Montag, 25. November 2013

Whovians übernehmen Deutschlands Kinos für eine Nacht - The Day of the Doctor!

©BBC One

                          "I've been running all my lives, through time and space.

                            Every second of every minute of every day for over 900 years.

                            I fought for peace in a universe at war.

                          Now the time has come to face the choices I've made in the name  

                           of the Doctor.

                          Our future depends on one single moment of one impossible day.

                          The day I've been running from all my life.

                         The day of the Doctor!"


Kinogänger mussten sich letzten Samstag auf einen sehr ungewöhnlichen Anblick gefasst machen. In zahlreichen deutschen Kinos wurde nämlich das 50. Jubiläum der Kultserie „Dr. Who“ mit einer Jubiläumsfolge gebührend gefeiert. 

Die Karten waren oftmals schon nach dem ersten Tag ausverkauft, die Vorfreude gigantisch und die BBC ließ es sich auch nicht nehmen mit einigen Webisodes die Woche zuvor mächtig die Werbetrommel zu rühren. 

Whovians aller Altersklassen trafen zusammen in den Foyers der Kinos, sorgten für riesige Warteschlangen, überfordertes Kinopersonal und bis zur letzten Karte ausverkaufte Säle. Sogar in mehreren Vorstellungen. Zu bestaunen gab es jede Menge Kreaturen aus dem Who-Universum, verschiedenste Inkarnationen des Doctors und selbstverständlich massig Fan-T-Shirts. Allein aufgrund dieser besonderen Atmosphäre lohnten sich die 15 Euro, die jeder Fan freudig investierte. Schließlich dürfte diese Aktion wohl eine einmalige Sache sein, auch wenn der unfassbare Andrang vielleicht die Ketten dazu bewegt, auch das Weihnachtsspecial im Kino auszustrahlen. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. 

Erstaunlich, wie viele Whovians es in Deutschland doch gibt und noch dazu jeglichen Alters. Ein weiteres Zeichen dafür, wie universell unterhaltend die Serie ist. Von Jung bis Alt ist alles dabei. Ob Nerd oder Normalo, Opa oder Student. „Dr. Who“ scheint tatsächlich ein Phänomen zu sein, das jeden anspricht. Von den vielen hübschen jungen Damen im Publikum ganz zu schweigen.
So lohnte sich der Kinogang allein für das famose Publikum. 

©BBC One
Das Special selbst präsentierte sich als überaus sympathisch. Zur Einführung spendierten die Macher den Zuschauern einen selbst produzierten Handy-Aus-Spot, der „Potatohead“ Strax in die Rolle des mahnenden Offiziellen setzte und für Szenen-Applaus sorgte. Weiter ging es mit der 3D-Einführung, die Matt Smith und David Tennant in Höchstform Nettigkeiten austauschen ließ. Wunderbar. Wieder Szenen-Applaus. 

Nun ist dies jedoch nicht der Grund, warum Tausende Whovians am Samstag ins Kino pilgerten.
Die 75-minütige Folge selbst dürfte nichts weiter als ein Freudenfest für Fans darstellen.
Neben dem in der 7. Staffel völlig überraschend eingeführten John Hurt als War Doctor, geben sich auch Matt Smith und David Tennant die Ehre. Zu dritt versuchen sie zum Einen die Erde vor einer Invasion zu bewahren und zum Anderen ihren Heimatplaneten Gallifrey im Time War zu retten.
Showrunner Steven Moffat, der seit der 5. Staffel das Zepter in der Hand hält, pickt sich selbstverständlich ein solch prestigeträchtiges Thema heraus, um den 50. Geburtstag zu feiern.
Erstaunlich ist allerdings, dass er, anstatt sich auf den Time War zu konzentrieren, noch die Invasion der sogenannten Zygons auf der Erde mit ins Boot nimmt. Dadurch gerät der Time War beinahe ins Hintertreffen und die Story entfaltet nicht die emotionale Durchschlagskraft, die möglich gewesen wäre. Hier hätten wir wieder ein typisches Moffatsches Problem. Er möchte viel erzählen, tut dies auch, aber vergisst die Charaktere. Glücklicherweise fällt das dieses Mal nicht sonderlich ins Gewicht. Nebencharaktere gibt es nämlich kaum und auch Clara steuert wenig zur Story bei. Leider. Dafür darf der Zuschauer sie endlich auf großer Leinwand bewundern. In 3D. Hach...

Moffat konzentriert sich ganz auf seine drei Doktoren, weshalb das Publikum wenig Probleme haben dürfte, mitzufiebern. Das gewisse Kräftemessen zwischen den Dreien ist zum Schießen und sorgt für ausgelassene Stimmung im Kinosaal. Die Sprüche treffen ins Schwarze, die Gags ebenso. Natürlich nutzt Moffat die Jubiläumsausgabe um ausgiebig Fanservice zu betreiben. Überall lassen sich kleine (oder auch sehr große) Hinweise auf frühere Doktoren, Feinde und Geschichten der Serie finden. Hier zollt Moffat vor allem seinen bisherigen Staffeln Tribut, vergisst allerdings auch nicht die Classics. Sogar Tom Baker darf mit einem Gastauftritt auf sich aufmerksam machen. Fans der älteren Staffeln werden im Finale sowieso kein Halten finden. 

Es grenzt schon an Wahnsinn, wenn Moffat zum Ende hin einfach die komplette Serie um die eigene Achse dreht und dem Doctor eine völlig neue Ausrichtung spendiert. Das dürfte der Serie in der Tat viele Möglichkeiten zum Expandieren geben und Stillstand ausschließen. Schließlich muss der Doctor nun nicht mehr mit seinen Schuldgefühlen leben und dürfte wesentlich freier auftreten. Wie es weiter geht, wird sicherlich spannend. 

Auf emotionaler Ebene kann die Folge leider nicht dementsprechend punkten. Dafür wird bestimmt die Weihnachtsfolge sorgen, wenn es an der Zeit ist, Abschied zu nehmen. 

Doch wie es die Fans von „Dr. Who“ schon lange wissen: Abschied nehmen heißt auch gleichzeitig Willkommen heißen. Und das dürfte mit Peter Capaldi wunderschön werden.

©BBC One
BEWERTUNG: 08/10
Titel: The Day of the Doctor
Genre: Science Fiction
FSK: ab 12 freigegeben
Produzent/Autor: Stephen Moffat
Darsteller: Matt Smith, David Tennant, John Hurt, Jenna Coleman, Billie Piper, Tom Baker






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