Samstag, 9. November 2013

Wenn der Lehrer auf die Schüler schießt...// Fack Ju Göhte!



©Constantin Film

Der deutsche Film steht seit jeher unter keinem guten Stern. Erfolgreich werden hierzulande nur Schweiger/Schweighöfer-Produktionen oder seichte Romanzen. „Türkisch für Anfänger“-Macher Bora Dagtekin will nun mit seinem neuesten Streich „Fack Ju Göhte“ das Gegenteil beweisen.
Wer die letzten Monate ein Kino besuchte, wird kaum um einen Werbespot des Films herumgekommen sein. Unzählige Teaser machten Lust auf diese angebliche Anarcho-Komödie. Sogar der Handy Aus-Spot vor der Kinovorstellung präsentierte sich als wirklich witzig und frech. Leider ist das Endergebnis nicht völlig auf demselben Niveau. 

Das liegt zum einen an der Story, die selten (bzw. nie) überrascht, von Anfang an vorhersehbar ist und natürlich sämtliche beteiligten Personen einer Läuterung unterzieht. 

Kleinganove Zeki wird aus dem Knast entlassen und will nun seine Kohle abholen. Seine Komplizin hat diese nur dummerweise auf einer Baustelle vergraben, weshalb eine fertige Sporthalle der Beute im Weg steht. Der Plan sieht vor sich in das Personal einzuschleichen und einen Tunnel zum Geld zu graben. So weit, so bescheuert. 

Fairerweise muss allerdings gesagt werden, dass die absurde Geschichte glücklicherweise nur wenig Gewicht hat. Der Fokus liegt hier ganz klar auf den Personen, der Situationskomik und den Schülern, die assozialer nicht sein könnten. 

Hier leistet „Fack Ju Göhte“ sehr gute Arbeit. 

Angeführt von Elyas M'Barek präsentiert sich das Ensemble in bester Art und Weise. M'Barek beweist sein komödiantisches Talent und erweckt im Zuschauer durchaus Sympathien. Die wundervolle Karoline Herfurth überzeugt wie eh und je, die Chemie zwischen den Beiden stimmt. Besonders witzig ist Katja Riemann, die als Kleber schnüffelnde Schulrektorin für jede Menge Lacher sorgt. Die heimlichen Stars sind selbstverständlich die Schüler, wovon vor allem Jella Haase (Chantal) und Max von der Groeben (Danger) positiv hervorstechen. Sogar Uschi Glas darf sich mal wieder auf der großen Leinwand zeigen.
©Constantin Film
Die Gagdichte selbst präsentiert sich auf einem einigermaßen hohen Niveau. Das Verhalten der Schüler ist im großen und ganzen überaus witzig und fordert die Lachmuskeln der Zuschauer. Vor allem im Zusammenspiel mit den unorthodoxen Lehrmethoden M'Bareks entwickelt sich purer Sehgenuss. Schade nur, dass Regisseur Dagtekin hin und wieder maßlos übertreibt. Bis zu einem gewissen Grad trifft die Komödie nämlich voll ins Schwarze und dient als Satire auf den alltäglichen Schulalltag vortrefflich. Ab und zu jedoch verkommt „Fack Ju Göhte“ zu purem Slapstick im Hau Drauf Modus. Das ist schade, flacht der Film dadurch leider etwas ab. 

Wer nämlich in ähnlichen Ballungszentren zur Schule gegangen ist, wird wissen, dass das Gezeigte manchmal gar nicht allzu weit von der Realität entfernt ist. 

Dank der vortrefflichen Darsteller kann das Publikum das Geschehen trotzdem weitestgehend genießen. Zwar greifen die dramatischen Elemente überhaupt nicht, doch den Spaß, den das Gespann während des Drehs hatte, spürt auch der Zuschauer. 

Letztendlich wird das Potenzial zwar nicht ausgeschöpft, denn alles löst sich in Wohlgefallen auf. Aber den Kinobesuch zu bereuen, wird den Zuschauern schwer fallen. Dafür unterhält „Fack Ju Göhte“ einfach allzu gut. Nur ein Meisterwerk sollte nicht erwartet werden.

©Constantin Film
BEWERTUNG: 06/10
Titel: Fack Ju Göhte
Genre: Komödie
FSK: ab 12 freigegeben
Regisseur: Bora Dagtekin
Darsteller: Elyas M'Barek, Karoline Herfurth, Katja Riemann, Uschi Glas





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