Samstag, 30. November 2013

Schneewittchen als Matador - Blancanieves!


seit 28.11 im Kino! ©AV Visionen


Nachdem uns Hollywood letztes Jahr das Märchen um Schneewittchen gleich in doppelter Ausführung präsentierte, lässt sich auch das Arthouse-Kino nicht lumpen. 

Mit „Blancanieves“ präsentiert der spanische Regisseur Pablo Berger das Märchen der Gebrüder Grimm in schwarz-weißem Gewand. Der Überflieger der Goya-Verleihung 2013(10 Preise) ist dabei als kleine Hommage an die Stummfilmära zu verstehen, auch wenn er in Inszenierung und Aussehen vollkommen im Hier und Jetzt verankert ist. Da hilft auch kein 4:3 Bildformat oder das Ausbleiben jeglicher Dialoge. 

Das soll allerdings kein Kritikpunkt sein. Allein schon aufgrund seiner ungewöhnlichen Machart dürfte der Film Interesse wecken. Nach dem Hit „The Artist“, der sogar den Oscar überrumpelte, kommt mit „Blancanieves“ der nächste große Stummfilm der letzten Jahre in die Kinos.
Berger erzählt die berühmte Geschichte des Mädchens auf der Flucht vor ihrer Stiefmutter in perfekt ausstaffierten Bildern. Angesiedelt im spanischen Sevilla der 1920er Jahre, entfaltet sich mit fortschreitender Laufzeit ein wenig Leinwand-Magie. 

Der Zuschauer verfolgt das Leben der kleinen Carmencita, deren Vater ein berühmter Matador ist. Er wird in einem wichtigen Kampf jedoch schwer verletzt und ihre Mutter stirbt im Kindbett. Eine zwielichtige Krankenschwester nutzt ihre Chance und umsorgt den gelähmten Vater, gewinnt sein Vertrauen und heiratet ihn. Carmencita schwebt fortan in Lebensgefahr. 

©AV Visionen

Zu Beginn gelingt es Berger leider nicht das Publikum zu fesseln. Die Kindheit Carmencitas ist wenig aufsehenerregend und bietet leider kaum spannendes Material. Erst nach rund einer halben Stunde beginnt der Film richtig aufzudrehen, während das Drama rund um Carmencita ihren Lauf nimmt. Ab diesem Moment geht die Spannungskurve steil nach oben und die losen Verweise auf Schneewittchen gliedern sich wunderbar in die Geschichte. Mit Beenden ihrer Kindheit gewinnt auch der Charakter der Carmencita an Gewicht. Ihre ältere Inkarnation Macarena Garcia ist schlichtweg umwerfend. Sie füllt die Rolle der Blancanieves(spanisch für Schneewittchen) mit solch einer grazilen Unschuld, dass der Zuschauer sofort von ihr eingenommen ist. Mit großen Kulleraugen blickt sie in die Kamera und das Publikum gerät ins Schwärmen. Eine hübsche, charismatische junge Frau, die durch ihre Leistung sichtlich überzeugt. 

Die Qualität des Films selbst erlebt einen Sprung nach oben, auch wenn das Mysterium des Torero wohl nur den Spaniern selbst erklärbar ist. Der Rest der Welt wird sich damit niemals anfreunden können. Tradition hin oder her. Ein wenig romantisiert „Blancanieves“ die Praktik des Stierkampfes nämlich doch. Verschwiegen wird, wie Helfer der Matadoren den Tieren in den Nacken oder die Seite stechen, um sie auszulaugen. Schwäche durch Blutverlust mit anschließendem „Gnadenstoß“ durch ein Espada. Im Grunde nichts, wofür es sich lohnt zu feiern.
Sei es drum. 

Dem Film selbst tut der Kampf in der Arena nur gut, schließlich taugt er vortrefflich als Höhepunkt des Films. Wunderschön fotografiert, mit dem Herz am rechten Fleck. Mit Macarena Garcia in der Hauptrolle hat der Film zudem eine wundervolle Attraktion zu bieten.

Trotz Schwächen ist „Blancanieves“ dann doch ein prachtvolles Märchen, dass es versteht, gänzlich ohne Worte zu berühren. Die simple Geschichte um Schneewittchen wird durch einen fabelhaften Score, hinreißende Darsteller und effektiver Inszenierung positiv verstärkt und gewinnt an emotionaler Durchschlagskraft. 

©AV Visionen

BEWERTUNG: 7,5/10
Titel: Blancanieves 
Genre: Stummfilm, Drama, Märchen
Regisseur: Pablo Berger
Autor: Pablo Berger
Darsteller:  Macarena García, Maribel Verdú, Daniel Giménez Cacho, Ángela Molina, Pere Ponce, Sofía Oria, José María Pou, Imma Cuesta, Ramón Barea, Emilio Gavira






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