Montag, 23. Dezember 2013

Cage holt die Eisen aus dem Feuer - Spiel auf Zeit!



©Touchstone Home Entertainment
Brian De Palma, einst gefeierter Regisseur großartiger Filme namens „Die Unbestechlichen“ oder „Scarface“, ist wohl einer der traurigsten Figuren der Filmgeschichte geworden. Mit der Jahrtausendwende denunzierte sich der Künstler immer weiter selbst und konnte seinen Ruf nicht aufrecht erhalten. Erst dieses Jahr mit „Passion“ folgte der nächste Tiefpunkt seiner Karriere. Kaum zu glauben, dass derselbe Mann in den 80ern und 90ern zahlreiche Genreperlen auf die Leinwand zauberte. „Spiel auf Zeit“ aus dem Jahre 98 stellt dann wohl den letzten wirklich brauchbaren De Palma dar. 

Nicolas Cage spielt den äußerst aufgedrehten Cop Rick Santoro, der sich nicht zu schade ist, das Gesetz mal etwas lascher auszulegen. Zusammen mit seinem besten Freund Kevin Dunne (Gary Sinise) ist er für die Sicherheit während eines hochdotierten Boxkampfes zuständig. Doch es kommt natürlich, wie es kommen muss und alles läuft schief...

Brian De Palma ist ein Künstler sondergleichen, der seine Filme stets streng durchkomponiert. Neben Martin Scorsesee ist wohl sein Name derjenige, der am häufigsten mit ausufernden Plansequenzen und ausgefeilten Kameraeinstellungen in Verbindung gebracht wird. So präsentiert sich allein der Beginn des Films mit seiner zwölf-minütigen Plansequenz in unfassbarer Eleganz, die gleichwohl Santoros Charakter und die chaotischen Zustände vor und während des Kampfes bestens beschreibt. De Palma treibt seinen Stil dabei auf die Spitze, stellt manche Szenen bis zu dreimal aus 
unterschiedlichsten Perspektiven nach und fügt so dem Puzzle um das Attentat immer wieder ein Teil hinzu. Mal sind es ausgefallene Einstellungen, die wichtige Ereignisse wunderschön beleuchten oder eine Zweckentfremdung der Kamera aus der Ich-Perspektive um manchen Handlungen mehr Gewicht zu verleihen. Formal ist „Spiel auf Zeit“ ein kleines Kunstwerk, das seinem Regisseur alle Ehre macht. 

Deshalb ist es unheimlich schade, dass die formalen Aspekte unter dem durchschnittlichen Drehbuch zu leiden haben. Autor David Koepp versucht zwar mit ein paar wenigen Wendungen frischen Wind ins Geschehen zu bringen, scheitert aber daran. Es ist von Anfang an klar, wer wohinter steckt und was es mit dem Mord auf sich hat. Koepp kann sich glücklich schätzen, einen solch fähigen Mann auf dem Regiestuhl vorzufinden, der sein Skript tatsächlich über den Einheitsbrei hebt. Selbstverständlich ist das gewiss nicht. 

Ein weiterer Punkt, über den sich sicherlich streiten lässt, ist Nicolas Cage. Hier frönt er seinem inzwischen berüchtigten Over Acting. Mit oftmals irrem Blick, wilden Gestiken und dem einen oder anderen Schrei auf den Lippen führt er den Zuschauer durch den Film. Das passt zu der Art seiner Rolle des Rick Santoro, dürfte manchen aber sauer aufstoßen. Zumindest gibt es dem Thriller ab und zu eine komische Note. Voll und ganz überzeugt allerdings der zweite Hauptdarsteller Gary Sinise. Den meisten sicherlich aus der Serie „CSI: New York“ bekannt, gibt er eine beachtliche Vorstellung ab, auch wenn ihm das Drehbuch nicht gerade in die Hände spielt. 

So kann sich „Spiel auf Zeit“ zu jeder Zeit auf einem sehenswerten Niveau halten. Zwar fehlt dem Film definitiv ein Mindestmaß an Überraschungen, doch spannend bleibt das Geschehen weiterhin. Das liegt an Brian De Palmas enormen Talent, eine gewisse Ästhetik mit ins Spiel zu bringen und durch schlaue Inszenierung Spannung aufzubauen. Auch wenn dem Zuschauer Entwicklungen schon vorher klar sind. 


©Touchstone Home Entertainment
BEWERTUNG: 7,5/10
Titel: Spiel auf Zeit
Laufzeit: 99 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Autor: David Koepp
Regisseur: Brian De Palma
Darsteller: Nicolas Cage, Gary Sinise, Carla Gugino, John Heard, Stan Shaw, Luis Guzman, Mike Starr


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