Montag, 16. Dezember 2013

Die Vergänglichkeit des Lebens - Only Lovers Left Alive




Ab dem 25.12 im Kino: ONLY LOVERS LEFT ALIVE!   ©Pandora Filmverleih
Jim Jarmusch. 

Kein anderer Name steht mehr für Independent-Kino, als dieser. Der Struwwelpeter mit den weißen Haaren sorgt mit seinen Filmen meist für Ausnahmezustände unter Fankreisen. Die Erwartungshaltung ist nun umso höher, da sich Jarmusch einer der populärsten Figuren der Popkultur annimmt. Den Vampiren. 

Er präsentiert dem Zuschauer zwei Vampire, namentlich Adam und Eve, die seit Jahrhunderten zusammen sind und sich gegenseitig bedingen. Adam ist allerdings müde geworden, von der Welt, den Menschen und allem, was sie falsch machen. Zusehends depressiv schleichen sich sogar Selbstmordgedanken in sein Denken. Nun ist es an Eve ihm trotz des Verfalls der Menschheit wieder die Lust am Leben beizubringen. 

Unter jedem anderen Regisseur würde „Only Lovers Left Alive“ zu einem bluttriefenden Event werden. Nicht so unter Jarmuschs Feder. 

Er siedelt seine ungewöhnliche Liebesgeschichte in Detroit an um mit seinen Hauptfiguren über Vergänglichkeit, dem Leben und dem Tod, zu sinnieren. Welch andere Stadt würde sich dafür besser eignen? 

Die Stadt, die sich einst als blühende Industriestadt einen Namen machte und nun durch Korruption, Versäumnissen und Weltwirtschaftskrisen mit dem Bankrott zu kämpfen hat. Mit Schulden von über 18 Milliarden Dollar ist die Stadt fest im Griff der Kriminalität. Menschen ziehen weg, überall stehen leere Gebäude. Selbst in der Innenstadt. 

Doch wie Adam und Eve im Film feststellen: Dieser Ort wird wieder erblühen.
So nutzt Jarmusch seinen Spielort als Metapher auf das ewige Leben, das alles sieht, alles analysiert und ewig weiter geht. Der Kreislauf des Lebens quasi. 

Adam(wunderbar mies gelaunt: Tom Hiddleston), stiller Underground-Musiker, igelt sich alleine in seinem abgelegenen Haus ein. Dort hat er seine Instrumente, seine Platten und sich Selbst. Vom der Welt entrückten Musiker zum Vampir sind es tatsächlich nur ein paar Schritte. Eine verlorene Seele, gefangen im Wunsch etwas Dauerhaftes zu erschaffen. Ganz anders Eve(wie immer fantastisch: Tilda Swinton). Sie weiß um die Besonderheiten der Welt, findet Gefallen an nächtlichen Märschen und hat ihren Lebenswillen ganz und gar nicht verloren. Zuflucht findet sie in ihren Büchern. Oftmals wird aus ihnen zitiert und Bezug genommen. 

©Pandora Filmverleih
Kein Zweifel, Jim Jarmusch ist ein Intellektueller. Seine Kenntnisse der Literatur und Popkultur sind beeindruckend. Zuschauer, die mit den angerissenen Themen und Namen nichts anfangen können, werden zwangsläufig außen vor bleiben. Christopher Marlowe ist einer von ihnen. Dem englischen Dichter und Dramatiker huldigt Jarmusch, indem er John Hurt in dessen Rolle schlüpfen lässt. Minutenlang wird über seine Werke diskutiert und in Nebensätzen immer mal wieder aufgegriffen. Nichtkenner werden sich wohl oder übel langweilen.

Was allerdings auch gesagt werden muss: Die Filme des Jim Jarmusch kann man sich nicht jeden Tag anschauen. Sie benötigen eine besondere Stimmung, in die sich der Zuschauer versetzen muss. Seine Filme folgen selten einer gewissen Dramaturgie. Ihre Faszination setzt sich aus den beschriebenen Alltagssituationen, seinen skurrilen Figuren und der elegischen Bildsprache zusammen. Das Publikum muss sich von der Kamera mit auf die Reise nehmen lassen, sich von den Bildern und den Situationen führen lassen. Auf narrativer Ebene mag vielleicht nicht sonderlich viel passieren, doch lässt man sich auf seine Filme ein, entführen sie uns in eine Welt, die vor lauter Skurrilität und schräger Figuren überläuft. Das ist nicht immer leicht. 

Auch der Autor dieser Kritik kann „Only Lovers Left Alive“ heute ein wenig einschläfernd finden, morgen vollkommen zum Fürchten und in einer Woche die Höchstzahl geben. Oder in einem Monat. Oder in einem Jahr. 

Das ist es, was Jim Jarmusch so besonders macht. Er macht nicht Filme für den Augenblick oder das Spektakel im Kino. Er macht Filme für besondere Anlässe, für die richtige Zeit, den richtigen Ort.
Diese Momente benötigen Zeit, sie müssen gefunden werden. Wenn sie dann plötzlich vor Einem stehen, dann entfaltet sich ein Sog, der das Publikum unweigerlich mitzieht. 

Demzufolge ist auch die Bewertung zu diesem Film, zu diesem Zeitpunkt (6/10) eine bloße Momentaufnahme, die stetig im Wandel ist. Genau wie das Leben. Mal sehen, wie es damit in einem Jahr aussieht. 

©Pandora Filmverleih
BEWERTUNG: 06/10
Titel: Only Lovers Left Alive
FSK: ab 12 freigegeben
Laufzeit: 123 Minuten
Autor/Regisseur: Jim Jarmusch
Darsteller: Tom Hiddleston, Tilda Swinton, Anton Yelchin, Mia Wasikowska







Trailer:







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