Samstag, 7. Dezember 2013

Disney stärkt die Rolle der Frauen in "Die Eiskönigin"!


©Disney


Der Zeichentrickfilm hat es zusehends schwerer. Disney, einstiger Vorreiter, hat die nächsten Jahre keinerlei Ambitionen wieder zu dem Genre zurückzukehren, dass sie einst groß machte. Zu groß ist die Angst, in ein finanzielles Loch zu fallen. „Winnie Puuh“ aus dem Jahre 2011 spielte weltweit gerade mal 35 Millionen Dollar ein. Zu wenig im Vergleich zu „Rapunzel“(590 Millionen).
Nun setzt der Konzern mit der Maus vollends auf die CG-Technik. Auch „Die Eiskönigin“ steht ganz im Zeichen der gerenderten Pixelmasse. Doch wer davon ausgeht, dass Disney dadurch qualitativ abfällt, irrt. „Die Eiskönigin“ präsentiert sich nämlich ganz anders, als es noch die hektischen und extrem schwachen Trailer suggerierten. 

In seinen besten Momenten versprüht der Film wieder diese typische Disney-Magie, die das Kind in Jedermann zum Vorschein bringt und es über die gesamte Laufzeit wunderbar unterhält. Die Songs, von denen zuvor keine Rede war, sind im Großen und Ganzen überaus gelungen und gezielt wirkungsvoll eingesetzt. Sie dienen dem Skript als emotionale Höhepunkte und gerade in den Duetten entfaltet sich tatsächlich emotionale Zugkraft. 

Die lose auf Hans Christian Andersen's Geschichte „Die Eiskönigin“ basierende Komödie besitzt tatsächlich etwas Tiefgang und präsentiert sich teilweise überraschend düster. Die Story rund um die zwei Schwestern Anna und Elsa ist der Mittelpunkt des Films. 

Im Königreich Arendelle als Prinzessinnen geboren sind sie wie Pech und Schwefel. Elsa besitzt allerdings Zauberkräfte, die sie kaum unter Kontrolle halten kann. Eines Tages läuft etwas schief und Elsa flieht in die Berge und überzieht das Land mit ewigem Winter. Anna macht sich auf, ihre Schwester und ihr Königreich zu retten. 

©Disney
Der Film setzt voll und ganz auf seine Frauenpower. Hier kommt es besonders positiv zum Tragen, dass zum ersten Mal eine Frau das Drehbuch schrieb und zeitgleich auf dem Regiestuhl Platz nahm. Jennifer Lee verpasst „Die Eiskönigin“ eine erfrischende Prise Emanzipation, lässt Anna und Elsa unabhängig vom Prinzen in schillernder Rüstung agieren. Hier umgeht die neueste Disneyproduktion beinahe jegliche veralteten Traditionen und Klischees, die Disney im Laufe der Jahre angesammelt hat. Hin und wieder dekonstruiert und entrümpelt der Film sogar vergangene Gepflogenheiten auf amüsante Art und Weise. Zwar traut sich „Die Eiskönigin“ auch nicht vollends seinen Gang durchzuziehen, aber die Ansätze sind vorhanden und man darf gespannt sein, wie sich das noch entwickelt. Denn schon die Botschaft hinter dem Film unterscheidet sich von sonstigen Prinzessinnen-Filmen. Eine Beziehung findet nur auf Augenhöhe statt, man sollte sich erst einmal kennenlernen, sich respektieren, anstatt sofort blind vom ewigen Miteinander zu träumen. Das Verhalten der beiden Schwestern ist schlichtweg erfrischend und widersetzt sich jeglichem Rumgejammer aus "Twilight" und Co. Liebe Mädchen, DAS ist realistisches Verhalten.

Ein wenig problematisch ist allerdings die physische Darstellung Annas und insbesondere Elsas. Hier blicken junge Mädchen auf sogenannte Vorbilder, die es zu erreichen gilt. Ein wenig erschreckend ist das schon, steht nach Elsas Verwandlung doch plötzlich eine gerenderte Pornodarstellerin vor dem Publikum. Doch das ist vielleicht ein Punkt, in dem sich Disney nie ändern wird. 

Was dem Film sicherlich gut tut, sind die wohldosierten Actionszenen. Während die Konkurrenz sich in „Wolkig mit der Aussicht auf Fleischbällchen 2“ noch von einer Verfolgungsjagd zur nächsten schleppte, haben hier die Figuren Zeit sich auch mal fünf Minuten zu unterhalten. Eine echte Wohltat. So präsentieren sich die witzigen Nebenfiguren äußerst amüsant, wie etwa der Schneemann Olaf, das Rentier Sven oder der (anfangs)unfreiwillige Mitstreiter Annas Kristoff. 

Die Animationen sind mal wieder das Beste vom Besten. Der Detailgrad ist wahnsinnig hoch. Hier geizt Disney ganz und gar nicht. Wenn riesige Eisgebilde sich zu einem Schloss formen, das Fjord unter einer Eisschicht begraben liegt und zu guter Letzt noch ein Schneesturm aufzieht, sieht das wie zu erwarten fantastisch aus. Zumal der Showdown für kleine Kinder überraschend düster ist. 

Bleibt festzuhalten: „Die Eiskönigin“ bietet wieder einen Schuss ursprünglicher Disney-Magie. Mit schönen Songs, starken Hauptcharakteren und einigen über Bord geworfenen Klischees macht der Film einiges richtig. Das ist insofern witzig, da der Vorfilm „Get a horse“ ganz klar als kleine Verbeugung hin zu den alten Cartoons zu verstehen ist, auch wenn der Grundtenor doch ziemlich böse und sexuell ist. Allein wegen dem Vorfilm lohnt sich das 3D. 

Pixar hingegen hat es zunehmend schwerer, sich zu behaupten. Erst „Wreck it Ralph“ und jetzt „Die Eiskönigin“. Disney Animation Studios ist in der Tat auf Augenhöhe. 

©Disney
BEWERTUNG: 7,5/10
Titel: Die Eiskönigin
FSK: ab 6 freigegeben
Laufzeit: 106 Minuten
Regie: Jennifer Lee, Chris Buck 
Sprecher(im Original): Kristen Bell, Jonathan Groff, Josh Gad, Idina Menzel, Alan Tudyk










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