Mittwoch, 20. November 2013

Wibbly Wobbly Timey Wimey: Whovians, tretet vor! - "Doctor Who Staffel 7" in einer ausführlichen Review!


©BBC



                                         „Who are you?“
                               „I am the doctor!“
                               „Doctor Who?“
                               „Exactly!“

Normalerweise handhaben wir es auf City of Cinema so, dass Serien von Anfang an aufbereitet werden. Damit ihr euch ein Bild machen könnt, was sich im Laufe der Staffeln verändert hat, wo neue Stärken und Schwächen liegen. 

Nicht so bei „Doctor Who“. 

Davon abgesehen, dass ich, wenn ich von Beginn an rezensieren würde, mit den 1960er Jahren beginnen müsste und es 2005 ein Quasi-Reboot gab, ist die Sichtung schon zu lange her um Tennant, Ecclestone und Co auch nur im Entferntesten gerecht zu werden. 

Außerdem steht nun am 23.11.2013 wohl das wichtigste Ereignis des Jahres für alle „Whovians“ (Bezeichnung für die Fans von „Doctor Who“) an. Das 50-jährige Jubiläum der Serie mit einer Sonderfolge, die erstmals auch in Deutschland im Kino zu sehen sein wird. Dazu noch in 3D und endlich auch wieder mit David Tennant an Bord! 

„The Day Of The Doctor“! 

Zur Einstimmung gewähren wir euch einen Einblick in Staffel 7 des Serienphänomens, die die Jubiläumsfolge gekonnt einleitet. 

Ausgestrahlt in zwei Teilen, so gesehen zwei Halbstaffeln, ist Staffel 7 eine Rückkehr zu alter Stärke. Showrunner Stephen Moffat, der ab Staffel 5 das Zepter übernahm, stand seitdem ständig in der Kritik. Nach David Tennants fulminantem Abschied konnte sich niemand wirklich mit dem neuen Darsteller Matt Smith anfreunden. Das lag gar nicht so sehr an ihm selbst, sondern an dem Konzept der Serie an sich. 

Das Budget wurde unverständlicherweise gekürzt. Pro Folge gab es nun zwei, drei Money Shots um im Trailer damit angeben zu können. Den Rest der 45 Minuten verbrachte der Doctor damit, durch kleine Sets zu rennen. Die Weitläufigkeit der vorherigen Staffeln verschwand. Das hat sich nun immer noch nicht so recht geändert, allerdings ist Besserung in Sicht. 

In der ersten Hälfte gelingt es den Drehbuchautoren sogar, den Companions des Doctors Tiefe einzuflößen. Wozu sie 26 Folgen zuvor nicht in der Lage waren, pressen sie nun in ein Bruchteil der Zeit. Dadurch wirkt die plötzliche Charakterentwicklung ein wenig gehetzt und der Zuschauer ist verunsichert aufgrund der großen Gefühle, die sich plötzlich ausbreiten. Nichtsdestotrotz präsentiert sich das Geschehen ungemein packend und witzig zugleich. 

Mit Part 2 der aktuellen Staffel läutet Moffat vielleicht nicht eine neue Ära ein, das Niveau nimmt jedoch zusehends zu. Schon die Weihnachtsfolge „The Snowman“ präsentiert sich im schicken viktorianischen London und ist gespickt mit Verweisen auf die Romanfigur Sherlock Holmes. Dazu gilt es alte Bekannte zu entdecken, die dem Doctor noch oft begegnen werden. 

©BBC

Wichtigste Neuerung ist aber ohne Wenn und Aber die wundervolle Jenna-Louise Coleman alias Clara – The Impossible Girl. Mit ihrer bezaubernd unkomplizierten und frechen Art nimmt sie das Publikum für sich ein. Sie versprüht schon in den ersten fünf Minuten mehr Charisma, als Amy Pond in zwei gesamten Staffeln. Das Zusammenspiel zwischen ihr und Matt Smith ist große Klasse und verdeutlicht nur, zu was Smith eigentlich im Stande gewesen wäre. Wunderbar! 

Einen roten Faden gibt es diesmal nicht. Viel mehr ist es eine rote, gestrichelte Linie, die den Weg weißt und sich ganz um das Mysterium Clara zu drehen scheint. Da ihr Charakter sowieso genügend Empathie ausstrahlt, ist es ein Leichtes mitzufiebern. 

Zum Ende hin spitzt sich die Lage natürlich gewaltig zu und der Doctor muss (mal wieder) seine schwerste Prüfung bestehen. Das Finale dient jedoch lediglich als Teaser für die Geburtstagsfolge, lässt den Zuschauer trotzdem mit einem unfassbar spannenden Cliffhanger in der Luft rotieren. Wie geht es nun weiter?!? 

Die Antwort werden wir bald wissen. Allons-y! 


Wer die 7. Staffel nicht gesehen hat, sollte nun in der Einzelbesprechung der Folgen aufhören zu lesen. 

Episode 1: Asylum of the Daleks

Die erste Episode beginnt gleich dort, wo Moffat zuletzt aufhörte. Ein paar wunderschöne Animationen, der Rest ist ein Hasten durch die immer gleichen Sets, die den Erzfeinden des Doctors kaum gerecht werden. Die Hintergründe von Oswin sind rasch vom Tisch und der erfahrene Zuschauer weiß, wohin der Hase läuft. Schade. Auch die Ehekrise, die mit der Miniepisode „Ponds Life“ groß angekündigt wurde, verpufft innerhalb von Minuten. Da wäre deutlich mehr drinnen gewesen. Nichts weiter als solide, mit gehörig Potenzial nach oben.

Episode 2: Dinosaurs On A Spaceship

Ja, ihr habt richtig gelesen. Der Name der Folge ist Programm. Wir dürfen erstmals im deutschen Fernsehen Dinosaurier auf einem Raumschiff beobachten. Dazu gesellt sich noch ein chauvinistischer Indiana Jones Verschnitt und Nofretete höchstpersönlich. Warum der Doctor sie mitsamt Amy und Rory dorthin führt, wird nicht ganz klar. Spaß macht es aber trotzdem. Dazu wird eine weitere interessante Figur in Form von Rorys Vater eingeführt. Dieser sorgt sogleich für etwas Tiefe im Gespann der Ponds. Dargestellt wird der Vater übrigens von Mark Williams (Vater der Wesleys in „Harry Potter“). Da macht es auch wenig, dass die eigentliche Story rund um einen Weltraumpiraten ziemlich schwach ist. Das Drumherum macht dafür umso mehr Spaß. Nebenbei sind die Effekte ziemlich gelungen.

Episode 3: A Town Called Mercy

Hier kommt der zunehmende Einfluss von BBC America vollends zur Geltung. Angesiedelt in einem kleinen Kaff im amerikanischen Nirgendwo zur Zeit des wilden Westen, muss der Doctor die Einwohner vor einem außerirdischen Jäger beschützen. Optisch macht „A Town Called Mercy“ einiges her. Die Sets sind also solche nun nicht zu erkennen. Der Zuschauer fühlt sich sogleich in einen Western zurückversetzt. Leider agiert der Doctor mit dem Herumfuchteln der Waffe ein wenig out of character. Schließlich verachtet er Schusswaffen. Auch das Einführen interessanter Nebenfiguren bringt nichts ein, da das Potenzial derer kaum genutzt wird. Trotzdem nimmt die Spannung gen Ende zu und versöhnt mit ein paar kleineren Schwächen.

Episode 4: The Power Of Three

Ganz klar: Hier wollte man sparen und das soviel wie möglich. Die Bedrohung entsteht nun anhand von kleinen, schwarzen Würfeln, die urplötzlich auf der ganzen Welt zu finden sind. Der Doctor macht sich daran ihr Geheimnis zu lüften, kommt aber auch nach Wochen nicht dahinter. Matt Smith muss nun als Hampelmann die schwache Story retten und kann dem Zuschauer fast nur leid tun. Unpassender Slapstick, Rorys Vater zum Nichtstun verdammt und generell wenig Storytelling. Erst gegen Ende nimmt die Folge an Fahrt auf. Trotzdem ist „The Power Of Three“ eher unter den schwachen Folgen der Staffel zu finden.

Episode 5: The Angels Take Manhattan

Puh. Nachdem mit „The Power Of Three“ ein Tiefpunkt erreicht wurde, scheint sich Moffat auf alte Stärken zurück zu besinnen. Wieder einmal holt er seine Weeping Angels aus der Vergangenheit empor und lässt sie mal eben ganz New York einnehmen. Die Autoren versuchen in die 45 Minuten soviel Drama wie nur möglich zu packen, was gut gelingt. Allerdings wird auch schmerzlich bewusst, wie viel mehr mit 15 Minuten mehr erreicht worden wäre. Aber man muss sich ja an amerikanische Gepflogenheiten anpassen...
Das tragische Schicksal Amy und Rorys sorgt für gebannte Zuschauer, optisch präsentiert sich das (Halb)Staffelfinale auf höchstem Niveau. Trotzdem ist die Erklärung, warum der Doctor nicht einfach in die Zeit zurückspringt, etwas weit hergeholt. Nichtsdestotrotz findet „Doctor Who“ wieder zu alter Stärke und überzeugt auf emotionaler Ebene vollends. Auch wenn mit etwas mehr Vorarbeit in den vorherigen Folgen noch mehr möglich gewesen wäre. 

Darf ich vorstellen? Clara - The impossible Girl! ©BBC

Episode 6: The Snowman

Die Weihnachtsfolge nimmt sich wieder einer literarischen Berühmtheit an. Dieses Jahr lassen sich Dutzende Verweise auf den Detektiv Sherlock Holmes finden. Dazu ist die Story im viktorianischen London angesiedelt, was der Folge zusätzliches Flair verleiht. Besonders schön ist das Wiedersehen mit Madame Vastra und ihrer Begleiterin. Highlight ist allerdings die Einführung des neuen Companion Clara. Sie dominiert das Geschehen aufgrund ihrer süßen Art. Bezaubernd. Phänomenal. Ab hier geht es für die Staffel nur noch nach oben.

Episode 7: The Bells Of Saint John

Nun, zu viel darf über diese Folge nicht verraten werden. Sie führt das hohe Niveau der Vorgängerepisode nahtlos fort und gibt einen kleinen Hinweis auf den schier übermächtigen Gegner, der den Doctor am Ende erwartet. The Great Intelligence! Außerdem kann „The Bells Of Saint John“ als witzig-kritischer Kommentar auf die Internetgeneration verstanden werden.

Episode 8: The Rings Of Akhaten

Diese Folge dürfte zum besten zählen, was unter Stephen Moffats Ägide jemals entstanden ist. Voller uriger Aliens, fremden Welten und einer Story, die den Doctor fordert. Matt Smith darf endlich wieder einmal zeigen, was in ihm steckt. Zum Folgenfinale hin liefert er einen unheimlich starken Monolog ab, der Whovians das Herz aufgehen lässt. Dazu ist der Soundtrack der Folge ungemein vielseitig und abwechslungsreich. Klares Herz. Außerdem: Clara!

Episode 9: Cold War

„Cold War“ nimmt sich wieder ein wenig zurück. Der Doctor stürzt mitten hinein in den kalten Krieg. Genauer in ein russisches Atom U-Boot, das natürlich prompt auf Grund läuft. An Bord befindet sich natürlich ein hässliches Alien, das die Besatzung dezimiert. Wenig aufsehenerregendes, aber handwerklich sehr gut gemacht. Mit Clara ist einfach alles besser. Außerdem gibt es ein Wiedersehen mit zwei „Game of Thrones“-Veteranen. Namentlich Tobias Menzies (Edmure Tully) und Zwiebellord Liam Cunningham.

Episode 10: Hide

Hier führt es den Doctor in ein großes Landhaus, in dem es angeblich spuken soll. Natürlich stecken dahinter außerirdische Machenschaften, die der Doctor zusammen mit Clara(<3) und zwei weiteren Kämpfern versucht zu stoppen. Ähnlich wie „Cold War“ schlägt diese Folge in die Gruselsparte und ist eine weitere Spar-Episode. Das macht dieses mal allerdings überhaupt nichts, schließlich überzeugt der Rest noch mehr. 

Episode 11: Journey To The Centre Of The Tardis

Der Titel gibt die Marschrichtung vor. Der Doctor muss in das Zentrum seines geliebten Raumschiffs und sich gegen sie, als auch gegen Eindringlinge zur Wehr setzen. Packend, darstellerisch auf sehr hohem Niveau und bis kurz vor Ende logisch. Für Fans gibt es im Übrigen genug zum Staunen. Jedoch ist das Ende ein wenig unbefriedigend, da sich Moffat schon wieder des Reset Buttons bedient. Der, was noch schlimmer ist, nicht einmal wirklich Sinn macht. Es bleibt allerdings beim einzigen Ausrutscher der Halbstaffel! 

Episode 12: The Crimson Horror

Doctor und Clara sind dieses mal eher im Hintergrund. Viel mehr widmet sich die Folge den Ermittlungen von Madame Vastra und ihrer Gehilfin Jenny. Die Story selbst entwickelt sich als angenehm gruselig und interessant, zumal der Doctor gerettet werden muss. Sonst ist es immer andersherum. 

Episode 13: Nightmare in Silver

Wie schon in der letzten Staffel ist es wieder der bekannte Comic- und Buchautor Neil Gaiman(„Sandman“ und „Der Sternenwanderer“), der eine der stärksten Folgen der Staffel schreibt. Nach längerer Pause melden sich die Cyberman in verbesserter Form zurück und sorgen für Tod und Verderben. „Nightmare in Silver“ bietet all das, was „Doctor Who“ ausmacht. Große Emotionen, spannende Action, ruhige gleichwohl schöne Momente und eine hinreißende Clara. Na gut. Die gibt es erst seit Staffel 7...

Episode 14: The Name Of The Doctor

INTRODUCING JOHN HURT AS THE DOCTOR! 

Jawohl. Mehr muss eigentlich nicht gesagt werden. Als Teaser für die Jubiläumsfolge äußerst gelungen, als eigenständige Folge nicht gänzlich. Dafür mit alten Bekannten, einem fiesen Gegner und sehr viel Fanservice. So macht „Doctor Who“ Spaß. Gott sei Dank wird Clara nicht umgebracht. Das hätte ich Moffat niemals verzeihen können. 

Nun heißt es warten. Warten auf die Dinge, die noch kommen und uns Whovians sicherlich den Atem verschlagen werden...


©BBC
BEWERTUNG: 8,5/10
Titel: Doctor Who Staffel 7
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Science Fiction
Showrunner: Stephen Moffat
Darsteller: Matt Smith, Jenna-Louise Coleman, Karen Gillan, Arthur Davill

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