Donnerstag, 5. Dezember 2013

Mit Tom Cruise ist nicht gut Kirschen essen - Jack Reacher!




©Paramount Pictures
Lange Zeit sah es nicht gerade rosig aus um Schauspieler Tom Cruise. Zwar verzeichnete er stetige Erfolge am Box Office, doch seine persönlichen Eskapaden, die Zugehörigkeit zur Sekte Scientology und das Zugrundegehen seiner Ehe taten ihr Übriges, um Cruise vom Publikumsmagneten zu einem abschreckenden Beispiel zu machen. 

Die Studios vertrauten nicht mehr auf seine Leading Man-Qualitäten, die Einnahmen gingen zurück(„Operation Walküre“ und „Knight and Day“). Doch mit „Mission Impossible: Phantom Protokoll“ schwamm er wieder obenauf. Als wäre er niemals weg gewesen untermauerte er seinen Status als Star umso mehr und sein Name gewann wieder an Gewicht. Das dürfte wohl auch der Grund für die Existenz seines Films „Jack Reacher“ sein. Denn eigentlich gibt es für diese Art von Genre-Film keinen Markt mehr, zumindest nahm man das an. Doch die Einspielergebnisse zeugen von einem Sinneswandel. Rund 218 Millionen Einnahmen, bei einem Budget von 60 Millionen, sind vollkommen akzeptabel. 

Überzeugt „Jack Reacher“ denn nun auch auf inhaltlicher und künstlerischer Ebene? 

Die Figur des Jack Reacher basiert auf einer von Autor Lee Child entworfenen Buchreihe, die sich großer Beliebtheit erfreut. In ihr muss Reacher gefährliche Fälle lösen, natürlich unter Einsatz seines Lebens. Damit ist der Ex-Militärpolizist jedoch bestens vertraut. In „Jack Reacher“ versucht er den Mord an mehreren unschuldigen Passanten aufklären, die feige von einem Amokläufer erschossen wurden. Zusammen mit Anwältin Helen Rodin(Rosamund Pike) macht er sich auf, den Täter zu überführen und ihn seiner gerechten Strafe zuzuführen. 

„Jack Reacher“ ist kein Film der großen Worte. Viel mehr entschleunigt Regisseur Christopher McQuarrie das Geschehen zusehends. Den Zuschauer erwartet kein Actionblockbuster, der einer Explosion sofort die nächste gegenüberstellt. Viel mehr verlässt sich McQuarrie auf die bloße Atmosphäre seines Films und die Qualität seiner Darsteller. 

©Paramount Pictures
Die Fans der Bücher haben durchaus Recht, wenn sie sagen, Tom Cruise passe nicht in die Rolle des Jack Reacher. Immerhin ist dieser unheimlich muskulös und dazu noch 1,96 Meter groß. Der allzu schmächtige Cruise (1,70m) passt somit auf den ersten Blick überhaupt nicht in die Rolle. Womit er das jedoch wieder wett macht, ist seine kaltschnäuzige Art, die zusammen mit seiner Coolness dieses Manko wieder ausgleicht. Das Drehbuch gibt ihm genügend Gelegenheiten mit allerlei Sprüchen um sich zu werfen. Dabei wird selbstverständlich jegliches Klischee des Lonesome Hero durchexerziert, allerdings stets mit einer gewissen Ironie versehen. So hat der Zuschauer oftmals ein Schmunzeln übrig, wenn Cruise die bösen Buben verjagt, oder die Polizei erfolgreich austrickst. Oder Beides zugleich.

Ein großer Pluspunkt ist zudem die komplette Handarbeit in den Actionszenen. Ob Verfolgungsjagden, Prügeleien oder Schießereien – alles ist echt. Außerdem verzichtet McQuarrie völlig auf unzulängliches Schnittgewitter oder Explosionen. Die Kampfszenen sind wunderbar übersichtlich, immer an den richtigen Stellen platziert und fördern das Adrenalin des Zuschauers vortrefflich. Wer allerdings einen Film der Marke „Transporter“ erwartet hat, wird klar enttäuscht.
Lediglich die Rolle der Frau wird in „Jack Reacher“ ein wenig außer Acht gelassen. Rosamund Pike ist wunderschön anzusehen, viel zu tun bekommt sie leider nicht. Sie ist die typische Damsel in Distress. Aber Held Cruise ist natürlich immer zur Stelle. Ein wenig Macho lässt die Rolle des Jack Reacher durchaus zu. Dennoch bin ich mir auch hier nicht sicher, ob da nicht ironische Untertöne ihre Hand im Spiel haben...

Den Vogel abschießen tut niemand geringeres als Ausnahmeregisseur Werner Herzog, der überraschenderweise vor der Kamera als Bösewicht agiert. Völlig überzogen, an jeglicher Realität vorbei gibt er den osteuropäischen Kriminellen Zec. Objektiv betrachtet eine laue Vorstellung, dennoch fügt sie sich nahtlos in „Jack Reacher“ ein und macht einfach Spaß. 

„Jack Reacher“ wirkt zuweilen wie ein Neo-Noir-Thriller, nicht zuletzt seines passenden Scores wegen. Knüppelharte Actionchoreographien, interessantes Setting, spannende Storys und ein Tom Cruise auf neuerlicher Erfolgsspur. Teil zwei darf kommen. 

©Paramount Pictures
BEWERTUNG: 7,5/10
Titel: Jack Reacher
Produktionsland: USA
FSK: ab 16 freigegeben
Regisseur: Christopher McQuarrie
Autor: Christopher McQuarrie
Darsteller: Tom Cruise, Rosamund Pike, Werner Herzog, Robert Duvall, David Oyelowo






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