ihn die kommenden 100 Minuten nur sehr selten wieder los.

Die aufkeimende, globale Panik ist unfassbar wirkungsvoll eingefangen, die springenden Zombies, die wie Tsunamis über die hilflosen Menschen hinwegfegen, grauenerregend. Konnte sich die Bedrohung der Zombieschwärme im Trailer kaum entfalten – im fertigen Film wirkt sie.
Völlig erstarrt beobachtet der Zuschauer das Geschehen, folgt Brad Pitt auf seiner internationalen Schnitzeljagd, die ihn von Amerika, nach Istanbul bis hin zu Wales führt. Pitt gibt dabei den Helden erstaunlich zurückgenommen und schafft es, glaubwürdig gegen den drohenden Weltuntergang anzukämpfen. Auch wenn er es immer wieder schafft zu entkommen, bangt der Zuschauer um ihn, denn die Eindrücke der Zombieinvasion sorgen nicht gerade für niedrigen Blutdruck.

Erfreulich ist es auch, einige bekannte Gesichter selbst in kleinsten Nebenrollen wiederzuerkennen.
Selbst das alternative Finale fügt sich (fast) nahtlos ins Geschehen ein. Stürmte die Gefahr vorher noch mit aller Macht auf den Zuschauer ein, so gleicht der letzte Akt einem Kammerspiel, dass die klassischen Muster des Zombiefilms durchexerziert, dabei jedoch zu jederzeit – trotz Klischees – packt und mitreißt. Forster dreht unermüdlich an der Spannungsschraube und erlaubt dem Zuschauer keine Pause. Das Funktionieren des 3. Aktes ist dementsprechend überraschend, zeichnet doch Damon Lindellof – Verursacher des verhinderten Meisterwerks „Prometheus“ - für die Änderungen verantwortlich. Die Quittung hierfür folgt jedoch auf dem Fuße.

©Paramount Pictures
Das klaustrophobische Finale ist zwar ungemein stimmig, doch der Schlussmonolog fasst die folgenden Geschehnisse in gerade einmal 5 Minuten zusammen. Entwicklungen, die locker noch einmal eine halbe Stunde in Beschlag genommen und dem Timing des Films merklich gut getan hätten. Das hinterlässt einen faden Nachgeschmack und wirkt wie zusätzlich angenäht. Hier hat die ursprüngliche, um einiges weitläufigere Fassung die Nase bedeutend weit vorne. Matthew Fox (Hauptdarsteller der Serie „Lost“)wird das bestimmt genauso sehen, dessen Rolle auf einige Sekunden reduziert wurde.

Für Genrefans wird auch die blutleere Optik ein Grund zum Stirnrunzeln sein. Oftmals wird mit hektischen Schnitten versucht, direkte Gewaltdarstellung zu vermeiden, obwohl dies ein essentieller Bestandteil eines Zombiefilms ist. Wie sehr das stört, muss jedermann für sich entscheiden. Fest steht jedoch: Für den DVD-Markt gibt es schon eine blutigere Fassung mit FSK 16. Ob Marc Forster zudem noch seine ursprüngliche Fassung schneiden darf, steht in Folge dessen in den Sternen. Wünschenswert wäre es zumindest. So spielte das letzte Drittel eigentlich in Russland, wo sich Pitt mit einer Horde Menschen zusammenschließt und gegen die Zombies angeht um schlussendlich mit einem Schiff zu seiner geliebten Frau zu fahren. Dass diese Szenen abgedreht sind, beweisen mehrere Setfotos.

Doch auch ohne sichtbare Gedärme und inklusive neugedrehtem Material weiß „World War Z“ mitzureißen. Und das durchgehend. Schon lange nicht mehr konnte ein (Mainstream-)Kinofilm mit dermaßen dichter Atmosphäre und ebenso hoher Intensität aufwarten.

„World War Z“ war eine positive Überraschung im letztjährigen lauen Kinosommer. Ein Film, der sich auf leisen Sohlen anschlich und das Feld von hinten aufräumte.


©Paramount Pictures
BEWERTUNG: 7,5/10
Titel: World War Z
FSK: ab 12 freigegeben, Unrated ab 16
Laufzeit: 116 Minuten
Regisseur: Marc Forster
Darsteller: Brad Pitt, Mireille Enos, James Badge Dale, Matthew Fox, Moritz Bleibtreu, Peter Capaldi, David Morse,






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