Sonntag, 26. Januar 2014

Bond und wie er den kalten Krieg mit Bettgeschichten auflöste - "James Bond - Der Spion, der mich liebte"




©20th Century Fox Home Entertainment


Nach Moores bravourösem Einstand in „Leben und Sterben lassen“ folgte der enttäuschende „Der Mann mit dem goldenen Colt“. Um jegliche Erinnerungen daran auszumerzen, spendieren die Produzenten dem Publikum einen der imposantesten und auch gefährlichsten Stunts der Filmgeschichte. Bond muss während einer halsbrecherischen Skiverfolgungsjagd einen Fallschirmsprung durchführen. Spektakulär, schweißtreibend und garantiert nichts für Menschen mit Höhenangst! Trotzdem kann „Der Spion, der mich liebte“ nicht auf ganzer Linie überzeugen. Versuchten die Macher in den vorherigen Abenteuern noch Abwechslung mit hineinzubringen, so recyceln sie hier mehrere Ideen der Vorgänger. Moores zweiter Ausflug als Geheimdienstler mutet an wie ein Quasi–Remake des (Halb-)Blödelbonds „Man lebt nur zweimal“.

Wieder einmal werden Sowjets und Amerikaner gegeneinander ausgespielt, wieder einmal werden Schiffe gekapert und wieder einmal mündet alles in einem zugegeben sehr eindrucksvollem Finale.
War in oben genanntem Film noch Blofeld der Bösewicht, der hinter allem steckte, so stellt Curd Jürgens alias Curt Strombert nun eine Art Blofeld- Ersatz dar. Genau wie der ominöse Glatzkopf bleibt er lieber im Hintergrund, liefert sich ein paar nette Wortgefechte mit Bond und schickt abtrünnige Handlanger in die ewigen Jagdgründe. Nach seiner imposanten Einführung verkommt Stromberg jedoch zur absoluten Randfigur. Seine Leinwandpräsenz wird sträflich vernachlässigt, wodurch auch ein Curt Jürgens nicht mehr helfen kann um dem Film seinen Stempel aufzudrücken. Hier wird dann doch einiges an Potenzial liegengelassen. Durch die physische Präsenz des Gehilfen Beissers – der im Übrigen Michael Shannons etwas rustikaler Vater sein könnte – wird er sogar noch weiter in den Hintergrund gedrängt. Er führt die Liste der extrem starken Nebenfiguren im Bonduniversum nahtlos fort.

Moores Darstellung ist soweit vollkommen in Ordnung, auch wenn er selten an seinen großen Nachfolger heranreicht. Zudem wirkt er in den Actionszenen reichlich ungelenk und fast schon amateurhaft.

©20th Century Fox Entertainment
Allerdings lassen sich die Macher was den Aufwand der Sets angeht nicht lumpen. Die Schiffsaufnahmen sind aller Erste Sahne, hier wurden keine Kosten und Mühen gespart. Auch das fulminante Finale entschädigt für manch schwachen Moment in den vorderen beiden Dritteln. Wäre der Ablauf nicht haargenau derselbe, wie in „Man lebt nur zweimal“, „Der Spion, der mich liebte“ würde weitaus besser abschneiden.

Auch die Liebesgeschichte zwischen der russischen Agentin und Bond wirkt erzwungen. Generell ist das Zusammenspiel der Beiden arg indifferent und einige Entscheidungen der schönen Barbara Bach scheinen nicht gänzlich zu ihrem Charakter zu passen. So ganz kann der alte Chauvi Moore/Bond dann doch nicht aus seiner Haut. Die alte Krux mit Bond und den Frauen eben. Wenigstens setzen die Produzenten dem Zuschauer kein naives blondes Dummchen vor und zelebrieren im Angesicht des kalten Krieges Völkerverständigung im Bett.

Im Großen und Ganzen geht „Der Spion, der mich liebte“ also in Ordnung. Solide wird die Welt vor einer nuklearen Katastrophe bewahrt und alles ist Friede, Freude, Eierkuchen. Allerdings ist es schade, dass sich die Macher bei ihren eigenen Filmen bedienen und das Setting einfach vom Weltraum in die Weltmeere verlegen. Unterhaltsam ist Moores dritter Auftritt als beliebtester Geheimdienstler seiner Majestät aber allemal. 


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©20th Century Fox HE

BEWERTUNG: 07/10
Titel: James Bond - Der Spion, der mich liebte
FSK: ab 12 freigegeben
Laufzeit: 125 Minuten
Regisseur: Lewis Gilbert
Darsteller: Roger Moore, Barbara Bach, Curd Jürgens, Richard Kiel, Bernard Lee, Desmond Lleweyn, Lois Maxwell






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