Freitag, 22. November 2013

Piraten, Todesangst und ein Mann, der alles tut um seine Crew zu retten - "Captain Phillips"!



©Sony Pictures
Paul Greengrass ist mit Sicherheit einer der interessantesten Regisseure in Amerika. Mithilfe der Bourne-Reihe hat er sich erfolgreich im Mainstream-Kino platziert, ohne je einen seiner Filme austauschbar wirken zu lassen. Er bedient sich dabei sehr gerne der umgangssprachlich genannten „Wackelkamera“. Vielfach gescholten und das auch nicht immer zu Unrecht. Doch Greengrass weiß damit umzugehen und nutzt die verschwommene Ästhetik der Bilder um das Geschehen noch eine Spur greifbarer und intensiver zu machen. 

Nach kurzer Eingewöhnungszeit ist der Zuschauer auch wieder vollends mit an Bord. Mit wenigen Pinselstrichen zeichnet Greengrass den Charakter eines ehrlichen Captains, der um die Sicherheit seiner Crew besorgt ist und einiges auf sich nimmt um sie zu retten. 

Basierend auf den wahren Ereignissen rund um das Schiff Maersk Alabama im Jahre 2009 ist Greengrass ein spannender Thriller gelungen. 

In seiner Darstellung der somalischen Piraten ist „Captain Phillips“ weniger plakativ, als zuvor angenommen. Anführer Muse wird als entschlossener Kämpfer vorgestellt, der anfangs weiß, was er tut. Greengrass verkneift sich einen Kommentar hinsichtlich der Entstehung von Piratengruppen in Afrika. Themen, wie Globalisierung, Ausbeutung und selbstverursachte Piratenproblematik werden nur in Nebensätzen kurz angeschnitten. Die restliche Zeit bemüht sich Greengrass das Tempo hochzuhalten und fährt mit vollen Drehzahlen auf das Ende zu. 

In seinen knapp 134 Minuten langweilt „Captain Phillips“ kein einziges mal. Die Spannungsschraube zieht immer weiter an und presst das Publikum förmlich in seinen Sessel. Unterstützt wird die schweißtreibende Regie noch von überzeugenden Darstellerleistungen. Tom Hanks zeigt sich endlich wieder in ernstzunehmenden Rollen und darf den Film fast im Alleingang tragen. Der Normalo schlechthin macht es dem Zuschauer einfach, sich mit seiner Person zu identifizieren. Hoffen, Bangen und atemloses Staunen erfüllt den Kinosaal, wenn sich Phillips immer wieder schützend vor seine Crew stellt und schlussendlich in kammerspielartiger Atmosphäre um sein Leben fürchten muss. Sein Gegenspieler Barkhad Abdi steht seiner Leistung in Nichts nach. Dürr, ausgemergelt und zu allem entschlossen, erträumt er für sich ein besseres Leben. Regisseur Greengrass verzichtet dabei auf allzu große Actioneinlagen. Viel mehr ist „Captain Phillips“ ein Thriller-Drama auf hoher See, dass seine Spannung aus den Handlungen der Charaktere zieht und völlig auf Bumm Bumm verzichtet. Echte Handarbeit wird hier geleistet, was sich auch bemerkbar macht. Völlig zurecht punktete der Film bisher an den Kinokassen. 

Eine weitere wichtige Komponente ist die emotionale Bindung zu Phillips. Nachdem der Film kurzzeitig ein etwas langsameres Tempo anschlägt, liegt es an seiner Figur, den Zuschauer bei Laune zu halten. Was, so viel sei gesagt, mühelos gelingt. 

Sollte manchem der Ausgang der Geschichte schon bekannt sein, ist das ohne Belang. Auch so zerrt der Film an den Nerven und gipfelt in einem Finale, das sich gewaschen hat. Diese Geschichte ist es wert, erzählt zu werden. Dieser Mann hat es verdient, besprochen zu werden. Greengrass ist es hoch anzurechnen, dass er nicht in pure Stilisierung und Heroisierung verfällt. Die Story rund um Captain Phillips ist dafür geradezu prädestiniert. Umso schöner, dass „Captain Phillips“ zum Ende hin, ohne auf die Tränendrüse zu drücken, einen dicken Kloß im Hals hinterlässt und Tom Hanks seinen stärksten (Schauspiel-)Moment seit einer gefühlten Ewigkeit beschert. 

Hier gibt es keinen Hurra-Patriotismus, keine wehenden Fahnen. Nur einen einfachen Mann, der alles gegeben hat und nicht versteht, was um ihn herum gerade passiert ist. Kraftvoll.


PS: Schon gewusst? Das Schiff Maersk Alabama wurde im selben Jahr wieder von Piraten angegriffen. Dieses mal gab es allerdings Sicherheitspersonal, das mittels Handfeuerwaffen das Feuer erwiderte und Schlimmeres verhinderte...

©Sony Pictures
BEWERTUNG: 7,5/10
Titel: Captain Phillips
Genre: Thriller
FSK: ab 12 freigegeben
Laufzeit: 130 Minuten
Regisseur: Paul Greengrass
Darsteller: Tom Hanks, Catherine Keener, Barkhad Abdi






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