Freitag, 27. Dezember 2013

Auch Japan kämpft mit asozialen Schülern - Geständnisse!



©Rapid Eye Movies

Es ist bekannt, dass sich der Durchschnittskinogänger mit asiatischen Filmen etwas schwer tut. Die Filmsprache ist zumeist eine durchweg andere, die Handlungen der Akteure lassen sich nicht richtig einordnen und sowieso sehen alle Asiaten gleich aus. Mit ihrer gelb-orangen Haut, den seltsamen Schlitzaugen und ihren schwarzen Haaren. 

Deshalb gehen viele asiatische Filmperlen unweigerlich verloren, finden den Weg nicht auf den heimischen Markt und der Konsument kann froh sein, wenn sich ein Verleih für die DVD-Auswertung findet. Das festgefahrene Bild von durch die Luft hüpfenden Kampfsportlern und Grimassen schneidenden Volltrotteln beginnt hier und da allerdings zu bröckeln. 

Immer öfter gelangen wahre Perlen auf den deutschen Markt. Wenn nicht als Kinoauswertung, dann zumindest im Scheibenformat. „Geständnisse“ aus dem Jahr 2010 ist so ein Film. Das Horrordrama verwehrt sich jeglicher „typisch“ asiatischer Stilmittel und kopiert zudem nicht den europäischen oder amerikanischen Film. Regisseur Tetsuya Nakashima erschafft mit seiner Buchadaption etwas völlig Neues. 

Lehrerin Moriguchi verkündet ihrer Klasse am letzten Schultag Ungeheuerliches. Angeblich haben zwei der Schüler ihre kleine Tochter umgebracht. Moriguchi kann diese Tat nicht ungesühnt lassen und erzählt ihnen, die Schuldigen mit HIV kontaminierter Milch vergiftet zu haben. Das trifft die Klasse bis ins Mark und nichts scheint mehr wie es vorher war. Aus Täter wird Opfer, aus Opfer wird Täter. Das neue Schuljahr beginnt und immer noch ist der perfide Racheplan der Lehrerin nicht zu Ende. 

©Rapid Eye Movies
Geradezu meisterhaft versteht es Regisseur Nakashima von Beginn an zu fesseln. Mit ausgefallenen Kamerafahrten und Einstellungen weiß er dem verheißungsvollen Klassenraum immer neue Facetten abzugewinnen. Besonders das Stilmittel der Slow Motion benutzt er um die Taten seiner Protagonisten(gibt es solche überhaupt?) noch grauenvoller wirken zu lassen. Jede Zeitlupe verfolgt einen Zweck. Ob das Herausstellen bestimmter Aktionen, einen Einblick in zerschundene Seelen oder das Puschen von Dramatik. „Geständnisse“ ist in jedem Fall einer der schönsten Filme der letzten Jahre, auch wenn sein Inhalt noch so schrecklich anmutet. Vielleicht ist dieser Gegensatz aus wunderschönen Bildern und blutigen Verbrechen genauso gewollt. 

Schon lange gab es keinen Film mehr, der in seiner Laufzeit von 106 Minuten dermaßen viele Wendungen parat hatte. Sympathien verschieben sich beinahe sekündlich, desto mehr Hintergrundinformationen der Zuschauer bekommt. Jede involvierte Person hat seinen ganz persönlichen Höllenkreis, aus dem er einfach nicht entkommen kann. Statt einer Vielzahl von Protagonisten, besitzt der Film eine Ansammlung von Antagonisten, die sich in ihrer Wut vollends verloren haben. 

Manch Einem mag dies zu fatalistisch, zu übertrieben sein. Regisseur Nakashima schenkt dem Publikum keinen einzigen rationalen Charakter. Kein Mittelding zwischen ohnmächtiger Wut und rationalem Verhalten. In „Geständnisse“ regiert einzig und allein der niedere Instinkt der Vergeltung. Wut, Schmerz und Hass eingebettet in einer Story rund um Akzeptanz für HIV-Infizierte, Mobbing in der Schule und Vernachlässigung durch Eltern. Gleichzeitig ein Plädoyer für Andersartigkeit, was im Zuge der brutalen Geschehnisse allerdings ein wenig unterzugehen droht. Zum Ende hin fährt der Film sämtliche Geschütze auf und nimmt dem Zuschauer fast den Atem. So müssen Psychospielchen im Film aussehen!

Dazu hervorragend gespielt, was vor allem in Anbetracht der vielen Kinderdarsteller keine Selbstverständlichkeit ist. 

„Geständnisse“ stellte 2010 völlig zurecht den Beitrag Japans für den Oscar als besten ausländischen Film dar. Elegant inszeniert, intelligent erzählt und ein Spannungsbogen, der von Beginn an bei der Stange hält. Ein Ausnahmefilm aus Asien, was in Anbetracht der immensen Qualität dortiger Filmemacher überrascht. Das will wirklich etwas heißen. 

©Rapid Eye Movies
BEWERTUNG: 09/10
Titel: Geständnisse
FSK: ab 16 freigegeben
Länge: 106 Minuten
Genre: Thriller, Drama, Horror
Regisseur:  Tetsuya Nakashima
Darsteller: Takako Matsu, Yoshino Kimura,  Masaki Okada, Kai Inowaki, Yukito Nishii, Kaoru Fujiwara






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