Samstag, 14. Dezember 2013

Ein persönlicher Brief an Peter Jackson - "Der Hobbit: Smaugs Einöde"


©Warner Bros.


Lieber Peter,

ich bin ein Fan. Schon seit deinen Anfängen im bluttriefenden Genrefilm wusstest du mich stets aufs Beste zu unterhalten. Mit deiner „Herr der Ringe“-Trilogie hast du dir schlussendlich ein Denkmal gebaut, dass dir auf ewig einen Platz in der Ruhmeshalle der Filmgeschichte sicherte. 

Niemand zuvor verstand es auf ähnlich liebevolle Art und Weise die Zuschauer zu beeindrucken und in eine Welt zu entführen, die sich wie pure Magie anfühlte. 

Nun bist du also wieder an den Ort zurückgekehrt, der dich einst berühmt machte. 

Mittelerde. 

Ein Ort, an dem die Magie noch lebendig erscheint. An dem Pathos und große Gefühle ihr Zuhause haben und mir Gänsehaut über den gesamten Körper fährt, wenn unsere Helden schwierige Prüfungen bestehen müssen. 

Du bist ein Meister der Promotion. Mit kleinen Setvideos hast du deine Fans beinahe schon gefoltert, ihnen kleine Häppchen zugeworfen und die Erwartungen ins Unermessliche gesteigert. Trotz der Millionen Dollar in diesem Projekt scheinst du immer noch der sympathische, dickliche Neuseeländer zu sein, der du schon früher gewesen bist. Du bist nicht abgehoben, bist in Interviews freundlich und zurückgenommen. Eben das macht dich groß. Du bewahrst dir deine Würde.
Eine andere Entwicklung bereitet mir allerdings Sorgen. 

Natürlich mochte ich „Der Hobbit – Ein unerwartete Reise“. Der Film mag zwar seine Fehler haben, aber in Sachen Kurzweil hast du hierbei dein Ziel erfüllt. Was mir allerdings gewaltig gegen den Strich ging, ist die überbordende Verwendung von CGI. Wo „Der Herr der Ringe“ noch Technik und reale Sets zu einer funktionierenden Einheit verbinden mochte, bot sich mir im Prequel eine Videospielästhetik, die Mittelerde jegliche Faszination nahm. 

Ohne Zweifel ist die Tricktechnik heutzutage auf dem Stand fotorealistische Bilder zu erzeugen. Dass du technologischen Fortschritt ohne Zweifel unterstützt, zeigt sich schon durch die Entwicklung der HFR-Technik, die die Schärfe der Bilder (vor allem in Verbindung mit dem 3D-Effekt) auf ein völlig neues Level hebt. 

©Warner Bros.

Aber ist das wirklich der richtige Weg? 

In der Fortsetzung „Der Hobbit: Smaugs Einöde“ gehst du diesen Pfad konsequent weiter. Die Kamera führt den Zuschauer wie entfesselt durch düstere Wälder, Seestädte und untergegangene Zwergenreiche. Du suchst stets nach dem größten aller möglichen Bilder, nach dem nächsten Maximum, legst die Latte sekündlich höher. 

Wo in „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ die Flucht durch Moria ein Ereignis sondergleichen darstellte(man erinnere sich nur an den wunderschönen Moment der durch Gandalf enthüllten Säulenstadt!), kannst du heute nur müde lächeln. Locker aus dem Handgelenk entwickeln deine CGI-Künstler Unmengen an riesigen Hallen. Eine größer als die Nächste, eine die Vorhergehende um ein Vielfaches übertreffend. An Schauwerten mangelt es dem Film wahrlich nicht. 

Allerdings bleibt Eines bei all der Gigantomanie auf der Strecke: Die liebevolle Ader des Films.
Vielleicht mag ich jetzt wie ein verbitterter „Früher war alles besser!“-Oldie klingen. Doch wo sind die Stuntmen in per Hand genähten Kostümen, die unsere Zwerge an den Kragen wollen? Alles was ich sehe, sind Figuren eines Videospiels, formvollendet per PC gerendert – allerdings ohne Seele, ohne Leben. 

Der Look des Films gleicht mehr einem Videospiel, als einem Film. Wohin das Auge reicht, erstrecken sich CGI-Landschaften, bevölkert von CGI-Kreaturen in einer CGI-Welt. Ich verstehe deine Zuneigung zu dieser Technik. Endlich kannst du aus dem Vollen schöpfen und alles kreieren, was sonst in deinem Verstand haften bleiben würde. Doch anscheinend können die besten Effekte nicht erschaffen, was dir 10 Jahre zuvor mühelos gelang: Eine funktionierende Welt zu entwerfen, die ihre Magie aus ihren Bildern schöpft und dem Zuschauer den Atem nimmt. 

Selbstverständlich ist dir das auch in „Der Hobbit: Smaugs Einöde“ hier und da gelungen. Etwa der Spinnenangriff im Düsterwald. Hier zeigt sich dein Gespür für Spannung, Timing und den schon oft erwähnten großen Bildern. Fantastische Sets verschwimmen mit gelungenen Effekten zu einem Ganzen. Wer dachte, er hätte mit Kankra schon alles gesehen, was Spinnen hergeben, sollte warten, bis er diesen Film gesehen hat. 

Der heimliche Star des Films ist selbstverständlich Smaug. Hier lohnt sich deine Technikaffinität, denn ein fürchterlicheres Monster, hat das Kino niemals zuvor gesehen. Deine PC's haben ganze Arbeit geleistet. Allein für diese Riesenechse lohnt sich das Kinoticket. 

Die wunderschöne Evangeline Lilly ist auch mit von der Partie! ©Warner Bros.
Was mich allerdings gewundert hat, ist die schwankende Qualität der Tricks. Hat deine Trichschmiede Weta Digital etwa ein Problem mit der Darstellung von Flüssigkeiten? Die Fässerflucht, ein zentraler Punkt im Film, wirkt teilweise komplett veraltet. 20 Minuten präsentierst du uns Stromschnellen, Orkscharen und hüpfende Elfen auf einem Trickniveau, dass nicht erst seit 2 Jahren überholt ist. Sogar während des Finales schleichen sich stümperhafte Tricks ein. Während Smaug in all seiner Herrlichkeit wütet und Gold zum Schmelzen bringt, sieht eben jenes aus, als befänden wir uns noch zu Zeiten „Harry Potter und der Stein der Weisen“. 

Fehlen hier die letzten Milliönchen, oder ist die Technik doch noch nicht so weit, wie du uns weiß machen willst, Peter? Weniger wäre hier sicherlich mehr. 

Bei all der Häme will ich allerdings nicht leugnen, dass mich „Der Hobbit: Smaugs Einöde“ wieder einmal unterhalten hat. Meine Punktevergabe von 8/10 Punkten spricht schließlich eine deutliche Sprache. Doch wo wird diese Technikgeilheit noch hinführen? 

Ich möchte nicht in 5-10 Jahren einen Film sehen, der ohne reale Sets und tatsächlich agierende Darsteller auskommt. Was in dem diesjährig erschienenen „The Congress“ noch Zukunftsmusik ist, erscheint angesichts deines Films eine realistische Einschätzung. 

Vor 10 Jahren stapftest du noch voller Stolz durch ein fast gänzlich per Hand erbautes Edoras. Heute sehe ich dich jauchzend in einer leeren Halle mit deiner Handkamera laufen, während ein Rechner neben dir zeitgleich die virtuelle Zwergenstadt um dich herum erbaut. Schaut, was Computer alles können, scheinst du uns damit zurufen zu wollen. 

Was dadurch leider auf der Strecke bleibt, ist die Seele des Films. Die tatsächliche Magie, die durch die Technik verschwindet und einer künstlichen Optik weicht. Selbst noch so geniale Tricks vermögen deine Orkhorden nicht in dem Maße zum Leben zu erwecken, wie es deine Maskenbildner vermögen. Der Zuschauer spürt instinktiv, dass etwas nicht stimmt. Zu glatt, zu sauber, zu perfekt. 

„Ich finde, Herr der Ringe ist liebevoller gemacht“, sagte meine Begleitung nach dem Kinobesuch. Und so leid es mir tut, lieber Peter, ich muss ihr Recht geben. Selbst wenn ich weiß, dass du mit Feuereifer bei der Sache warst und auch noch bist. 

Mir ist klar, dass du weiter an deiner Art, Filme zu drehen, festhalten wirst. Und mir ist auch klar, dass ich mich wieder diebisch auf das Finale des Bilbo freuen werde. Doch stets mit einem schalen Nachgeschmack im Mund. Denn teure Technik ist leider nicht alles. Ich möchte wieder mit Charakteren aus Fleisch und Blut mitfiebern.

In diesem Sinne bis in genau einem Jahr.

Herzlichst,

dein Fan Niklas


BEWERTUNG: 08/10
Titel: Der Hobbit: Smaugs Einöde
FSK: ab 12 freigegeben
Laufzeit: 160 Minuten
Autoren: Peter Jackson, Fran Walsh, Guillermo Del Torro, Phillipa Boyens
Regisseur: Peter Jackson
Darsteller: Martin Freeman, Richard Armitage, Ian McKellen, Luke Evans, James Nesbitt, Orlando Bloom, Benedict Cumberbatch, Stephen Fry, Lee Pace, Evangeline Lilly












1 Kommentar:

  1. Hatte die gleiche Idee: http://feuilletonsern.at/lieber-peter/ ;)

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